Kultur der alten Heimat

Sie leben ihre Tradition: Siebenbürger Sachsen zählen zu den aktivsten Vereinen Waldkraiburgs

Das Kronenfest der Siebenbürger Sachsen in Waldkraiburg zählt zu den Höhepunkten im Jahreslauf: Dann treten die Volkstanzgruppen auf und ein junger Bursch besteigt die Krone, einen Baumstamm mit einem prächtigen Blumengebinde. Siebenbürger Sachsen/Meier
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Das Kronenfest der Siebenbürger Sachsen in Waldkraiburg zählt zu den Höhepunkten im Jahreslauf: Dann treten die Volkstanzgruppen auf und ein junger Bursch besteigt die Krone, einen Baumstamm mit einem prächtigen Blumengebinde. Siebenbürger Sachsen/Meier
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Heimatgefühl, Tradition, Zusammenhalt ist vielen Siebenbürger Sachsen wichtig. In Waldkraiburg, wo viele der deutschen Spätaussiedler aus Rumänien und ihrer Nachkommen leben, pflegen sie das Kulturgut der alten Heimat und gestalten ihre neue Heimat mit.

Waldkraiburg – Viele Jahrhunderte lang lebten sie als deutschsprachige Minderheit in Rumänien – und litten schwer unter dem kommunistischen und nationalistischen Ceausescu-Regime: Die Siebenbürger Sachsen sind die älteste deutsche Siedlergruppe in Osteuropa, wohin sie im 12. Jahrhundert ausgewandert waren. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verstärkte sich der Exodus nach Deutschland. Zu Zehntausenden gingen sie in den Westen.

Stolz auf berühmten Landsmann

Unter anderen nach Waldkraiburg, wo sie sich schon in den 1960er-Jahren mit Mitgliedern einer zweiten großen Volksgruppe, den Banater Schwaben, zum Verein der „Deutschen aus Rumänien“ zusammengetan hatten. Später wurden daraus zwei Verbände. Hier in Waldkraiburg startete damals auch einer der bekanntesten Landsmänner aus Siebenbürgen seine Karriere: der Rockmusiker Peter Maffay.

Verein zählt etwa 900 Mitglieder

Der Kreisverband der Siebenbürger habe mit etwa 60 Familienmitgliedschaften begonnen, sagt Walter Connerth. Heute ist der Vorsitzende stolz auf 350 Familienmitgliedschaften. „Das sind etwa 900 Mitglieder.“ Sie auch aus den Landkreisen Altötting und seit 2019 auch aus Erding. „Von der Anzahl der Mitglieder sind wir einer der stärksten und aktivsten Vereine in Waldkraiburg.“

Ein Höhepunkt im Jahreslauf: das Kronenfest

Die Vereinsgeschichte weist viele Höhepunkte auf. So wurde etwa im April 1982 die neue Fahne der Kreisgruppe vorgestellt. Damals trat zum ersten Mal die neu gegründete Jugendtanzgruppe auf, bis heute ein wichtiger Träger der Traditionspflege, ebenso wie der Chor, der 1975 ins Leben gerufen wurde. Bei vielen Veranstaltungen tanzen und singen sie.

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Eine Familie – zwei Heimaten

Auch beim jährlichen Kronenfest, das immer um Peter und Paul stattfindet. Höhepunkt dieses Brauchtumsfestes ist das Besteigen der Krone, eines Baumstammes mit einem prächtigen Blumengebinde durch den „Altknecht“. Oben angelangt grüßt er die zu ihm aufblickenden Festgäste. Und unter dem Kronenbaum beginnt mit dem traditionellen Trachtenaufmarsch ein buntes Festprogramm aus Volkstänzen und Liedern. Danach gibt’s bei typischen Speisen Tanz bis in die späten Abendstunden.

An Pfingsten geht‘s nach Dinkelsbühl

Dass die Siebenbürger Sachsen in einen großen Verband eingebunden sind, das zeigen sie Jahr für Jahr zu Pfingsten beim Heimattag in Dinkelsbühl. Auch der Kreisverband Waldkraiburg ist beim Festumzug mit seinen Trachtenträger, dabei. Auch bei Sängerfesten in Ingolstadt, Nürnberg, oder Schwabach sind sie vertreten. Und natürlich daheim in Waldkraiburg jedes Jahr beim Stadtparkkonzert.

Corona macht auch ihnen in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung,. Doch die Hilfsbereitschaft und den Zusammenhalt innerhalb ihrer Gemeinschaft wollen sie sich nicht nehmen lassen. „Viele Menschen konnten während Corona das Haus nicht verlassen. Deshalb boten die jungen Leute den älteren ihre Hilfe an“, sagt Connerth.

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