Sexueller Missbrauch mit lernbehindertem Azubi? Prozess am Amtsgericht Mühldorf

Der Prozess gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Berufsbildungswerkes Aschau wird heute fortgesetzt.
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Der Prozess gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Berufsbildungswerkes Aschau wird heute fortgesetzt.

Wegen sexuellen Missbrauchs eines Schutzbefohlenen muss sich ein 35-jähriger Mann aus dem Landkreis Mühldorf derzeit vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten. Der ehemalige Ausbilder am Berufsbildungswerk Aschau soll einen lernbehinderten, heute 24 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Rosenheim zum Oralverkehr gezwungen haben.

Aschau/Mühldorf – Wegen sexuellen Missbrauchs eines Schutzbefohlenen muss sich ein 35-jähriger Mann aus dem Landkreis Mühldorf derzeit vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten. Der ehemalige Ausbilder am Berufsbildungswerk Aschau soll einen lernbehinderten, 24-jährigen Mann aus dem Landkreis Rosenheim zum Oralverkehr gezwungen haben. Das Gericht beschuldigt ihn zudem, mehrfach gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen zu haben. Unter anderem soll er 28 Cannabispflanzen in seiner Wohnung aufbewahrt und zehn weitere dieser Pflanzen im Wald angebaut haben.

Vater und Onkel des Opfers im Zeugenstand

Ein mittlerweile pensionierter Hauptkommissar sagte in der Verhandlung vor Richter Florian Greifenstein aus, dass der Geschädigte mit seinem Vater im August 2018 bei der Polizeiinspektion Kiefersfelden eine Aussage gemacht haben soll. Dabei habe sich der junge Mann des Anbaus von Betäubungsmitteln bezichtigt. Zudem sei er vom Angeklagten zum Verkauf derselben gezwungen worden.

Der Vater des Opfers, der zugleich dessen Betreuer ist, berichtete, sein Sohn habe ihm gebeichtet, Cannabis angebaut zu haben. Von seinem Ex-Schwager habe er zusätzlich erfahren, dass sein Sohn von seinem Ausbilder sexuell missbraucht und auch geschlagen worden sei. Sein Sohn habe keine homosexuellen Neigungen, er habe auch schon Freundinnen gehabt. „Als ich mit ihm sprach, schämte er sich. Er zitterte“, erklärt der Vater. Sein Sohn leide seit den Vorfällen unter starker Nervosität und sei Bettnässer geworden.

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Der 62-jährige Onkel und Firmpate des Geschädigten berichtete, dass sich sein Neffe nach einigen Weißbieren im Sportheim des Ortes ihm anvertraut habe. Der Onkel hatte gefragt, wie es ihm bei seiner Ausbildung im Berufsbildungswerk ergangen sei. Neben einigen Ausflügen in Spielhallen kam auch zur Sprache, dass der Ausbilder im BBW ihn zu Oralverkehr gezwungen hätte. „Mir wurde schlecht“, sagt der Firmpate. „Ich habe die Befragung beendet“.

Es gab Querelen am Arbeitsplatz

Ein Vorgesetzter des Beschuldigten sagte aus, der Geschädigte sei drei Jahre lang sein Lehrling gewesen. Er wisse von fortlaufenden Querelen zwischen dem Lehrling und dessen Ausbilder. Auch habe er, so der Zeuge weiter, dem Lehrling mehrmals verboten, Fahrzeuge zu führen, da dieser nach Alkohol roch. Ebenso habe er gehört, dass der Auszubildende sich des Öfteren in der Nacht auf dem Gelände der Berufsbildungseinrichtung herumtreibe. Von Drogen oder sexuellen Übergriffen wisse er nichts.

Der Ausbildungsleiter der Einrichtung erzählte von einem Gespräch zwischen dem Angeklagten, dem Geschädigten, dessen Eltern und ihm. So sei dem Ausbildungsleiter zu Ohren gekommen, dass der Azubi das Gerücht aufgebracht habe, dass ihn sein Ausbilder – wegen finanzieller Unstimmigkeiten – durch die Prüfung fallen lassen werde. Dieses Gespräch endete einvernehmlich. Man habe beschlossen, Lehrling und Ausbilder zu trennen und sie nicht mehr auf gemeinsame Baustellen zu schicken.

Ausbildungsleiter: Weiß nichts von sexuellen Übergriffen

Von sexuellen Übergriffen habe er nichts gehört, das wäre für ihn ein Grund gewesen, dem Angeklagten fristlos zu kündigen. Diesem sei schließlich aus einem anderen Grund gekündigt worden. Er sei ohne Entschuldigung der Arbeit ferngeblieben. Seither sei der Mann arbeitslos und kümmere sich zuhause um seine pflegebedürftige Mutter. Frau und Kind hätten ihn verlassen.

Täter-Opfer-Ausgleich: 5000 Euro Entschädigung angeboten

Zu einer Aussage des Geschädigten kam es an diesem Verhandlungstag nicht. Der Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel, stellte einen Antrag: Sein Mandant erkläre sich bereit, seinem ehemaligen Auszubildenden einen Betrag von 5000 Euro als Entschädigung zu zahlen. Mit diesem Täter-Opfer-Ausgleichsangebot endete die Verhandlung vorerst. Die Prozessbeteiligten sollen klären, ob sie dem Ausgleich zustimmen. Die Verhandlung wird am morgen fortgesetzt.

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