Mit seinen Tattoos kann ein Waldkraiburger Leben retten

Dieter und Christine Sachsleiden beide an Diabetes Typ 2. Auf Wunsch ihrer Kinder haben sie sich ein Lebensretter-Tattoo stechen lassen. Istvan Kovacs (Mitte) betreibt eines von 21 Tattoo-Studios in Deutschland, die sich an der ungarischen Initiative beteiligen. re
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Dieter und Christine Sachs leiden beide an Diabetes Typ 2. Auf Wunsch ihrer Kinder haben sie sich ein Lebensretter-Tattoo stechen lassen. Istvan Kovacs (Mitte) betreibt eines von 21 Tattoo-Studios in Deutschland, die sich an der ungarischen Initiative beteiligen.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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21 Tattoo-Studios in Deutschland haben sich einer ungarischen Initiative angeschlossen, eines davon betreibt Istvan Kovacs aus Waldkraiburg. Der Ungar sticht Diabetikern kostenlos ein Lebensretter-Tattoo.

Waldkraiburg – Eine ungarische Idee findet immer mehr Anhänger in Deutschland, auch in Waldkraiburg. Istvan Kovacs, der selbst aus Ungarn kommt, sticht Diabetikern ein Tattoo, das Ärzten im Notfall einen wichtigen Hinweis auf die richtige Behandlung gibt.

Es ein nur blauer Ring mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern, in der Mitte ein einfacher Schriftzug T1, T2 oder IR, darunter Diabetic. Ein kleines Zeichen, das aber große Wirkung haben kann. Tätowiert wird das Symbol am linken Handgelenk. Genau dort, wo Rettungskräfte nach dem Puls fühlen. Ärzte wissen dann sofort, dass sie es mit einem Diabetiker zu tun haben und wie sie in einem Notfall richtig zu reagieren haben.

Lebensretter-Tattoos bislang erst in 21 Studios in Deutschland

„Ein Mann ist vor dem Rathaus in Burghausen fast ohnmächtig geworden, weil sein Blutzuckerspiegel zu hoch war. Die Leute sind an ihm aber vorbeigegangen, weil sie dachten, dass er betrunken ist“, erzählt Istvan Kovacs von einem Mann, der sich nach diesem Vorfall bei ihm ein Lebensrettertattoo hat stechen lassen.

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Istvan Kovacs ist seit elf Jahren Tätowierer, betreibt in Waldkraiburg das Mohican’s Studio. Seit eineinhalb Jahren tätowiert er Diabetiker. „Ich will helfen und halte es das Tattoo für eine gute Idee.“ Knapp 30 Minuten dauert es, bis das Symbol am linken Handgelenk für immer verewigt ist. Sein Studio ist eines von 21 in Deutschland, das sich der Initiative angeschlossen hat. Sechs Diabetiker sind bislang zu ihm gekommen.

Ein großer Wunsch der Kinder

Darunter auch das Ehepaar Sachs aus Waldkraiburg. Beide leiden an Diabetes Typ 2. „Unsere Kinder sind auf das Lebensretter-Tattoo aufmerksam geworden und wollten, dass wir uns tätowieren lassen“, erzählt Christine Sachs. Deren Kindern war es ein großer Wunsch, damit im Notfall – vor allem im Ausland – Rettungskräfte richtig reagieren. Lange überlegen musste das Ehepaar nicht, auch wenn beide bislang noch nie aufgrund ihrer Erkrankung in eine brenzlige Situation gekommen sind.

Im Frühjahr war sie gemeinsam mit ihrem Mann im Tattoo-Studio. „Ruckzuck, dann war‘s schon vorbei“, sagt sie. Seit acht Jahren leidet die 60-Jährige an Diabetes, ihr Mann erst seit drei Jahren. Bei einer Vorsorgeuntersuchung wurde zufällig bei ihr Diabetes entdeckt, seitdem lebt sie mit den Folgen der Erkrankung leben und musste auch ihre Ernährung umstellen. „Hin und wieder kann man sich etwas gönnen, muss aber trotzdem alles im Blick behalten.“ Vieles werde zur Gewohnheit.

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Etwa 7,2 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren in Deutschland leiden an Diabetes. 90 bis 95 Prozent sind an Diabetes Typ 2 erkrankt. Das Diabetiker-Tattoo gibt es in allen der deutschlandweit 21 Studios gratis. Nur einen ärztlichen Nachweis müssen die Diabetiker vorlegen, dann greift Istvan Kovacs schon zur Nadel. „Ich bin stolz, wenn ich ein solches Tattoo mache. Wer weiß, vielleicht hilft es einmal dabei, Leben zu retten. Das ist ein gutes Gefühl.“

Doch ein Tattoo bei Diabetikern muss wohl überlegt sein. Diabetesberaterin Alexandra Haufellner rät sogar gänzlich davon ab. „Es kann Nebenwirkungen haben, weil bei Diabetikern die Wundverheilung schlecht ist.“ Stattdessen empfiehlt sie Notfallausweise oder Amulette, die den gleichen Zweck erfüllen.

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