Schwimmbadklasse I: Das Waldbad soll Olympiatrainingsstätte werden

Einen Blick auf die Großbaustelle Waldbad bietet diese Aufnahme aus der Zeit um 1970. Stadtarchiv

Waldkraiburg und die Welt – Eine Delegation des Deutschen Schwimmverbandes informiert sich in Waldkraiburg über den geplanten Freibad-Neubau.

Das künftige Waldbad wird vom Verband in der Schwimmbadklasse I eingestuft. Es ist damit für alle Meisterschaften und internationalen Wettkämpfe geeignet. Das berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren.

Die Attraktion: ErstesWellenbeckenin einem Freibad

Sogar als olympische Trainingsstätte für die Spiele 1972 in München ist das Bad im Gespräch. Zu den Attraktionen, die auf die Funktionäre Eindruck machen, zählen ein 50-Meter-Sportbecken, ein 10-Meter-Sprungturm sowie das erste Wellenbecken Süddeutschlands, das sich in einem Freibad befindet. Geplant ist außerdem am Sportbecken eine Sitztribüne für 2000 Menschen. Das Bauvorhaben, das auf 1,6 Millionen Mark geschätzt wird, ersetzt das alte Waldbad. Deshalb fällt die Badesaison 1970 in Waldkraiburg aus.

Vierbeiner füllen Stadtkasse auf: Über 500 Hunde sind in Waldkraiburg registriert. Das bringt der Stadt rund 5000 Euro. Die Abgabe für den ersten Hund kostet zwölf Mark, für jeden weiteren Hund sind es 18 Mark. (Zum Vergleich: Heute beträgt die Hundesteuer 100 Euro.)

Kurioser Streitbeigelegt: Stadt spartund verliert Zuschuss

Ein kurioser Streit um Zuschussmittel geht zu Ende: Weil die Stadt beim Bau der Turnhalle der Watzlik-Schule (heute: Diesel-Grundschule) 77 000 Mark gespart hat, muss sie Zuschüsse zurückzahlen. Der Freistaat verzichtet nach einem Einspruch der Stadt darauf. Bundeszuschüsse in Höhe von 36 400 Mark bleiben strittig. Mehrere Jahre geht es hin und her in dieser Angelegenheit, dann steht fest: Die Stadt zahlt das Geld zurück, damit dem Buchstaben des Gesetzes Genüge getan ist. Doch für die neue Turnhalle der Volksschule erhält sie einen Zuschuss in gleicher Höhe: 36 400 Mark. Ein Härteausgleich, denn der Bund unterstützt Projekte in dieser Größenordnung nicht mehr. Im Gegenzug zieht die Stadt ihre Klage vor dem Verwaltungsgericht zurück. Die Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt. Alle anderen, selbst die Landeshauptstadt München, hatten in ähnlich gelagerten Fällen verzichtet.

Aus Platzgründen kann die Stadt Waldkraiburg im Schuljahr 1970/71 nur die Neuntklässler aus Kraiburg in der Hauptschule aufnehmen. Die siebte und achte Klasse verbleibt in Kraiburg, die dortige Hauptschule bleibt noch ein Jahr bestehen. Ab September 1971 soll dann die neue Mittelschule in Waldkraiburg-Süd fertig sein.

Angelköder und Co.WaldkraiburgerErfindungen 1970

Die „Daniel Düsentriebs“ aus Waldkraiburg machen von sich reden. Mehrere Erfinder melden Patente an. Zu ihnen zählen Gerhard Hüttl von der Firma Südstall, die eine Anbindevorrichtung zum einzelnen und gruppenweisen An- und Abbinden von Vieh patentieren lässt. Emil Gundel aus St. Erasmus erhält Gebrauchsmusterschutz für einen Angelköder, Günther Ryschanik und Alois Roiner, Waldkraiburg/Bad Tölz, für einen Stallrost. Diplom-Chemiker Dr. Helmuth Nolte hat mit drei Kollegen aus Aschau, Dr. Alex Dellmeier, Otto Mesulin und Friedrich Stecher, für die Aschauer Nitrochemie ein Verfahren zur Zerstörung von dunkelfarbigen Samenschalen in Nitraten aus Rohlinters entwickelt. Rudolf Meyer hat eine Einrichtung zum Herstellen großer Kunststoffteile erfunden.

Zeitung schickt ihreLeser gleichmehrfach in den April

Weiße Ostern erleben die Waldkraiburger und die Menschen in der Region. Am Ostersonntag liegt eine dicke Schneedecke über der Stadt. Der Osterhase tut sich schwer mit dem Eierverstecken.

Waldkraiburger Geschäfte verteilen kostenlos übrig gebliebene Ostereier und -hasen am Stadtplatz. Das kündigt die Zeitung an und lädt die ganze Stadt zum verspäteten Ostereiersuchen ein.

Am nächsten Tag stellt sich heraus: Es war ein Aprilscherz. Natürlich gab’s keine Gratissüßigkeiten. Und auch die Waldkraiburger Malermeister, Werbegrafiker und Kunstschaffenden, die aufgefordert wurden, den Bauzaun für den Rathausneubau zu gestalten, waren in den April geschickt worden. Diesen Wettbewerb hatte sich die Redaktion ausgedacht. hg

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