Schwere Zeiten für Fieranten: „Für mich war der Waldkraiburger Wochenmarkt die Rettung“

Sie halten die Stellung: Johann Wagner (Mitte), sein Sohn Johannes und Helferin Ursula Ruzicka, wollen trotz schwerer Umsatzeinbußen weiter auf dem Markt Obst und Gemüse verkaufen.

Für Christian Kurtze war der Waldkraiburger Wochenmarkt die letzte Rettung. Von heute auf morgen musste er sein „Tiroler Bauernstandl“, das seit einigen Monaten Tag für Tag vor einem Baumarkt in Mühldorf stand, abbauen. Wegen Corona und der damit verbundenen Beschränkungen.

Waldkraiburg – „Seit Samstag ist der Baumarkt zu.“ Und Stadtfeste oder Großveranstaltungen, die er an Sonntagen besucht, „sind alle von heute auf morgen weggebrochen“, sagt der Fierant, der am Dienstag von der Deutschen Marktgilde die Zusage bekam und am Mittwoch zum ersten Mal auf dem Sartrouville-Platz stand.

Viele Gemeinden vergeben wegen Corona keine Plätze mehr auf den Wochenmärkten

Tage lang habe er rumtelefoniert, Zig-Bewerbungen geschrieben und einige Absagen bekommen, erzählt Kurtze. Viele Gemeinden vergeben derzeit keine Plätze. „Sie wissen nicht, ob sie die Wochenmärkte auf Dauer aufrechterhalten dürfen.“

Für Gerlinde und Siegfried Peschko wäre das ein Jammer. Jeden Mittwoch und Samstag sind sie auf dem Wochenmarkt, der durch die Beschränkungen auf grade mal zehn Stände zusammen geschmolzen ist. „In die Geschäfte gehen die Kinder für uns“, erzählen sie. „Aber hier auf dem Wochenmarkt in der frischen Luft kann man Abstand halten.“ Mittlerweile haben sich die Regeln auch unter den Senioren herumgesprochen, die den Markt besuchen.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Es ist auch viel Platz. Es sind weniger Besucher geworden, weiß Johann Wagner, der Gemüse und Obst verkauft. Am Samstag sei der Umsatz um etwa 40 Prozent eingebrochen. „Heute werden es wahrscheinlich mindestens 50 Prozent sein.“ Die, die keine Angst haben und weiter kommen, kaufen eher mehr als sonst, meint Wagner.

Johann Wagner: Nach Corona werden die Wochenmärkte einen Aufschwung erleben

Er ist auf drei bis vier Märkten in der Region unterwegs und will das auch trotz der Rückgänge so weitermachen. „Die Wochenmärkte hören nicht auf“, ist er überzeugt. Nicht nur in Waldkraiburg auch in Mühldorf wird an den Markttagen festgehalten. Und Wagner glaubt, dass nach Corona die Märkte sogar einen Aufschwung erleben werden. „Regionale Waren sind gefragt. Dieses Bewusstsein wird wachsen.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Coronakrise gemeinsam meistern: OVB startet Initiative #ovbverbindet

Abstand halten beim Waldkraiburger Wochenmarkt: Nicht alle Leute sind vernünftig

Corona in Deutschland: RKI-Leiter hat Vermutung zu Todesrate - Chefarzt: „Große Welle wird noch kommen“

Schlimm sei es für die Fieranten, die derzeit nicht auf dem Wochenmarkt verkaufen dürfen, weil sie Bekleidung und andere Waren anbieten, die nicht zur Grundversorgung gehören. Oder die auf den Sonntagsmärkten unterwegs waren. Wagner: „Da müssen viele aufgeben.“

Käse aus der Krisenregion Tirol – Produkte haben nichts mit Corona zu tun

Und wie hat Christian Kurtze den ersten Markttag nach fünf Jahren Pause erlebt? „Ausbaufähig.“ Er ist zufrieden. Klar werde gefrozzelt, weil er ausgerechnet Käse und Speck aus der Corona-Krisenregion Tirol anbietet. „Manche Kunden fragen auch kritisch nach.“ Doch die Produkte haben ja nichts mit Corona zu tun. Und er, so Kurtze, der lange einen Feinkostladen in Tirol betrieb, komme derzeit ja auch nicht von dort. hg

Kommentare