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DAS VIRUS IST ZURÜCK

Viele Bewohner sind gegen Corona geimpft, doch Seniorenheime im Kreis Mühldorf bangen wieder

Besuchsverbote und Quarantäne bestimmten über Wochen wieder das Leben im größten Seniorenheim der Stadt.
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Besuchsverbote und Quarantäne bestimmten über Wochen wieder das Leben im größten Seniorenheim der Stadt.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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In den Seniorenheimen war die Hoffnung groß, nach den Impfungen lockern zu können. Doch wie gefährlich Corona für Bewohner von Seniorenheimen bleibt, zeigt sich an neuen Infektionen in bislang drei Häusern im Landkreis. In Waldkraiburg gab es sogar zwei Todesopfer. Sie waren nicht geimpft.

Waldkraiburg/Heldenstein – Lockerungen und eine Rückkehr zu einem Betrieb ohne Quarantäne und Besuchsverbote – darauf hatten die Bewohner und Mitarbeiterinnen in den Seniorenheimen gehofft, wenn die Einrichtungen einmal „durchgeimpft“ sind. Umso größer ist die Enttäuschung und Verunsicherung in Häusern wie dem Seniorenpflegeheim Maria Schnee in Heldenstein und dem Adalbert Stifter Seniorenwohnen in Waldkraiburg. Dort ist das Virus wieder eingebrochen. Zwei Bewohner des Stifter-Heims, die nicht geimpft waren, sind verstorben.

Ein schwerer Schlag war für Hubert Forster, Heimleiter des Adalbert Stifter Seniorenwohnens, der Tod von zwei Bewohnern, die nicht geimpft waren. Mehrere weitere Bewohner waren ebenfalls positiv, ihr Krankheitsverlauf aber harmlos.

Ein Jahr lang ohne positive Fälle, dann das

Die Impfungen in den Heimen sind weitgehend abgeschlossen. Das Infektionsgeschehen in den Häusern, die monatelang Corona-Hotspots mit schwersten Krankheitsverläufen waren, ist seitdem massiv zurückgegangen. Doch hundertprozentig ist der Impfschutz nicht. Das zeigt sich etwa im Adalbert Stifter Seniorenwohnen, eine von drei Einrichtungen im Landkreis, in denen insgesamt 30 Bewohner und 31 Mitarbeiter in den letzten Wochen laut Angaben des Landratsamtes positiv getestet wurden.

Der erste Fall wurde am 28. März bekannt

Der erste Fall sei am 28. März aufgetreten. Insgesamt sieben Bewohner wurden laut Heimleiter Hubert Forster seitdem positiv getestet. Ein ganzes Jahr hatte das Stifter Seniorenwohnen keine einzige Infektion im Haus, und dann das. Vermutlich durch zwei Bewohner, die sich beim Kontakt nach draußen nicht an die Auflagen gehalten hatten, sei das Virus ins Haus getragen worden. „Auch wenn sich alle an die Regeln halten. Es reichen zwei von 240.“

Krankheitsverlauf bei Geimpften „harmlos“

Der Krankheitsverlauf sei bei allen Geimpften „harmlos“, sagt Forster. Diese Beobachtung bestätigt das Landratsamt: „Keine bis milde Symptome und eine relativ schnelle Genesung.“

Doch zwei Bewohner, die angesteckt wurden, gehörten zur kleinen Gruppen von zehn Personen, die nicht geimpft sind. Sie mussten in die Klinik eingeliefert werden. Wie erst jetzt bekannt wurde, sind beide vor zwei Wochen verstorben. Das sei ein schwerer Schlag, sagt Forster.

Quarantäne und Besuchsverbote

Das Landratsamt meldet keine weiteren Todesopfer im Zusammenhang mit den aktuellen Fällen in den Senioreneinrichtungen.

Mit täglichen Schnelltests für Mitarbeiter, mehreren Reihentestungen, Kontaktpersonen-Ermittlung, Quarantäne, Besuchsverbot im stationären Pflegebereich und einem Teil des Betreuten Wohnens, ist es gelungen, die Ausbreitung des Virus weitgehend einzudämmen. Das Hochhaus blieb ganz infektionsfrei.

Im Seniorenpflegeheim Maria Schnee in Heldenstein waren 40 Prozent der Bewohner und zehn Mitarbeiterinnen positiv. Die meisten zeigten kaum Symptome.

Ansteckungsgefahr durch Geimpfte?

„Beunruhigend“ nennt Hubert Forster die Erfahrung, „dass man leider davon ausgehen muss, dass auch Geimpfte ansteckend sind“. Das Landratsamt gibt keine Einschätzung dazu ab, wie groß die Ansteckungsgefahr durch Geimpfte tatsächlich ist. Dies müsse in wissenschaftlichen Untersuchungen geklärt werden.

Doch auch Gerlinde Tresp, Heimleiterin von Maria Schnee, hält es für wahrscheinlich, dass geimpfte Personen das Virus weitergegeben haben. In ihrer Einrichtung, die laut Tresp fast ein Jahr ebenfalls keine positiven Fälle hatte, waren in den vergangenen Wochen insgesamt 20 von 45 Bewohnern infiziert.

Quarantäne „macht unsere Leute depressiv“

Bei Geimpften wie Nichtgeimpften habe es bisher keinen schweren Verlauf gegeben. „Ohne Reihentest hätten wir bei vielen nicht gewusst, dass sie Corona haben.“

Noch bis 5. Mai ist in Maria Schnee Besuchsverbot. Die Folgen sind massiv: „Die Quarantäne im Zimmer macht unsere Leute depressiv. Sie starren an die Wand und können nicht verstehen, warum sie vom Leben abgeschnitten sind, wo sie doch keine Symptome haben.“

Neue Strategien im Umgang mit dem Virus erarbeiten

Auch Hubert Forster treibt das um. Die Isolierung mache die Alten krank. Die Besuche, auch Gymnastik und andere Angebote fehlten den Senioren. Alles musste runter gefahren werden. „Wir hatten so darauf gehofft, mit den Impfungen im Frühjahr wieder lockern zu können.“ Jetzt brauche es Strategien, um mit der neuen Situation umzugehen. Die Infektionen scheinen abzuklingen. Wenn nach neuen Testungen keine weiteren Fälle auftreten, werde es wieder leichter werden, sagt Tresp und ergänzt: „Der Virus bleibt uns erhalten.“ Damit habe sie sich abgefunden.

Jede 2. Mitarbeiterin geimpft

Zu schaffen macht Heimleiterin Gerlinde Tresp in Heldenstein die Tatsache, dass auch zehn Mitarbeiterinnen positiv sind. Die Arbeit müsse der Rest des Personals auffangen. Sie hofft deshalb, dass sich noch mehr Mitarbeiter impfen lassen. Bislang sei es etwa die Hälfte. Einer habe aber wegen der aktuellen Entwicklung vorgezogen, um einen Auflösungsvertrag zu bitten. Wie das Landratsamt mitteilt, beträgt der Anteil der geimpften Mitarbeiter in den Heimen mittlerweile mindestens 50 Prozent. „Wir wissen von Einrichtungen, in denen bis Anfang Juni 70 Prozent vollständig geimpft sein werden. Wir hoffen, dass durch das zusätzliche Impfangebot der Hausärzte, die Impfquote gesteigert werden kann. Wir appellieren regelmäßig an das Pflegepersonal, sich impfen zu lassen.“

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