Kitas und die Corona-Auflagen: Waldkraiburger Einrichtungen sehen Probleme in der Praxis kommen

Seit Juli haben Bayerns Kindertagesstätten wieder für alle Kinder geöffnet. Obwohl strenge Hygiene-Auflagen gelten, bleibt Skespis..
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Seit Juli haben Bayerns Kindertagesstätten wieder für alle Kinder geöffnet. Obwohl strenge Hygiene-Auflagen gelten, bleibt Skespis..
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Seit Juli darf während der Corona-Pandemie wieder jedes Kind in die Kita. Eltern sind darüber erleichtert, doch in den Kindertagesstätten blickt man mit gemischten Gefühlen auf die Zeit nach den Sommerferien.

Waldkraiburg – „Eine uneingeschränkte Rückkehr zur Praxis zu Zeiten vor der Pandemie ist leider noch nicht möglich“, heißt es in einen Elternbrief des bayerischen Sozialministeriums. In Bayerns Kindergärten gilt ein eingeschränkter Regelbetrieb, zumindest ein Gefühl von Normalität für Eltern, die wochenlang zwischen Homeoffice und Dauerbespaßung der Kinder pendelten.

Starre Gruppen erschweren Arbeit

Denn seit März hat sich in den Kindertagesstätten einiges geändert: Während sich privat Kinder untereinander treffen dürfen, müssen sie im Kindergarten getrennt werden. Eine Trennung der Kinder, wo doch viele Kindergärten seit Jahren ein offenes Konzept praktizieren. 

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„Wir öffnen unsere Gruppenräume nicht und auch im Garten hat jede Gruppe ihren eigenen Bereich“, sagt Cornelia Cordes-Jacobskötter, Leiterin der Kindertagesstätte Käthe-Luther. Die Regeln innerhalb der Kita seien so gestaltet, dass das Risiko auf ein Minimum reduziert werde. Ein zu geringer Abstand unter den Kindern lasse sich aber nicht immer vermeiden. „Die Kinder kennen die Regeln ganz gut, aber sie brauchen auch Kontakt zu anderen.“

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Wie vorgehen in der Erkältungszeit?

Dennoch ist sie skeptisch: „Ich habe keine Ahnung, wie die Situation ist, wenn die Leute aus dem Urlaub zurückkommen. Wie entwickelt es sich weiter, wenn die Erkältungszeit kommt“ Die Türen zu anderen Gruppen sollen jedenfalls geschlossen bleiben. 

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Doch die starren Gruppen erschweren die Arbeit, weil viele Mitarbeiterinnen nur in Teilzeit arbeiten würden. Auch Teresa Nalewaja, Leiterin der Kindertagesstätte St. Franziskus, sieht hier einen Knackpunkt: Denn Buchungszeiten von Kindern können sich während des Jahres ändern, ein vielleicht nötiger Gruppenwechsel sei dann aber nicht möglich.

Erzieherinnen sollen bei Erkrankung entscheiden?

Kritisch sehen die Leiterinnen den Umgang mit erkälteten Kindern. Eltern sollen ihre Kinder nämlich „nicht zur Betreuung bringen, wenn es Symptome einer übertragbaren Krankheit zeigt“, schreibt das Sozialministerium. Doch was ist eine Erkältung oder schon ein Symptom von Covid-19?

„Dass die Entscheidung auf uns abgewälzt wird, ob ein Kind ansteckend ist, ist teilweise schwer zu treffen. Wir sind keine Ärzte“, sagt Teresa Nalewaja. In St. Franziskus wie in der Kita Käthe-Luther werde man deshalb jedes Kind ganz genau anschauen. Aber man verstehe auch die Situation der Eltern. Durch die wochenlangen Schließungen der Kindergärten haben viele einen Großteil ihres Urlaubs aufgebraucht. „Die Eltern haben keine Luft mehr und müssen in die Arbeit“, sagt Cornelia Cordes-Jacobskötter.

Eingewöhnungszeit geht nicht ohne Eltern

Die Schutz- und Hygieneregeln geben den Kindergärten einen praktikablen Rahmen an die Hand, mit dem man bislang gute Erfahrungen gemacht habe. Dennoch bleibt eine Herausforderung. „17 Kinder starten im September bei uns in der Krippe. Zur Eingewöhnung müssen die Eltern in die Gruppe hinein“, sagt Teresa Nalewaja. 

Eltern in der Krippe, während die Kindergartenkinder bereits am Eingang in Empfang genommen werden.Entspannt blickt Charlotte Konrad dem Start im September entgegen. „Vieles war auch schon zuvor so. Kinder mit bestimmten Symptomen gehören einfach nicht in den Kindergarten, sondern zum Arzt“, sagt die Leiterin der Kita Maria Schutz.

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Eingrenzen, mehr geht wohl nicht

Aber sicherlich werde man jetzt genauer auf die Kinder schauen und weiterhin vorsichtig sein. Aber Symptome hätten nichts mit Corona zu tun. Die Eltern habe man zusätzlich zu Beginn der Ferienzeit auf Regelungen der Regierung bei Reisen in Risikogebiete hingewiesen.

„Eingrenzen, mehr lässt sich nicht machen“, sagt Charlotte Konrad. Deshalb werden auch nach den Ferien die Kinder weiterhin an der Tür in Empfang genommen, damit möglichst wenig Personen in das Gebäude kommen. Es wird weiterhin viel desinfiziert werden und das Personal soll nach dem Urlaub getestet erden. „Es ist wichtig, nicht viel in die Einrichtung reinzubringen und frühzeitig zu erkennen, falls sich jemand angesteckt hat.“ Deshalb ihr Appell: Kranke Kinder sollen daheim bleiben, auch aus Rücksicht auf alle anderen.

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