Vor 50 Jahren: Festhalle ohne Genehmigung errichtet - Panne: Stadtführer kennen sich in Waldkraiburg nicht aus

Schneller als das Landratsamt erlaubt

Die Festhalle am Volksfestplatz zeigt dieses Bild aus den 1960er-Jahren. Weil der Zeitdruck durch die bevorstehenden Großveranstaltungen sehr groß war, fing die Stadt ohne Genehmigung des Landratsamtes mit dem Bauen an. 100 Mark Strafe musste die Kommune dafür zahlen. Und die Genehmigung gab es erst, als auch eine ordentliche Toilettenanlage errichtet wurde. Die Festhalle stand bis in die 90er-Jahre. Foto Stadtarchiv Waldkraiburg
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Die Festhalle am Volksfestplatz zeigt dieses Bild aus den 1960er-Jahren. Weil der Zeitdruck durch die bevorstehenden Großveranstaltungen sehr groß war, fing die Stadt ohne Genehmigung des Landratsamtes mit dem Bauen an. 100 Mark Strafe musste die Kommune dafür zahlen. Und die Genehmigung gab es erst, als auch eine ordentliche Toilettenanlage errichtet wurde. Die Festhalle stand bis in die 90er-Jahre. Foto Stadtarchiv Waldkraiburg

Die neue Festhalle, in der die Waldkraiburger bereits das Volksfest gefeiert haben und zwei Großveranstaltungen der Egerländer Gmoi und der Braunauer stattfanden, ist ein Schwarzbau. Als die Bauarbeiten begannen, geschah dies ohne Genehmigung des Landratsamtes.

Das berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren.

Waldkraiburg und die Welt - Schon beim "Tag des Landkreises" auf dem Volksfest war Landrat Albert Weggartner mit den Worten zitiert worden: "Die Waldkraiburger bauen schneller, als wir mit der Baugenehmigung nachkommen." Das außerordentliche Tempo, das Waldkraiburg in dieser Bausache vorlegte, kostet die Stadt 100 Mark Strafe. Und eine endgültige Genehmigung für die Festhalle will das Landratsamt erst erteilen, wenn statt des bisherigen Provisoriums auch eine Toilettenanlage erstellt ist. Deren Bau stimmt der Stadtrat auf Vorschlag des Bauamtes selbstverständlich zu.

Weil das Volksfest zum 15-jährigen Bestehen Waldkraiburgs so erfolgreich war, soll es künftig jedes Jahr stattfinden.

Beim Bundestreffen von etwa 5000 Braunauern in Waldkraiburg wird Franz Kaulich als Vertreter Waldkraiburgs in die Vorstandschaft, den Braunauer Heimatkreis gewählt, dem insgesamt 31 Heimatgruppen angehören.

Eine peinliche Panne bei diesen Festtagen ruft den Verkehrsverein auf den Plan. Einige Omnibusse, mit denen die vielen Gäste auf Stadtrundfahrt gingen, waren mit ortsansässigen, aber ortsunkundigen Fremdenführern besetzt. Ein Bus habe sich verfahren und nur mit Mühe wieder in die Stadt zurückgefunden. Das Wald sei als, so wörtlich, von "Hitler gebaut und von der Stadt erweitert" bezeichnet worden. Um so etwas in Zukunft zu vermeiden, will der Verkehrsverein zusammen mit der Stadt "Stadtführer" herausgeben, in denen Stadtrundfahrten und Besichtigungen beschrieben werden.

Endgültig wird die Müllabfuhr umgestellt. Die alten Tonnen werden durch kleinere 50-Liter-Gefäße, beziehungsweise 1100-Liter-Behälter für Großbauten ersetzt.

Die Post will ein neues, größeres Postgebäude auf einem Grundstück an der Berliner Straße/Stadtplatz errichten.

Der Stadtrat stimmt einem Bauantrag der Firma Köhler und Köhler auf Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses in der Prager Straße zu.

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