Vom schnellen Erfolg selbst überrascht

Pfarrer Josef Stemmer segnet die Anlage. Links von ihm stehen Landrat Georg Huber, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Geschäftsführer Thomas Mittermair. Foto Günster
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Pfarrer Josef Stemmer segnet die Anlage. Links von ihm stehen Landrat Georg Huber, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Geschäftsführer Thomas Mittermair. Foto Günster

"Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können, vor allem dass der Wildpark sich so schnell selber trägt", freute sich Geschäftsführer Thomas Mittermair zum zehnjährigen Jubiläum des Wildparks Oberreith. Gleichzeitig ist die neueste Attraktion eingeweiht worden: Die Seilrutsche "Flying Fox" mit Aussichtsturm.

Unterreit - Geschäftsführer Mittermair bedankte sich bei Bürgermeister Gerhard Forstmeier, mit ihm könne man immer rechnen. Dank galt auch Landrat und Landratsamt für eine "sehr, sehr schnelle Bearbeitung und Genehmigung" der Vorhaben und den Firmen.

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bestaunte den "Flying Fox" und beglückwünschte die Gesellschafter des Wildparks zu dem Projekt "Schweben und in die Ferne schweifen". Mit Blick auf die bisherigen Investitionen wie Waldseilgarten und Sternwarte, sah er im Oberreither Tierpark "eine Keimzelle weiterer Projekte". Er bewunderte, dass es hier entgegen der landläufigen Meinung gelungen sei, "sogar mehrere Bauern unter einen Hut zu bekommen", als Gesellschafter des Wildparks. Mit gut 120000 Euro, einem Viertel der Gesamtkosten, seien Seilrutsche und Aussichtsturm aus Mitteln der Europäischen Union gefördert worden. Wichtig sei, so der Minister, dass sich etwas entwickele, dann könne man das auch fördern: "Das muss wachsen". Es brauche eine "Geisteshaltung mit Kopf und Herz selbst einen Beitrag zur Verbesserung" zu leisten. Damit könne man anstehende Probleme wie die Landflucht in den Griff bekommen.

Landrat Georg Huber appellierte ebenfalls an die "Eigenverantwortung". Das sei hier deutlich zu sehen: "Thomas Mittermair packt an". Diese Einrichtung komme dem gesamten Landkreis zugute, und sie fördere die "Bewusstseinsbildung für die Umwelt". Allerdings: Der ländliche Bereich sei "kein Freizeitraum für die städtische Bevölkerung", sondern habe "eigene Vorstellungen".

Hervorgehoben wurde von allen Rednern die gute Zusammenarbeit, gegenseitig versicherte man sich weiterhin ein gutes und wohlwollendes Miteinander zwischen Amt für Landwirtschaft und Forsten mit Zuständigkeiten aus Mühldorf und Rosenheim, Leader, dem Förderprogramm zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft, Eler, dem "Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums", dem "Mühldorfer Netz", dem Lenkungskreis, dem LAG- (Lokale-Arbeitsgruppe)-Management" und dem "Netz der Generationen".

Dass die Entwicklung des Oberreither Wildparks so schnell geht, das hätte hier niemand gedacht, erinnert sich Thomas Mittermair. Es habe durchaus die Befürchtung gegeben, dass der Wildpark bald wieder an Attraktivität verliere.

Das Wachstum ging schnell. Die Fläche wuchs von zehn auf 15 Hektar, die Besucherzahlen haben sich auf rund 120 000, davon 40 Prozent Kinder, fast verdreifacht. Begann man mit sechs 400-Euro-Kräften und einem Geschäftsführer, sind es heute 15 Festangestellte sowie 55 Teilzeit- und 400-Euro-Kräfte.

Koch, Falkner, Tierpfleger, Hausmeister, Buchhalter, Hotelfachfrau und Sozialarbeiter sind hier als Berufe vertreten. Letztere sind im Hochseilgarten für Teampädagogische Aufgaben zuständig. Bis zu 15 Praktikanten jährlich habe man in der Küche, als Tierpfleger und in der Falknerei. In den nächsten Jahren sei auch an Ausbildung gedacht. Zuerst als Koch, später als Tierpfleger, so Mittermair.

Bei neuen Spielgeräten und Attraktionen gebe es die Regel, dass die Besucher selbst etwas tun müssen. Sei es klettern, hüpfen oder das Gefährt antreiben. "Reinsetzen und das war's" soll es nicht geben. Zufrieden sind alle, wenn sich die Besucher wohlfühlen und etwas an Wissen über die Tiere und die Natur mitnehmen. Für die Zukunft gibt es keine konkreten Pläne, so der Geschäftsführer, ein paar zusätzliche Tiere sollen angeschafft werden, möglichst welche, die vor dem Aussterben zu retten sind.

Den Wildpark hat auch die Europäische Union als unterstützenswert angesehen, weil ländliche Gemeinden für den Fremdenverkehr attraktiver werden sollen. Dafür flossen für einzelne Maßnahmen Gelder. Alleine haben hingegen die Eigner heuer die Gaststättenerweiterung über 320000 Euro geschultert. Hinzu kommen im Laufe der Zeit ungezählte Stunden Eigenleistung und zudem sei jeder Gewinn investiert worden. Es habe aber auch Jahre gegeben, die mit einem Minus abschlossen. kg

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