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Für den Notfall einsatzbereit

Wie sucht man Vermisste? Auf Tauchgang mit der Wasserwacht Waldkraiburg

Taucher Raphael Rumpf geht als erster ins Wasser. Christian Goertz (im Vordergrund) kommuniziert mit ihm über die Leine, die der Taucher in einer Schlaufe um den Arm und am Körper befestigt hat.
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Taucher Raphael Rumpf geht als erster ins Wasser. Christian Goertz (im Vordergrund) kommuniziert mit ihm über die Leine, die der Taucher in einer Schlaufe um den Arm und am Körper befestigt hat.
  • VonSonja Hoffmann
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Sie sind ein eingespieltes Team: die Taucher der Wasserwacht Waldkraiburg. Das demonstrieren sie auch bei einem Übungstauchgang am Flossinger Weiher.

Waldkraiburg – Gerade in einem Sommer wie diesem, wenn Badeunfälle an Flüssen und Seen die Retter herausfordern oder Fluten und Überschwemmungen Menschen mitreißen, wird sie besonders wichtig: die Wasserwacht. Deren Aufgabe ist nicht nur das Retten von Ertrinkenden, sondern auch das Tauchen nach Menschen, wenn das Schlimmste schon passiert ist.

Dafür hat die Wasserwacht Waldkraiburg eine Schnelleinsatztruppe mit zwölf Mitgliedern, davon vier aktiven Tauchern. Weitere zwei werden ab Herbst in Ausbildung sein. Und vor wenigen Monaten wurde ein neues Sonargerät angeschafft.

Regelmäßige Übungen sind unabdingbar

Für die Übung hat die Schnelleinsatztruppe ihr ganzes technisches Gerät dabei. Im Vordergrund schwimmt Ronja Münzlochner nach draußen. Hinten warten Raphael Rumpf, Kurt Schäfer, Robert Münzlochner und Maximilian Lindner.

Regelmäßige Übungen sind unabdingbar, aber die Technik erleichtert mittlerweile vieles. Am Flossinger Weiher südlich von Oberflossing trainiert die Rettungstauchergruppe der Wasserwacht immer wieder. „Der Weiher ist gut geeignet, weil er sehr moorig und schlammig ist. Der ist prädestiniert dafür“, erklärt Kurt Schäfer, Technischer Leiter der Kreiswasserwacht die Übung an diesem Samstagmorgen.

Jedem Gewässer sein Boot

Es ist gutes Wetter, aber so früh ist an dem beliebten Badeweiher nicht viel los. Das Boot mit Bootsführer Valentin Clemente ist schon im Wasser. Die Taucher, unter ihnen Kreiswasserwachtsleiter und Ortsgruppenleiter Raphael Rumpf, stehen bereit, das Sonar ist noch auf dem Trockenen. Technischer Leiter der Waldkraiburger Wasserwacht ist Christian Goertz, er kennt sich mit den Möglichkeiten des Geräts am besten aus.

Im Taucherfahrzeug für den Einsatz fertig machen

Neben dem erfahrenen Bootsführer sitzt meist einer, der noch lernt. An diesem Tag am Weiher nehmen die Retter das Motorschlauchboot. Auf anderen Gewässern, zum Beispiel auf dem Inn, kommt das Raftingschlauchboot zum Einsatz, das Motorboot geht dort nicht.

Die „Florian“, ein großes Rettungsboot, wird auf dem schnell fließenden Innkanal eingesetzt. Im speziellen Taucherfahrzeug können sich die Taucher bereits auf dem Weg zum Einsatz komplett fertig machen, sodass es dann umso schneller geht.

Christian Goertz zeigt, wie genau man den Untergrund des Moorsees mit dem neuen Sonar sehen kann, das direkt auf dem Boot in ein paar Minuten installiert werden kann.

Was das neue Sonargerät kann

Bei den Übungen wird ein Objekt im Wasser versenkt und hochgeholt, damit die Retter auch beim Üben einen Erfolg verzeichnen können. Das neue Sonargerät wird auf dem Boot festgemacht, es reicht hinter dem Boot ins Wasser und gibt neben einer 3D-Ansicht des Untergrunds auch die Wassertiefe und -temperatur aus.

Das aus Schallimpulsen erzeugte Bild ist ein großer technischer Fortschritt. Auf älteren Sonargeräten war die Ausgabe eine reine Wellenlandschaft. Hier ist glasklar zu sehen, was sich auf dem Grund befindet – solange es nicht in Bewegung ist.

Am Grund: Zehn Zentimeter Sicht

Ein Körper, der unter Wasser liegt oder unter der Oberfläche schwebt, ist damit gut zu orten und die Taucher können dann punktgenau nach ihm suchen anstatt bei schlechter Sicht den ganzen Untergrund abzutasten.

„Die Sicht hier nah am Grund beträgt ungefähr zehn Zentimeter, es ist sehr dunkel und trüb“, berichtet Raphael Rumpf, während er taucht, über Funk. Seine Führung ist die Leine, die ihn mit einem Partner am Ufer verbindet und der Funkkanal. „Das hat auch eine psychologische Wirkung“, erklärt Kurt Schäfer, „denn da unten ist es meist dunkel, ruhig und man fühlt sich sehr allein“. Das Sprechen können mit einem anderen erleichtert vieles, vor allem, wenn man unter diesen Bedingungen einen Menschen sucht.

Leinenführung ist die wichtigste Kommunikation

Die Leinenführung ist die wichtigste Kommunikation mit dem Taucher. Einmal ziehen, zweimal ziehen, rucken nach links oder rechts, alles hat eine Bedeutung und so führen die Retter am Ufer die Taucher an die Stelle, wo sie hin sollen, oder holen sie aus dem Wasser, wenn nötig.

Nach dem Einsatz zusammensetzen

„Wenn man etwas gefunden hat, festhalten und nicht mehr loslassen“, erläutert Schäfer die Übung am Ufer weiter. Natürlich ist es etwas ganz anderes, statt eines Gegenstands einen Menschen zu suchen, zu packen und nach oben zu holen. Darauf wird man zwar in der Ausbildung vorbereitet.

„Aber nach dem Einsatz ist es wichtig, sich zusammenzusetzen, zu reden und sich mit den Geschehnissen auseinander zu setzen. Nach jedem Einsatz.“

Ein eingespieltes Team mit Nachwuchssorgen

Die Retter der Schnelleinsatzgruppe Waldkraiburg sind ein Team, das gut eingespielt ist. Um die 20 Einsätze sind es durchschnittlich jährlich, zu denen sie gerufen werden, 14 waren es bisher im laufenden Jahr. „Aber wie alle haben auch wir Nachwuchssorgen.

Wir wären dankbar, wenn wir noch ein paar mehr wären“, nickt Kreiswasserwachts- und Ortsgruppenleiter Raphael Rumpf, nachdem er wieder auf dem Trockenen ist. Ob als Rettungsschwimmer, Taucher oder Bootsführer, alle werden gebraucht, denn schließlich sind sie alle in der Wasserwacht ehrenamtlich tätig. Wer sich dafür interessiert, dürfe sich gerne bei der Wasserwacht Waldkraiburg melden.

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