Schlägerei in Waldkraiburg: Polizei schließt fremdenfeindlichen Hintergrund aus

Vor diesem Lokal auf der westlichen Seite des Sartrouville-Platzes wurden die beiden Männer aus Sierra Leone zusammengeschlagen. Zu Hergang und Hintergründen der Schlägerei laufen die polizeilichen Ermittlungen. Eins scheint aber sicher zu sein: Fremdenfeindlich motiviert war die Attacke nicht.
+
Vor diesem Lokal auf der westlichen Seite des Sartrouville-Platzes wurden die beiden Männer aus Sierra Leone zusammengeschlagen. Zu Hergang und Hintergründen der Schlägerei laufen die polizeilichen Ermittlungen. Eins scheint aber sicher zu sein: Fremdenfeindlich motiviert war die Attacke nicht.

Die Schlägerei am Sartrouville-Platz, bei der am Dienstag gegen 22 Uhr eine Gruppe von 15 bis 20 Männern zwei Asylbewerber aus Sierra Leone attackiert und verletzt haben sollen, gibt der Polizei weiter Rätsel auf. Eines scheint aber mittlerweile klar zu sein: Eine politisch motivierte Tat liegt nicht vor.

Waldkraiburg – „Einen klassischen fremdenfeindlichen Hintergrund können wir nicht erkennen“, sagt auf Anfrage Franz Lohr, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Waldkraiburg. Bei der Ermittlung der wahren Hintergründe stößt die Polizei auf eine Mauer des Schweigens.

Niemand will etwas gesehen haben

Niemand will dabei gewesen sein, niemand will gesehen haben, was sich da am Dienstagabend auf der Terrasse und vor einem Lokal auf der Westseite des Sartrouville-Platzes, nahe der Raiffeisenbank, abgespielt hat. Dass „was war“, bestätigt eine Mitarbeiterin einer Kneipe auf der gegenüberüberliegenden Seite des Platzes. „Ein paar Gäste haben Radau gehört und das Klirren von Gläsern oder Flaschen. Aber es war ja stockfinster, da konnte niemand was sehen.“

Polizei von Sozialbetreuer der Ankerdependance informiert

Dabei soll es an Zeugen, die was beobachtet haben könnten, auf dem Platz, an dem zu dieser Zeit noch drei Lokale geöffnet waren, nicht gefehlt haben. Als die Polizei von dem Vorfall erfuhr und eine Streife am Tatort erschien, war von den Beteiligten keiner mehr da. Gegen 0.30 Uhr hatte sich ein Sozialbetreuer aus der Ankerdependance bei d er Inspektion gemeldet. Ihm waren die Verletzungen aufgefallen, mit denen die beiden 19- und 22-jährigen Bewohner in die Flüchtlingsunterkunft heimkehrten.

Geschädigte aus Sierra Leone nicht sehr gesprächig

Laut Franz Lohr hatten die beiden geschädigten Afrikaner, die später im Krankenhaus behandelt wurden, die Polizei nicht selbst verständigt. Auch ein Sanka sei nicht gerufen worden.

Mittlerweile wurden die beiden Geschädigten vernommen. „Ihre Aussagebereitschaft lässt sehr zu wünschen übrig“, so der stellvertretende PI-Leiter. Dass sie geschlagen und verletzt wurden, steht fest. Ob sie tatsächlich von einer Gruppe von 15 bis 20 Männern angegriffen wurden, ist nach Einschätzung der Polizei stark in Zweifel zu ziehen. Wie viele Personen an der Schlägerei beteiligt waren, bleibt unklar.

Lesen Sie auch:

Nach den Anschlägen in Waldkraiburg: Zukunftswerkstatt will neue Stadtgemeinschaft finden

40 Personen gingen wegen eines Handys aufeinander los

Größte Investition der Stadtgeschichte: Waldkraiburg plant ein neues Rathaus

Zum Hergang und zum Anlass gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Im Lokal, wo die Schlägerei wohl ihren Anfang nahm, mag sich gegenüber den OVB-Heimatzeitungen niemand zu den Vorfällen äußern. Vor allem Gäste mit Migrationshintergrund besuchen die Wirtschaft. Am Dienstag sind also Vertreter verschiedener Nationalitäten aufeinandergeprallt.

War ein Hausverbot der Auslöser?

Ausgangspunkt könnte ein Hausverbot gewesen sein, dass bereits am Montag gegen einen der beiden Männer aus Sierra Leone ausgesprochen worden, der regelmäßig in dem Lokal verkehrt und die Leute belästigt habe. So eine Zeugin erklärt, die anonym bleiben will.

Die Ermittlungen dauern an. Zeugen, die etwas zur Aufklärung der Schlägerei beitragen können, werden gebeten, sich bei der Polizeiinspektion, Telefon 9 44 70, zu melden.

Kommentare