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BAUAUSSCHUSS VOR SCHWERER ENTSCHEIDUNG

Schandfleck in Berliner Straße soll weg: Stadt Waldkraiburg kommt Investor weit entgegen

Hier wurde bis vor Kurzem das älteste Einzelhandelsgeschäft betrieben, das es in Waldkraiburg noch gab. Jetzt soll das heruntergekommene Haus an der Ecke Teplitzer-/Berliner-/Egerländer Straße abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
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Hier wurde bis vor Kurzem das älteste Einzelhandelsgeschäft betrieben, das es in Waldkraiburg noch gab. Jetzt soll das heruntergekommene Haus an der Ecke Teplitzer-/Berliner-/Egerländer Straße abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Es steht an der Zufahrt zum Zentrum und ist alles andere als ein Aushängeschild für die Stadt: das Wohn- und Geschäftshaus an der Berliner Straße 31. Jetzt will der Eigentümer das Gebäude und das Nachbarhaus abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Doch die Sache hat einen Haken.

Waldkraiburg – Das Gebäude an der Berliner Straße 31 steht für die Geschichte Waldkraiburgs. Es ist eines der ältesten Wohn- und Geschäftshäuser im Zentrum. Bis vor Kurzem wurde dort noch ein Laden betreiben. Jetzt soll das Gebäude weg, und mit ihm das Nachbarhaus Nummer 29. Der Investor will ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit drei Ladeneinheiten und zehn Wohnungen bauen. Für das Projekt braucht es 29 Stellplätze. Nur sieben kann der Antragsteller auf dem Baugrundstück nachweisen. Deshalb will er zunächst nur einen Teilabschnitt realisieren. Weitere 22 Stellplätze sollen zukünftig auf einem Grundstück in der Nähe grundbuchrechtlich gesichert werden. Das ist allerdings noch nicht frei.

Was ist, wenn nur der erste Teil gebaut wird?

Soll die Stadt sich darauf einlassen und riskieren, dass „ein hässlicher Altbau durch einen hässlichen Neubau ersetzt wird“, wie es Stadtrat Christoph Vetter (UWG) formulierte? Diese Frage sorgte für Diskussionsstoff im Bauausschuss.

Trafohäuschen schränkt Bebauung ein

Von „einem schwierigen Grundstück“ sprach Bauamtsleiter Carsten Schwunck, nicht zuletzt deshalb, weil auch noch ein Trafohäuschen die Bebauung „stark einschränkt“. Aus Kostengründen könne es aber erst dann verlagert werden, wenn auch ein benachbarter Gewerbebetrieb abgesiedelt werden kann. Das ist erklärtes Ziel des Unternehmens, für dessen Pläne aber noch keine geeigneten Grundstücke im Stadtgebiet zur Verfügung stehen.

Bauamtsleiter wirbt für Koompromiss

Schwunck warb dennoch dafür, den vorliegenden Bauantrag zu genehmigen. „Wenn wir für einen Kompromiss nicht offen sind, dann wird es auf lange Zeit keine Entwicklung an dieser Stelle geben.“

CSU-Fraktionschef warnt vor „Salami-Taktik“

„Ich würde mir wünschen, dass dieses Eck aufgewertet wird“, sagte Anton Sterr. Der CSU-Fraktionssprecher tut sich allerdings schwer mit der Zustimmung für den Teilabschnitt. „Wie schaut das später einmal aus?“ Viele Fragen seien noch offen. „Mir kommt das vor wie Salami-Taktik“, so Sterr.

UWG-Stadtrat: Zuerst Leitbild für Belriner Straße entwickeln

Auch Wolfgang Hintereder (UWG) ist skeptisch. Er will zuerst ein Leitbild für die Berliner Straße entwickeln und einen Bebauungsplan aufstellen. „Das Gebäude steht schon so lange rum. Die Zeit sollten wir uns nehmen.“ Hintereder warnte bei einer Genehmigung des Teilabschnitts davor, dass „es uns passieren könnte, dass wir eine Bauruine da stehen haben“.

Lieber hässlicher Neubau als hässlicher Altbau

Laut Carsten Schwunck hat die Stadt den Bauwerber, der viele Vorschläge gemacht habe, lange vertrösten müssen. Der Bauamtsleiter warnte davor, noch viel Zeit verstreichen zu lassen. „Der Eigentümer kann im Sinne der Stadt investieren oder renovieren. Dann bleibt es noch 30, 40 Jahre so.“ Im übrigen werde es immer wieder notwendig sein, für die Entwicklung in diesem Bereich neue Rahmenfaktoren zu setzen.

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Der Teilabschnitt könne auch autark stehen. Die nachgewiesenen Stellplätze reichen dafür, so Schwunck. Weitere Bauabschnitte könnten nur genehmigt werden, wenn die notwendigen Stellplätze nachgewiesen sind.

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Hans Vetter (UWG) sprach sich dafür aus, die Bebauung parallel zur Berliner Straße zu genehmigen. „Es ist ein Schandfleck.“ Auch sein Fraktionskollege Ulli Maier findet: „Alles, was da gebaut wird, ist schöner als das bestehende Gebäude.“

Selbst auf die Gefahr hin, dass „ein hässlicher Altbau durch einen hässlichen Neubau ersetzt wird, sollten wir das Risiko eingehen“, meinte Christoph Vetter, „in der Hoffnung, das zeitnah der zweite Bauabschnitt passiert“. Zeitliche Fristen kann die Stadt dem Antragsteller allerdings dafür nicht vorgeben.

Teilabschnitt einstimmig genehmigt

Anton Sterr schlug vor, zweigleisig zu fahren: dem ersten Teilabschnitt und den beantragten Abweichungen zuzustimmen und gleichzeitig einen Bebauungsplan aufzustellen, um den ganzen Bereich zu ordnen. Einstimmig hat der Ausschuss dieses Vorgehen beschlossen.

Das plant der Bauherr

Das Gebäude an der Berliner Straße 31 stammt aus den 1950er-Jahren. In dem Wohn- und Geschäftshaus wurde bis vor Kurzem das älteste Einzelhandelsgeschäft Waldkraiburgs betrieben.

Zusammen mit dem Nachbarhaus Nummer 29 will der Antragsteller es abreißen und durch einen Neubau mit Flachdächern ersetzen. Drei Ladeneinheiten und zehn Wohneinheiten sind geplant.

In einem ersten Bauabschnitt soll nur ein Teil des Gebäudes mit einer Ladeneinheit errichtet werden. Der Neubau ist über die gesamte Grundfläche viergeschossig mit einer Wandhöhe von gut 12,20 Metern, in einem Teilbereich fünfgeschossig (Wandhöhe 15,21 Meter).

Das Grundstück liegt in einem Gebiet ohne Bebauungsplan. Der Bauantrag kann also genehmigt werden, wenn sich das Vorhaben nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die umliegende Bebauung einfügt. Nach Einschätzung der Verwaltung ist diese Voraussetzung gegeben. Ein direkt angrenzendes Gebäude mit Flachdach auf dem Nachbargrundstück ist gut zehn Meter hoch. Der Eigentümer will es in absehbarer Zeit um ein Stockwerk aufstocken. Das gegenüberliegende ehemalige Volksbank-Gebäude, ebenfalls mit Flachdach, ist 19 Meter hoch.

Die überbaubare Grundfläche wird ebenso überschritten wie die Geschossfläche aller Stockwerke. Eine Abweichung ist nach der Baunutzungsverordnung aber möglich, wenn die Zufahrten versickerungsfähig sind.

Die Abweichung von den Abstandsflächen in Richtung Norden kann erteilt werden, wenn der betroffene Nachbar zustimmt.

Die weiteren Bauabschnitte können allerdings nur genehmigt werden, wenn die notwendigen Stellplätze nachgewiesen werden.hg

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