Sartrouville-Platz Waldkraiburg: Vom großen Wurf zum Sorgenkind der Stadtpolitik

Mitten im Zentrum abgehängt: Der Sartrouville-Platz führt ein Scnattendasein.
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Mitten im Zentrum abgehängt: Der Sartrouville-Platz führt ein Scnattendasein.

Wie soll es mit dem Sartrouville-Platz in Waldkraiburg nur weitergehen? Zuletzt war er wieder mehrfach negativ in den Schlagzeilen. Längst ist die Fußgängerzone, die vor einem halben Jahrhundert mit größten Erwartungen gebaut wurde, das Sorgenkind der Stadtpolitik. Abgehängt mitten im Zentrum. So kann es nicht weitergehen, findet unser Autor.

Hans Grundner

KommentarAls der Stadtrat vor fünf Jahrzehnten den Bebauungsplan für das Waldkraiburger Stadtzentrum beschlossen hat, waren die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Entwicklung der Stadtmitte groß, fast schon euphorisch. Es sollte der ganz große Wurf werden.

Euphorie war groß: City sollte pulsierendes Zentrum werden

Ein geräumiger Marktplatz schwebte den Planern vor, mit dichter Umgebungsbebauung, einem Geschäftszentrum, in dem Tag und Nacht das Leben pulsiert, wie der Bürgermeister damals die Architekten zitierte. Die City müsse die beherrschende Dominante bilden. „Sonst setzen sich die Super-Läden am Stadtrand fest und das pulsierende Leben wird aus dem Stadtkern hinausgeboxt.“

Heute, 50 Jahre später, hat sich Ernüchterung breit gemacht. Der Sartrouville-Platz, wie die Fußgängerzone mittlerweile heißt, dümpelt trotz einiger gestalterischer Korrekturen vor sich hin.

Die City? Beherrschend? Dominante? In diesen Tagen ist es wieder einmal besonders deutlich geworden, wie dieser Platz mittlerweile da steht. Und vor allem, wofür er steht.

Statt Leben Leerstand

Für Leerstände und dort, wo doch noch ein Lokal offen ist, für eine Lebendigkeit, die sich niemand im Stadtzentrum wünscht. Die nächtliche Schlägerei neulich im Umfeld eines dieser Lokale, übrigens nicht die erste am Platz, ist jedenfalls keine gute Visitenkarte.

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Und die Diskussionen um eine endgültige Verlagerung des Wochenmarktes auf den Stadtplatz sind wie ein Schlag ins Kontor. Denn eigentlich ist der autofreie Sartrouville-Platz wesentlich besser auf einen Marktbetrieb eingerichtet als sein kleiner, quirliger Bruder, der Stadtplatz. Umso heftiger treffen Aussagen mit dem Tenor: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Fremder auf den Sartrouville-Platz.

Dass ein verblendeter Extremist sich vor vier Monaten ein Haus für einen Brandanschlag ausgesucht hat, dafür kann die Fußgängerzone nun wirklich nichts. Und doch scheint dieses Haus seit Monaten wie ein Symbol für die prekäre Lage des Platzes zu stehen. Weil die Sanierung nach dem Attentat so schleppend vorangeht.

Waldkraiburger haben den Platz aufgegeben

Dieser Sartrouville-Platz ist längst ein Sorgenkind der Stadtpolitik, abgehängt mitten im Zentrum, nicht mehr ins städtische Leben integrierbar. Ein beliebter Treffpunkt für Senioren und Familien ist er nie geworden. Viele Waldkraiburger scheinen ihn aufgegeben zu haben. Es sieht nicht danach aus, als wollten sie ihm im heutigen Zustand noch eine Chance geben.

Planer und Entscheider, die 2020 den ganz großen Wurf mit neuem Rathaus und neuer Innenstadt-Gestaltung propagieren, sollten aus der Vergangenheit gewarnt sein, nicht abheben. Auf die Euphoriebremse treten. Mit aller Vorsicht und Umsicht und in enger Abstimmung mit den privaten Eigentümern realistische Entwicklungsmöglichkeiten entwerfen.

Es muss sich was ändern in der Innenstadt

Doch dass die Fußgängerzone gar nicht mehr auf die Beine kommen will, ist – abgesehen vom maroden Zustand des Rathauses – vermutlich sogar eines der stärksten Argumente dafür, dass sich in der Innenstadt zwingend etwas verändern muss. Mehr als eine Rathaus- und Tiefgaragen-Sanierung. Alle, deren Herz für das bestehende Rathaus als Symbol der glorreichen 1970er-Jahre Waldkraiburgs und für diese Stadtmitte schlägt, müssen sich damit auseinandersetzen, was dann mit dem Sartrouville-Platz geschehen soll.

Johann.Grundner@ovb.net

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