Waldkraiburger Kinobetreiber bekommt keine Corona-Soforthilfe, weil er einen Saal zu viel hat

Rahnert, Thomas Rahnert (rechts), der Waldkraiburger Kinobetreiber hofft, dass der neue Starttermin für den neuen Bond, James Bond am 21. November gehalten wird. Wie er das Cinewood bis dahin Corona-tauglich macht, das bereitet ihm noch Kopfzerbrechen. Archiv/Huckemeyer
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Thomas Rahnert ist sauer. Beim Soforthilfeprogramm für Kinos in Bayern, das aufgrund der Corona-Krise aufgelegt wurde, schaut der Betreiber des Cinewood in Waldkraiburg ebenso mit dem Ofenrohr ins Gebirge wie beim „Zukunftsprogramm Kino“, das Kulturstaatsministerin Monika Grütters aufgelegt hat

Waldkraiburg – Rahnert geht leer aus. Der Grund? Der Waldkraiburger hat acht Säle gepachtet, das ist einer zu viel. Beide Programme ziehen die Grenze für eine Förderung bei sieben Kinosälen.

10 000 Euro Kino-Sofortprämie verloren

10 000 Euro Kino-Sofortprämie gibt es über den Film Fernseh Fonds (FFF) Bayern. „Und dieses Geld ist nicht rückzahlbar“, betont der Kinobetreiber. Eine Menge in den kritischen Corona-Zeiten, die Kinos ohne jede Einnahme überleben müssen. Auch Rahnert könnte es gut brauchen. Doch es sieht nicht danach aus, dass er was vom Kuchen abkriegt. Die Einreichfrist ist bereits am 30. April abgelaufen. „Ein Kollege mit neun Sälen hat sich beworben, Sein Antrag wurde abgelehnt“, sagt Rahnert. Er hat es gar nicht erst versucht. Denn auch der Freistaat habe sich die 7-Säle-Regelung des Bundes zu eigen gemacht.

Zahlreiche Filmtheater betroffen

So wie das „Zukunftsprogramm Kino“, das die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) aufgelegt hat, um Lichtspieltheater in Kleinstädten mit maximal 50 000 Einwohnern zu fördern. Auch diese Mittel nicht rückzahlbar und für Filmtheater wie das Cinewood dringend notwendige Basis, um wichtige Modernisierungen vorzunehmen. „Ohne Förderung geht das nicht“, sagt Rahnert, der dabei ist, die Bestuhlung in seinem Haus zu erneuern und die Tontechnik auf Stand zu bringen. „Einen KfW-Kredit brauche ich ohnehin noch obendrauf. Den werde ich noch zehn Jahre mitziehen“, sagt er, um deutlich zu machen: „Wir sind Unternehmer. Wir schreien nicht nur nach Förderung, sondern bringen auch unseren Anteil ein.“

Rahnert: Regelung muss überdacht werden

Rahnert will gerne zugestehen, dass die Filmförderung des Landes und des Bundes immer gute Partner der Kinos waren. Doch das 7-Säle-Kriterium verstößt aus seiner Sicht „gegen jeglichen Gleichheitsgrundsatz. Das ist eine unsinnige Regelung, die überdacht werden muss!“

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Das Cinewood ist kein Einzelfall. Nicht weniger als 25 betroffene Kinos in Bayern listet der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) in einem Schreiben an die Geschäftsführung des Film Fernseh Fonds auf, in Großstädten die München, Augsburg und Nürnberg, aber auch in Amberg und Passau, in Erding und Eggenfelden, in Cham oder Coburg... Viele von ihnen sind in ihren Städten die einzigen Anbieter eines gemischten Programms für alle Altersgruppen und Filmpräferenzen. Und deshalb appelliert die HDF-Geschäftsführerin Christine Berg in einem Brief an Kulturministerin Monika Grütters, „in dieser historischen Notlage den Blick auf die gesamte Branche zu richten“. Das Zukunftsprogramm solle im Coronajahr 2020 auf alle Kinos, unabhängig von Größe und Standort ausgedehnt werden.

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Auch Thomas Rahnert hat nach Berlin geschrieben, an die BKM im Bundeskanzleramt, und dringend darum gebeten, bei der 7-Saal-Regelung nachzubessern. Wenn das Ziel sei, internationale Kino-Ketten von der Förderung auszuschließen, dann könne dies doch auch durch das Kriterium „Inhabergeführt“ geschehen. Und allen Familienbetrieben wäre geholfen. Bislang hat er noch keine Antwort von Grütters.

Kulturbeauftragte hält an Regelung fest

Die Antwort, die die Pressestelle des BKM auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen gibt, macht dem Kinobetreibern wenig Hoffnung. „Eine Änderung des 7-Saal-Kriteriums ist derzeit nicht beabsichtigt“, heißt es in der Mitteilung. Die Kriterien für das Zukunftsprogramm, das einen Beitrag zur Sichtbarkeit des kulturell anspruchsvollen Kinofilms in der Fläche leisten wolle, seien mit den Ländern, die ergänzende Förderangebote bereitstellen, sowie den Kinoverbänden abgestimmt.

Staatsministerin Grütters arbeite laufend an weiteren Maßnahmen, um „passgenaue Lösungen anbieten zu können“. Zu weiteren Hilfen, die besonders auch Kinos zugutekommen sollen, sei Grütters mit dem Bundesfinanzministerium im Gespräch und „zuversichtlich, bald auch hier gemeinsam eine gute Lösung zu finden“.

Kinobetreiber hofft auf Unterstützuhng durch örtliche Abgeordnete

Konkreter wird die Pressestelle nicht. Rahnert hofft nun, dass die beiden Abgeordneten Stephan Mayer und Marcel Huber etwas in der Angelegenheit erreichen können. Sie haben sich der Sache angenommen. Und sind nicht die einzigen, von denen er in dieser Krisenzeit Unterstützung erfahre. Rahnert nennt die Stadtwerke, die die Abschlagszahlungen für Strom ohne jede Diskussion sofort deutlich gesenkt haben. Kein Problem sei es auch gewesen, das Leasing für zwei Projektoren für drei Monate auszusetzen. „Die einzigen, die mich enttäuscht haben, sind die großen Filmverleiher. Die haben brav Mahnungen geschickt.“

Das sagt Kinobetreiber Thomas Rahnert

Herr Rahnert, seit sieben Wochen ist tote Hose im Cinewood wie in allen anderen Kinos. Dabei haben Sie sich 2019 grade erst vom Katastrophenjahr 2018 einigermaßen erholt...

Thomas Rahnert: Die Corona-Krise trifft uns in diesem Jahr hart. Wir hätten im ersten Halbjahr 2020 tolle Filme am Start gehabt, die sicher Publikumsschlager geworden wären. Der neue Bond wäre gekommen, der Familienfilm „Peter Hase 2“, „Fast and Furious 9“, die Disney-Produktion „Mulan“ als Realverfilmung. Es sah sehr gut aus.

Jetzt sieht es wieder besser aus, dass auch die Kinos bald wieder aus dem Lockdown aussteigen können. Wann kann es denn wieder losgehen, was meinen Sie?

Rahnert: Ich denke, es wird nicht vor Ende Juli losgehen. Ich halte es auch nicht für vernünftig, dass einzelne Bundesländer ihre Kinos vor den anderen aufmachen. Wenn ein Film nicht bundesweit anläuft, lohnt sich dass nicht für die Verleiher, ihn teuer zu bewerben. Wir werden anfangs eh alte Sachen spielen müssen. Denn ein Film braucht Minimum sechs Wochen Vorlaufzeit für ein ordentliches Marketing.

Was sagen Sie denn zu den Schutz- und Hygienevorschriften, die auf Sie zukommen?

Rahnert: Ich habe grade ein vorläufiges Schutz- und Hygienekonzept gelesen, das der Verband mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Bundesamt für Arbeitsschutz erstellt hat. Die Auflagen sind sehr schwer umzusetzen und kosten richtig Geld. Sogar am Parkplatz müsste man jemanden stehen haben. Die einen dürfen zusammensitzen, die anderen müssen allein sitzen. Das wird wahnsinnig schwierig , das zu organisieren. Bei einem Sicherheitsabstand von 1,50 Metern und ungefähr fünf Quadratmetern Platz für jeden Kinobesucher, kann man sich vorstellen, wie viele Zuschauer wir noch reinlassen dürfen. Es braucht kontaktlose Ticketkontrollen. Wir müssen die Spielzeiten und damit die Besucherströme entzerren. Bisher hatten wir einen Viertelstundentakt. Das geht nicht mehr. Es darf zu keinem Stau an Kasse und Theke kommen. Und wir brauchen Zeit, um die Säle zu desinfizieren.

Ist bei diesen Auflagen ein wirtschaftlicher Betrieb überhaupt möglich?

Rahnert: Es sieht nicht so aus, dass es kostendeckend wird. Da bin ich mir ziemlich sicher. Ich überlege hin und her. Aber wir würden wohl aufmachen, um da zu sein, um dem Publikum zu zeigen: Es gibt uns noch. Und ich hoffe, dass sich diese Hygienekonzepte noch ändern.

Am Sonntag, 15. März, ist der letzte Film im Cinewood gelaufen. Seitdem steht das Kino still. Was bedeutet das für Ihre Mitarbeiter?

Rahnert: Die vier festangestellten Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Die Branche lebt von Minijobbern. Wir beschäftigen 38 Minijobber, Studenten, Schüler. Für die kann ich aus eigenen Mitteln nichts tun. Ich kann Ihnen nur versprechen, dass ich alles tun werde, um das Kino zu erhalten, damit sie wiederkommen können. Die Arbeitgeber zahlen für die Minijobber Sozialbeiträge ein. Ich verstehe nicht, dass es in der Corona-Krise keinen eigenen Topf für sie gibt. Diese Leute kann die Politik doch nicht im Regen stehen lassen. Das ist ein trauriges Kapitel.

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