Richtungsweisende Entscheidung

Sitzplätze waren Mangelware im Stadtrat. Rund Hundert Besucher, Lehrer, Schüler, Eltern, vor allem aus den beiden Mittelschulen, beobachteten die Sitzung. hg

Fünf Optionen wurden in einer Machbarkeitsstudie zur Schulentwicklung untersucht. Jetzt hat sich der Stadtrat dafür entschieden, folgende Variante planerisch weiterzuverfolgen: Die Förderschule wird vom Standort in der Dieselstraße ins Gebäude der Liszt-Mittelschule verlegt, die Mittelschule wandert im Gegenzug in die Stadtmitte neben die Diesel-Mittelschule.

Waldkraiburg – Mit 21:7 Stimmen hat sich der Stadtrat nach kontroverser Diskussion für diesen Weg entschieden. Mit diesem Stadtratsbeschluss ist der Ball an den Kreistag weitergespielt, der das Thema in seiner Oktober-Sitzung behandelt.

Die Stadt könnte sich durch den Schultausch viel Geld sparen, aber auch einige andere Probleme reduzieren, etwa die Verkehrsbelastung im Schulviertel Süd entschärfen und organisatorische Verbesserungen für die beteiligten Schulen erreichen (siehe Info-Kasten zur „Variante C“).

Großer Zeitdruck

Das geht aus der Präsentation der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie hervor, die Götz Keßler, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH, erläuterte. Die Studie haben Stadt und Landkreis gemeinsam in Auftrag gegeben. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass der Landkreis das Förderzentrum deutlich erweitern muss und sowohl an der Förderschule wie an der Lizst-Mittelschule erhebliche Modernisierungsmaßnahmen anstehen. Viele Aspekte waren dabei einzubeziehen, der Raum- und Turnhallenbedarf der Schulen ebenso wie künftige Erweiterungsmöglichkeiten, die Verkehrssituation an den beiden Schulstandorten, mögliche Synergien und vieles mehr.

Pötzsch: Schulen waren einbezogen

Die vorbereitenden Untersuchungen standen unter erheblichem Zeitdruck, wie Keßler und Bürgermeister Robert Pötzsch deutlich machten. Das Landratsamt möchte die Förderschule so schnell wie möglich auf den neuen Standard bringen, so Keßler. Der Zeitdruck werde noch dadurch verstärkt, dass die Außenstelle der Förderschule in Starkheim rasch aufgelöst und nach Waldkraiburg verlegt werden soll. Sogar von einer Interimslösung in Räumen der Diesel-Mittelschule war die Rede (siehe Artikel in der Randspalte). Beide äußerten Verständnis für die Mittelschulen, die den Status Quo erhalten wollen.

Vor rund Hundert Zuhörern aus den Schulen wies der Bürgermeister allerdings die Kritik zurück, die Schulen würden vor vollendete Tatsachen gestellt. „Die Schulen waren von Tag eins an mit im Boot“, erinnerte Pötzsch an ein Treffen im Mai, nachdem die Machbarkeitstudie auf den Weg gebracht wurde. Und der Bürgermeister verteidigte, dass die Schulleiter erst einen Tag vor der Sitzung des Stadtrates über die Inhalte der Studie informiert wurden. „Eher war die Information nicht möglich.“ Pötzsch reagierte damit darauf, dass mehrere Stadträte die Verwaltung aufgefordert hatten, die Schulen und die Elternbeiräte an den weiteren Prozessen intensiv zu beteiligen.

Pötzsch betonte, dass die Machbarkeitsstudie der erste Schritt war. Jetzt müsse die Richtung bestimmt werden, wie es weitergehen soll. Im nächsten Schritt gehe es dann um die konkrete Planung, Fragen des Verkehrs und der Pädagogik und Schulqualität. Da werden die Schulen mit einbezogen. „Da müssen wir alle pädagogischen Notwendigkeiten einbringen“, ergänzte Götz Keßler. „Wir brauchen keine Schule bauen, die hinterher nicht funktioniert.“

Die Einwände der Liszt-Mittelschule gegen den vom Stadtrat favorisierten Schultausch brachte der kommissarische Schulleiter Alexander Ruß vor. Er äußerte zwar Verständnis für die Überlegungen der Stadt, fragte aber zugleich kritisch an, ob kurzfristige Einsparungen das Wagnis rechtfertigen, 600 Mittelschüler oder mehr an einem Standort zusammenzuführen. Derzeit habe die Stadt Waldkraiburg zwei gesunde Mittelschulen. „Die beiden Mittelschul-Standorte haben sich über 40 Jahre bewährt.“ Das große Platzangebot an der Liszt-Schule sei unvergleichlich in der Waldkraiburger Schullandschaft. Das Konfliktpotenzial sei an kleinen Schulen geringer als an großen Standorten.

In einer Stadt mit derartig großer Fluktuation und starkem Zuzug sei die zukünftige Entwicklung der Schülerzahlen nicht vorhersehbar. Die Kapazitäten am neuen Standort könnten aus Sicht von Ruß schnell erschöpft sein. Ebenso wenig sei der Bedarf an Ganztagesplätzen vorhersehbar.

Stadtrat Steindl kritisiert Landrat

Der Erziehungs- und Bildungsauftrag müsse an erster Stelle stehen, sagte Lydia Partsch, die selbst eine Grundschule leitet und gegen die Zusammenlegung der beiden Mittelschul-Standorte stimmte. Skepsis äußerte auch Harald Jungbauer. Die Schulen könnten ihre pädagogischen Konzepte an den bisherigen Standorten am besten umsetzen. Er befürchtet auch am Standort in der Stadtmitte Verkehrsprobleme wegen der vielen zusätzlichen Radler. Georg Ledig glaubt, dass auch in der Mitte ein Verkehrschaos entstehen könnte. Er ist dagegen, das „Super-Areal“ in Waldkraiburg-Süd an den Landkreis abzugeben.

Die Befürworter sehen allerdings die Variante C als „zukunftsorientierte Lösung“ (Anton Sterr) und „guten Kompromiss“ (Susanne Engelmann), gerade auch im Hinblick auf spätere Erweiterungsmöglichkeiten.

Engelmann lenkte den Blick auf die Belange der Förderschule. Auch dem Förderzentrum solle zu seinem Recht verholfen werden. Immer seien ihm andere Schulen baulich vorgezogen worden. Der Schultausch sei die „einzige Möglichkeit, das Problem der Förderschule zu lösen“, bekräftigte Franz Belkot. Und Michael Steindl wies die Verantwortung für die aktuelle Misere dem Landkreis zu.

Der Landrat habe vor einigen Jahren „verschlafen“, ein tragfähiges Konzept für die Förderschule auf den Weg zu bringen. Waldkraiburg versuche jetzt eine Lösung und den „besten Kompromiss für alle Beteiligten zu finden“. Es sei nicht in Ordnung, jetzt der Stadtverwaltung den „schwarzen Peter“ zuzuschieben.

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