Rettet die Geschäfte: Waldkraiburger Vermieter gewährt Mietnachlass wegen Corona

„Wir müssen jetzt alle zusammenhalten und ruchhalten“, sagen Willi und Susanne Engelmann, die ihren Gewerbemieterinnen für drei Monate die Mieten nachgelassen haben.

Willi Engelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk in Waldkraiburg, appelliert an die Vermieter, wegen Corona bei den Gewerbemieten kulant zu sein, und geht mit seiner Frazu Susanne mit gutem Beispiel voran.

Waldkraiburg– Die Einnahmen sind innerhalb von wenigen Tagen eingebrochen, weggebrochen. Die Ausgaben hängen wie ein Damoklesschwert über Händlern und Wirten. Mieten werden da zur Existenzbedrohung. Deshalb richtet Willi Engelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk in Waldkraiburg, einen eindringlichen Appell an die Vermieter in der Stadt, den Gewerbemietern in der Corona-Krise entgegen zu kommen.

Für drei Monate Miete deutlich gesenkt

Willi und Susanne Engelmann gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Ab 1. April werden sie zwei Gewerbemieterinnen für drei Monate die Hälfte, beziehungsweise ein Drittel der Miete nachlassen.

Andrea Schmieder, Inhaberin des gleichnamigen Nähmaschinen- und Handarbeitsgeschäftes zwischen Berliner Straße und Stadtplatz, ist „sehr froh“ über den Mietnachlass. „Ich bin einfach mal rüber in die Apotheke der Engelmanns, um das Thema anzusprechen. Aber ich musste noch nicht mal fragen“, sagt sie.

Umsatz fast auf Null eingebrochen

Seit Mittwoch vergangener Woche ist ihr Laden zu. „Seitdem hat sie nahezu keine Einnahmen mehr. „Von 100 fast auf Null“, so Schmieder, die für ihre festangestellte Kraft Kurzarbeit beantragt hat.

Im Online-Handel geht nicht viel. Den Shop bei Amazon habe sie stillgelegt. Jeden Tag müssten sie, ihre Angestellte oder Aushilfen ins Geschäft, die Sachen verpacken und zur Post bringen.

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Das möchte sie ihren Mitarbeitern im Moment nicht zumuten. Reine Vorsichtsmaßnahme. „Man weiß nicht, ob man sich dabei nicht ansteckt.“ Über die Homepage verkauft sie Nähmaschinen, aber da geht fast nichts. Sie müsste zuerst Geld in die Hand nehmen, um sich erfolgreicher bei Google aufzustellen.

Monika Fitz: „Eine feine Geste. Ich hoffe, das findet viele Nachahmer.“

An Waren fehlt es nicht. „Die Lager sind voll bis zur Decke“, mit Maschinen und der Frühjahrs- und Sommerware, Wolle, Stoffe, Kurzwaren. „Das Gute ist, dass meine Ware nicht verdirbt und nicht unmodern wird.“ Und: Dass „alle Rechnungen bezahlt sind. Ich bin in der komfortablen Lage, dass ich ein Polster auf dem Konto habe und private Reserven.“ Andernfalls wüsste sie nicht, wie sie die Krise meistern sollte.

Feinkostverkauf geht eingeschränkt weiter

Auch über Monika Fitz, die Inhaberin der Vinothek Ars Vivendi, ist Corona hereingebrochen. Die Gastro ist dicht. Doch auch an den Tagen kurz vor der staatlichen Ausgangsbeschränkung hatte Fitz, die für ihre italienischen Pastagerichte und Spezialitäten in der ganzen Stadt bekannt ist, mittags nur noch fünf bis sechs Gäste. „Die Leute hätten tanzen können, so viel Platz war da.“ Eine Mitarbeiterin habe sie dem Arbeitsamt zur Kurzarbeit gemeldet, mehrere Teilzeitkräfte haben „Gottseidank“ Ehemänner.

Zunächst hatte Fitz auch den Lebensmittelhandel schließen wollen, hat sich nun aber doch entschieden, den Verkauf von Weinen, Ölen und anderer italienischer Feinkost eingeschränkt fortzusetzen, von Mittwoch bis Samstag in den Mittagsstunden. Sie nimmt auch Bestellungen auf und liefert aus. Mit großen Einnahmen rechne sie nicht, aber Fitz will nicht aufstecken, sondern weiter Präsenz zeigen. Der Mietnachlass durch die Engelmanns macht ihr das leichter. „Ein feiner Zug, eine tolle Geste“, sagt die Vinotheken-Besitzerin. „Ich hoffe, dass es viele Nachahmer gibt.“

Engelmann: Geschäfte akut bedroht

Willi Engelmann hat als Vertreter der Einzelhändler in den vergangenen Jahren Waldkraiburger Vermietern wiederholt öffentlich ins Gewissen geredet, weil er das Niveau der Gewerbemieten in der Innenstadt für zu hoch hält und als einen Grund für die hohe Zahl an Leerständen ansieht.

Jetzt seien viele Geschäfte und Lokale, „die wir für unsere Bevölkerung erhalten wollen“, akut von der Krise bedroht und in einer prekären Situation, schreibt Engelmann in einem Brief an die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk. Sein Appell: „Wir müssen alle zusammenhalten und durchhalten.“

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Den Mietnachlass sieht er pragmatisch. Die Objekte seien abbezahlt, „deshalb kann ich das machen. Was hilft es mir, wenn Mieter Pleite gehen. Dann habe ich gar keine Miete mehr.“

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