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GÜTERTRANSPORT DURCH WOHNGEBIET

Relikt aus Kriegszeiten: Warum das Waldkraiburger Werksgleis noch immer gebraucht wird

Bis zu dreimal pro Woche quert ein Zug die Aussiger Straße in Waldkraiburg in Richtung Aschau Werk, um die Nitrochemie mit Rohstoffen zu versorgen. Bis zu dreimal pro Woche geht es mit Leergut in die andere Richtung.
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Bis zu dreimal pro Woche quert ein Zug die Aussiger Straße in Waldkraiburg in Richtung Aschau Werk, um die Nitrochemie mit Rohstoffen zu versorgen. Bis zu dreimal pro Woche geht es mit Leergut in die andere Richtung.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Einst durchzog ein zwölf Kilometer langes Schienennetz das heutige Stadtgebiet Waldkraiburgs. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben, außer der Verbindung nach Aschau-Werk. Die wird zum Transport von Chemikalien bis heute genutzt.

Waldkraiburg – Es ist ein Relikt aus den Kriegstagen, als auf dem heutigen Stadtgebiet ein riesiges Rüstungswerk betrieben wurde, das auf ein leistungsfähiges Gleissystem angewiesen war. Von den damaligen Anlagen ist heute nicht mehr viel zu sehen. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Werksgleis, das vom Waldkraiburger Bahnhof ins Industriegebiet Aschau-Werk führt, das noch immer genutzt wird.

Stadt musste sich zum Erhalt der Gleise verpflichten

Die Stadt musste sich in den 1960er-Jahren dazu verpflichten, das Gleis, das inzwischen durch Wohngebiete führte, zu erhalten. Die Nitrochemie GmbH ist darauf angewiesen, dass sie via Schiene mit Rohstoffen versorgt wird.

Ein Freitag morgen, kurz vor sieben. Das rote Blinklicht am Bahnübergang gebietet den Autofahrern anzuhalten. In Schrittgeschwindigkeit schiebt sich eine rote Lok in Richtung Westen, überquert die Aussiger Straße so wie zuvor die Reichenberger Straße.

Zwei bis drei Transporte pro Woche

Zwei- bis dreimal in der Woche werden der Nitrochemie Aschau GmbH auf diesem Wege Rohstoffe geliefert, die das Unternehmen für die Entwicklung und Fertigung ziviler und wehrtechnischer Antriebssysteme, chemischer Zwischenprodukte und die Papierentsäuerung braucht. Ebenso oft fahren die Züge am Vormittag in die andere Richtung und transportieren Leergut, so Christian Gleser, technischer Leiter und Eisenbahnbetriebsleiter bei der Nitrochemie.

Unternehmen verweist auf hohe Sicherheitsstandards

Das habe logistische Gründe, sagt dazu Geschäftsführer Peter Haalck. Die Lieferanten der Firma, große Chemieunternehmen, haben in der Regel Gleisanschluss, bei den Kunden ist das seltener der Fall. Die fertigen Produkte verlassen das Industriegelände nach seinen Worten deshalb über die Straße.

Chemikalien, die durch ein Wohngebiet rollen – ist das nicht gefährlich? Diese Frage mögen Anwohner aufwerfen. Haalck verweist dagegen auf hohe Sicherheitsstandards und die permanente Überwachung der Bahnstrecken. Im Übrigen rollen die Rohstoffe, die oft von weit her kommen, nicht nur durch Waldkraiburg, sondern zuvor durch Mühldorf und viele andere Städte und Großstädte. „Der Güterverkehr hat keine anderen Trassen als der Personenverkehr.“

Strecke stand nie zur Disposition

Trotz der geringen Zahl der Transporte, die in der Regel nur aus einigen wenigen, oft auch einzelnen Waggons bestehen, und obwohl die benachbarte Bayernchemie das Gleis derzeit nicht nutzt, sei die Aufgabe der Schienenverbindung bis heute keine Option, sagt der Nitro-Geschäftsführer. Im Gegenteil: Das Werksgleis entspreche den Vorgaben der Verkehrspolitik, möglichst viele Gütertransporte auf die Schiene zu verlagern, „weil es das ökologischere Verkehrsmittel ist“.

Haalck: „Die Aufrechterhaltung der Bahnstrecke ist ein teueres Hobby. Das kostet uns Hunderttausende im Jahr.“ Das Unternehmen beteiligt sich auch an der Erneuerung der Überwege über das Werksgleis im Stadtgebiet, das kürzlich der Stadtrat beschlossen hat. Fast ein Viertel der gut 130 000 Euro Kosten trägt der Chemiebetrieb.

Einst war das Schienennetz im Stadtgebiet zwölf Kilometer lang

Die Geschichte des Werksgleises geht auf die 1930er-Jahre zurück. Schon seit 1938 gab es laut Waldkraiburger Stadtarchivar Konrad Kern zwischen den Werken Kraiburg, auf dem heutigen Waldkraiburger Stadtgebiet, und Aschau eine Gleisverbindung. „Diese war nötig, um die in Aschau-Werk erzeugte Nitrozellulose ins Werk Kraiburg transportieren zu können und um auch nach Aschau-Werk Rohstoffe fahren zu können.“ Bald nach 1945 sei in Aschau-Werk wieder Pulver produziert worden.

Zur Zeit des Dritten Reichs war das Schienennetz im Werk Kraiburg nach seinen Worten zwölf Kilometer lang. Die Gleise wurden bis Mitte der 1960er-Jahre abgebaut, mit der Ausnahme des Werksgleises nach Aschau-Werk.

Denn als im November 1961 die Stadt die restlichen Grundstücke der Bayerischen Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) erwarb, musste sie sich laut Kern verpflichten, das Werksgleis im Bestand zu erhalten und zu pflegen. Ohne dieses Gleis wäre die Nitrochemie „abgehängt“. Auch als zwischen 1985 und 1994 der Bahnbetrieb zwischen Mühldorf und Wasserburg eingestellt wurde, blieb dieses Gleis bestehen.hg

Vereinzelt gab esBlechschäden, wie hier nach einer Kollision mit der Werksbahn in den 1980er-Jahren in der Aussiger Straße. An größere Unfälle kann sich der technische Leiter Christian Gleser nicht erinnern.

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