Im Rausch Polizisten angegriffen: Ein Jahr auf Bewährung für 28-jährigen Waldkraiburger

Auf dem Sartrouvilleplatz in Waldkraiburg trugen sich die Vorfälle zu, die einen 28-jährigen Mann, der zwei Polizisten tätlich angegriffen hat und einen unbeteiligten Discobesucher verletzte, jetzt vor Gericht brachten. Rath

Für einen tätlichen Angriff auf zwei Polizeibeamte am Waldkraiburger Sartrouvilleplatz musste sich ein 28-jähriger Waldkraiburger jetzt vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten. Strafmildernd wirkte sich aus, dass der Mann ein halbes Jahr nach der Tat bei einem Unfall schwerste Verletzungen erlitten hatte, die ihn bis heute zeichnen.

– Gespuckt, getreten, gegen Beamte widersetzt

An einem Montagabend im Dezember 2018 war die Polizei zu einer Kneipe am Sartrouvilleplatz gerufen worden, weil eine Person randaliere. Als die beiden Beamten eintrafen, war der Mann zunächst verschwunden. Wenig später trafen die Polizisten jedoch auf einen 28-jährigen arbeitslosen Waldkraiburger, der einen unbeteiligten Passanten anpöbelte. Wie sich später herausstellte, stand der Mann unter starkem Alkoholeinfluss. Die Blutentnahme, die erst acht Stunden nach den Vorfällen möglich war, ergab noch immer einen Wert von über 0,7 Promille.

Unbeteiligten Discobesucher mit Flaschenwurf verletzt

Da der 28-Jährige einen sehr aggressiven Eindruck machte, forderten die Beamten ihn auf, seine Arme zu senken. Mit erheblichem Kraftaufwand gelang es beiden Polizisten, den Mann mit Handschellen zu fesseln, wobei sich dieser widersetzte. 40 Minuten hat es nach Angaben der Beamten gedauert, bis der Mann auf der Polizeistation war. Während dieser Zeit habe er die Polizisten, die Prellungen und Abschürfungen erlitten, zudem aufs Übelste beleidigt. Er spuckte um sich und versuchte einen Beamten zu treten.

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Ein zweiter Vorfall ereignete sich ein Vierteljahr später, wieder auf dem Sartrouvilleplatz, wieder war der 28-jährige Angeklagte beteiligt. Am Faschingssamstag ging es in einer Waldkraiburger Disco hoch her. Bei einer Rauchpause kamen zwei junge Waldkraiburger in eine Streiterei, weil der eine die Freundin des anderen beleidigt hatte. Der 28-Jährige entfernte sich zunächst, warf dann aber eine Flasche auf seinen Widersacher, die einen danebenstehenden Unbeteiligten traf. Der erlitt eine stark blutende Wunde an der Augenbraue. Zwei Polizisten nahmen Werfer fest.

Nach schwerem Unfall erst jetzt wieder verhandlungsfähig

Jetzt stand der junge Mann vor Gericht – mit einer längeren Verspätung, weil er im Sommer 2019 einen schweren Unfall hatte. Zusammen mit einem Freund war er als Beisitzer auf einem Zweirad durch Kraiburg gekurvt und gegen das Marktplatztor geprallt. Beide trugen keinen Helm, waren betrunken und bekifft. Der Fahrer erlag seinen Verletzungen. Der 28-jährige wurde bei diesem Unfall so schwer verletzt, dass er über zwei Wochen im Koma lag. Er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma mit beidseitiger Hirnblutung erlitten und war erst jetzt wieder verhandlungsfähig.

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Staatsanwalt Alexander Foff klagte ihn wegen Widerstands und tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung an. Gegenüber Richter Florain Greifenstein, bewertete der junge Mann die damaligen Vorfälle als „schwerste Katastrophe“.

Als Zeugen wurden drei Polizeibeamte gehört, die die beiden Vorfälle am Sartrouvilleplatz bestätigten. Ebenso wurden zwei Zeugen und der Geschädigte des Flaschenwurfs vernommen.

Zum gesundheitlichen Zustand des Angeklagten wurde als Sachverständiger ein Facharzt für Psychiatrie gehört. Dieser bestätigte ihm eine durchschnittliche Intelligenz, allerdings sei eine starke Suchtproblematik vorhanden gewesen. Seit seinem schweren Unfall nehme der Angeklagte weder Alkohol noch Drogen zu sich, weil er sonst daran sterben könnte. Auch seien durch den Unfall Teile des Gehirns zerstört worden.

Der junge Mann machte einen stark angeschlagenen Eindruck, die Nachwehen seines Unfalls machten sich bemerkbar. Er war sehr blass im Gesicht und sprach nur sehr leise und mühsam.

Nach einem mit Richter Florian Greifenstein und Verteidiger Michael Steindl ließ Staatsanwalt Alexander Foff den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung fallen, weil es dazu keine verwertbaren Aussagen gab. Die Polizeibeamten waren noch nicht am Tatort gewesen, die Zeugen zum Teil erheblich alkoholisiert.

Für die anderen Anklagepunkte forderte Foff eine Gesamtstrafe von eineinhalb Jahren, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung. Strafmildernd sah er die nicht schwerwiegenden Verletzungen der Polizeibeamten und den schweren Unfall des Angeklagten. Negativ wirkten sich die lange Dauer des Widerstands beim ersten Vorfall, die zahlreichen Vorstrafen und die hohe Rückfallgeschwindigkeit aus.

Verteidiger plädiert auf verminderte Schuldfähigkeit

Rechtsanwalt Steindl beantragte für seinen Mandanten verminderte Schuldfähigkeit, er sei betrunken gewesen und habe Drogen genommen. Außerdem habe er sich entschuldigt und die Gewalt sei „nur“ passiv gewesen. Steindl forderte eine Strafe von neun Monaten mit Bewährung.

Das Gericht verurteilte den 28-Jährigen zu einem Jahr Freiheitsstrafe, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Bei seiner Urteilsbegründung folgte Richter Greifenstein der Argumentation von Staats- und Rechtsanwalt. Auch er begründete das relativ milde Urteil mit dem schweren Unfall. Er hoffe, so Greifenstein, dass der Unfall, den der junge Mann nur mit viel Glück überlebt hatte, ein Wendepunkt im Leben des Angeklagten gewesen sei.

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