DIE ECKDATEN

Rathaus: Alle für Neubau am Stadtplatz

Historisch – mit solchen Prädikaten sollte man vorsichtig sein. Doch der Grundsatzbeschluss des Stadtrates, ein neues Rathaus am Stadtplatz zu bauen, fällt wohl wirklich in diese seltene Kategorie, auch deshalb weil er nach langem Hin und Her einstimmig gefasst wurde.

Waldkraiburg – „Wegweisend“ nannte Bürgermeister Robert Pötzsch das Votum, in die Planung für einen Neubau des Rathauses einzutreten. Dies sei „mit die schönste Entscheidung der letzten fünf Jahre“.

Wenn alles nach Plan läuft, könnte das neue Rathaus 2023 fertig sein. Das Gebäude, das ist das Neue an der Variante, die das Planungsbüro db als Alternative zur Sanierung und zu einem Neubau an anderer Stelle vorgeschlagen hatte, würde vor das bestehende Rathaus, direkt an den Stadtplatz gesetzt (siehe auch Infoblock „Eckdaten“).

Das neue Rathaus bleibt also im Zentrum. Laut Fraktionssprecher Anton Sterr ist das ein entscheidendes Argument, das zum Sinneswandel bei der CSU geführt hat. „Das Rathaus gehört in die Stadtmitte.“

Auch Sterr stellte die Entscheidung in den großen Zusammenhang. Das Thema begleitet den Stadtrat schon in seiner dritten Amtsperiode. 2014 hatte das Gremium die bereits beschlossene Sanierung von Rathaus und Tiefgarage wegen eines Einbruchs bei der Gewerbesteuer kurzfristig gestoppt.

Im Februar 2018 lag eine erste Untersuchung für die Alternative Sanierung oder Neubau am Haus der Kultur vor, mit Kostenprognosen (reine Herstellungskosten) von 12,4 Millionen (Sanierung) und 14,5 Millionen (Neubau). Die neuen Gutachten aus dem Herbst dieses Jahres stehen auf der Grundlage einer wesentlich vertiefteren Untersuchung, die unter anderem auch die Kontaminierung der alten Tiefgarage berücksichtige.

Bei 19 Millionen Euro liegt die Kostenschätzung für die Sanierung, bei 24 Millionen Euro der Neubau am Haus der Kultur, bei gut 23 Millionen ein Neubau am Stadtplatz. Diese Summen für die Herstellungskosten seien „nachvollziehbar“, so Sterr.

Er sei froh, das sich der Stadtrat über alle Fraktionsgrenzen hinweg darauf verständigt habe, dass der Neubau an anderer Stelle als im Zentrum keine gute Variante sei. „Wäre es bei diesem Vorschlag geblieben, hätte die CSU für die Sanierung gestimmt.“

Positiv sieht Sterr an der nun beschlossenen Variante, dass das alte Rathaus während der Bauphase weiter genutzt werden kann, nur der Sitzungssaal abgerissen werden müsse. Sterr betonte, dass mit dem Grundsatzbeschluss noch keine Aussage über die Gestaltung getroffen sei, weder über das Spitzdach noch darüber, ob ein Ratskeller in das Erdgeschoss integriert wird oder die Durchgangsstraße am Stadtplatz abgehängt wird.

Die Finanzierung des Großprojekts müsse im Vorfeld mit der Rechtsaufsicht im Landratsamt geklärt werden.

Weder der Neubau am Haus der Kultur noch die Sanierung „wäre eine gute Lösung“ geworden, meinte Frieder Vielsack, Fraktionssprecher der UWG. Es habe wohl drei Amtsperioden gebraucht für die gute Lösung, den Neubau am Stadtplatz, gebraucht. Vielsack wörtlich zum langen Entscheidungsprozess: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“

Er sprach sich dafür aus, mit der neuen Planung auch den Maibaum wieder am Stadtplatz zu etablieren. Und bewertet die nun beschlossene Variante insbesondere auch deshalb positiv, weil der Sartrouville-Platz damit auf einem Niveau an den Stadtplatz angebunden ist. „Der Sartrouville-Platz hat genauso wie die ganze Innenstadt eine Chance verdient.“

„Ich bin voll für den Entwurf“, bekräftigte Eva Köhr (CSU), die sich mit einigen anderen schon vor Jahren für einen Ersatzbau ausgesprochen hatte, aber nicht in der Fraktion durchsetzen konnte. Sie freute sich darüber, dass es jetzt auch möglich sei, die Straße abzuhängen.

„Total begeistert“ von der Neubau-Variante äußerte sich SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Engelmann, die den Planern „höchstes Lob“ aussprach. Es sei eine bestechende Lösung, vor das alte Rathaus ein neues zu setzen und näher an den Stadtplatz zu rücken.

Nur Zweiter Bürgermeister Richard Fischer (SPD) äußerte Bedenken, wegen der hohen Kosten. „Ich habe Bauchschmerzen bei 23 Millionen Euro“, meinte er im Blick auf die vielen zukünftigen Aufgaben der Stadt. „Wenn die Finanzierung mit der Rechtsaufsicht abgesprochen sei, stehe auch er hinter dem Neubau, so Fischer, der ebenfalls für diese Variante stimmte.

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