Randalierer und Strategen

Jetzt kommen schon die Ampfinger zum Randalieren nach Waldkraiburg. Die herbei geeilte Polizistin wollte sie auch nicht ernst nehmen. Ganz schön viel Aufregung für einen Montag, an dem die meisten Friseure Ruhetag haben.

Da haben wir‘s wieder. Am Montag kam eine 48-Jährige aus besagter Gemeinde, um sich in einem Friseurladen in der Waldkraiburger Innenstadt den Pony schneiden zu lassen – ein entsprechendes Promifoto riss sie aus einem der ausliegenden Lesezirkel aus. Am Ende war sie nicht zufrieden, rastete aus, beschimpfte andere Kundinnen und zog die Friseurin an den Haaren. Die Krönung: Sie wollte bei der Polizei Anzeige wegen des verschandelten Haarschnitts erstatten – das sei schließlich Körperverletzung.

Weil sich die Beamtin nicht ausgewiesen hatte, soll die erboste Ampfingerin gesagt haben, eine Uniform könne ja jeder anziehen.

Und ein Rauschen ging durch den Boulevardblätterwald. Vielen Reporterkollegen war es unwahrscheinlich wichtig zu klären, welche Promidame das Frisurenvorbild abgab. Anhand der herausgerissenen Seiten aus der Frauenzeitschrift versuchten sie, das zu rekonstruieren. Ob es nun Julia Roberts, Uschi Glas oder Taylor Swift war – Fakt ist, in den Augen der resoluten Person hatte die Friseurin haarscharf an ihrer Wunschfrisur vorbei geschnitten.

Zur Schere griff auch eine alte Dame aus Waldkraiburg und zerstörte damit Geldscheine im Wert von 18500 Euro. Oder zerriss sie. Sie hatte wohl Angst vor Einbrechern und wollte ihr Geld schützen, in dem sie die Schnipsel im Eisfach einfror. Eine kuriose Geschichte. Nun will die Enkelin der dementen Frau, die als Betreuerin der Seniorin eingesetzt ist, die Banknoten von der Bundesbank ersetzt haben. An sich kein Problem, die Bundesbank erstattet beschädigtes Geld – aber nicht, wenn es mit Vorsatz kaputt gemacht wurde.

Nun musste der Verwaltungsgerichtshof in Kassel klären, ob es Vorsatz war, oder die alte Dame in einem Zustand geistiger Verwirrtheit handelte. Ein sehr schwieriges Unterfangen, die 89-Jährige ist inzwischen sehr schlecht zu befragen, das Urteil fiel aber zu ihren Gunsten aus. Eine spannende Zitterpartie ist für sie und ihre Angehörigen damit zu Ende.

Spannend ist es in Waldkraiburg auch, wenn man EHC-Fan ist. „Man kann schon was erleben, mit dem Waldkraiburger Eishockey“, sagt Willi Schuster, EHC-Urgestein, der seit 1971 als einer der ersten Ordner anfing und sämtliche Höhen und Tiefen der Eislöwen miterlebte. Als Betreuer ist er heute ganz nah dran. Und weil in der Play-off-Zeit die Bärte der Spieler und Fans sprießen, trägt derzeit auch Schuster einen Oberlippenbart. Auch so ein EHC-Kaliber ist der Singer Rudi, bestimmt hat er 20 Spielzeiten mitgemacht – als „Mädchen für alles“. Er wäscht den Spielern die Trikots und Stutzen. Das muss Liebe sein. Denn jeder Insider weiß, wie das Zeug nach den Spielen riecht.

Zu den eher stillen Begleitern des EHC gehört Barbara Zerwesz, die Mama des Trainers. Seit 1978 sitzt sie an der Stadionkasse und verkauft Eintrittskarten. Sie kennt jedoch nicht mal die Regeln auf dem Eis und doch gehört sie zu den treuesten Seelen im Eishockeybetrieb. Wenn es nicht so gut läuft im Spiel, kommen die Zuschauer zu ihr und fragen oft: „Was issn heit mit dene los?“ Dann sagt die Frau Zerwesz einfach „heut spiel ich nicht mit, ich kann da nix dafür“.

Freude am Spielen haben auch diese beiden Burschen: Alexander Neuberger (11) und Leonhard Pestl (7). Die zwei sind nämlich Schach-Strategen. Und Schach ist ein Sport, basta! Man muss nämlich seine grauen Zellen anstrengen. Dass das Gehirn ein Muskel ist, ist natürlich nur eine Metapher. Es geht darum, es zu trainieren. Und das tun die Jungs aus dem Schachclub. Es gefällt ihnen, die Spielzüge des Gegenübers zu berechnen und sich zu überlegen, welche Konsequenzen sie haben könnten. Na, wenn das nicht Fähigkeit ist, die die beiden sehr bald im Leben gebrauchen können – auch wenn sie keine Politiker werden wollen. Andrea Klemm

Waldkraiburger Wochenschau

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