Ramadan – Update für die Seele: Warum junge Muslime fasten

Um 21 Uhrbegann das Fastenbrechen und das reichhaltige Buffet, das die türkisch-islamische Gemeinde vorbereitet hatte, wurde eröffnet. Münch
+
Um 21 Uhrbegann das Fastenbrechen und das reichhaltige Buffet, das die türkisch-islamische Gemeinde vorbereitet hatte, wurde eröffnet. Münch

Ein interkulturelles „Dialog-Fastenbrechen“ hat in Waldkraiburg den Ramadan abgeschlossen. Warum junge Muslime fasten? Die 27-jährige Nurseda Baskent von der DITIB-Jugend sieht darin ein „Update für die Seele“.

Waldkraiburg – „Möge Allah unser Fasten und unsere guten Absichten annehmen!“ Mit diesen Worten hat Nurseda Baskent das „Dialog-Fastenbrechen“ nach dem moslemischen Fastenmonat Ramadan in der evangelischen Bunkerkirche eröffnet. Die DITIB Jugend Waldkraiburg und das „Mühldorf ist bunt“-Netzwerk für Demokratie und Toleranz hatten dazu eingeladen.

Eine der fünf Pflichten des Islam

Als Fest der Freundschaft und Liebe, der Vergebung und Barmherzigkeit sollte der Abschluss des moslemischen Fastenmonats Ramadan gefeiert werden, so Baskent, Elektroingenieurin und Dialogbeauftragte der örtlichen DITIB-Jugend. Mit Kristin Hüwel, der Vorsitzenden des Netzwerks, führte sie durch den Abend.

Das Fasten hat der Islam gemeinsam mit den beiden anderen, älteren Buchreligionen Judentum und Christentum. Darauf weist Sure 2, Vers 185 des Koran hin: „Euch ist vorgeschrieben, zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist.“ Dem Mondkalender entsprechend verschiebt sich der Fastenmonat Ramadan alljährlich um ein paar Tage nach vorne, gefastet wird 29 Tage lang nach bestimmten Regeln. Das tägliche Fasten beginnt, wenn man „in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden kann“ und endet bei Sonnenuntergang. Mit dem gesungenen Gebet eines jungen Mannes der DITIB-Jugend wurde um 21 Uhr das diesjährige, den Monat feierlich abschließende Fastenbrechen eröffnet. Regen Zuspruch fand ein von Frauen zubereitetes, von der türkischen Gemeinde gespendetes reichhaltiges Buffet aus Gerichten orientalischer und europäischer Herkunft. Die alkoholfreien Getränke hatte das Netzwerk beigesteuert.

Warum Muslime heute fasten? Für Temel Tezcan (44) ist es wichtig, mit dem Fasten neben dem Bekenntnis zum einen Gott, dem Gebet, dem Almosenspenden und der Mekka-Wallfahrt eine der fünf Pflichten des Islam zu erfüllen.

Müsemma Baskent (24) spricht von dem zu erwartenden Lohn im Paradies und davon, dass sie schon als Mädchen, noch bevor sie dazu verpflichtet war, fastete, um es mal den Erwachsenen gleichzutun. Ihre Schwester Nurseda (27) sieht das Fasten als „update für die Seele“, mit dem sie einen neuen Zugang zu ihrem Schöpfer findet, das Selbstbewusstsein stärkt und sich beweisen kann, nicht von Materiellem abhängig zu sein.

Auch Ihsan Cetin (26) fastet aus Überzeugung: Er will durch Selbstdisziplin das Ego zugunsten der Mitmenschen bekämpfen, die nicht so viel haben wie wir. Er erzählte auch von einer Reise nach Bangladesh, bei der er mit einer türkischen Stiftung dortigen Muslimen und Hindus Hilfsgüter brachte, die mit der Almosensteuer finanziert worden waren.

Kommentare