Raiffeisen-Arena: Die neue Bande ist da

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Während bei Temperaturen jenseits der 30 Grad nur die wenigsten an Wintersport denken, stellten am Wochenende im Eisstadion die Mitarbeiter einer tschechischen Firma die Weichen für eine neue Ära im Waldkraiburger Eishockey. Nach drei Tagen Arbeit am Sonntagabend ist die neue Vollglas-Bande, auf die Spieler und Fans so viele Jahre gewartet hatten, ein gutes Stück näher gerückt.

Waldkraiburg – Am Freitag gegen 9 Uhr fuhren sie mit einem 38-Tonner und einem 7,5-Tonner an der Waldkraiburger Eissporthalle vor: Tomas Dohnal mit elf Mitarbeitern der Firma Remov Sport aus dem tschechischen Most. Das Unternehmen „neue Eishockeybande“ für die Raiffeisen-Arena konnte beginnen. Der Verein hatte schon vor Wochen mit 20 freiwilligen Helfern alles so weit vorbereitet. Die alte Bande aus den 1970er-Jahren, eine Holzkonstruktion auf Stahl, wurde abgebaut, so dass die Fachleute ohne Verzug an die Arbeit gehen konnten.

Banden in aller Welt gebaut

Probleme? Tomas Dohnal winkt ab. Nur die Zufahrt durch das Seitentor des Stadions erwies sich als ein bisschen eng, um die Teile der Konstruktion reibungslos mit dem Stapler ins Stadionrund zu transportieren. Doch auch diese Hürde wurde durch geschicktes Rangieren genommen. Und schon am Nachmittag waren die ersten Teile der neuen Bande bereits verankert.

In Most, der Heimat von Eishockeylegenden wie Ivan Hlinka oder Vladimir Ruzicka, versteht man sich nicht nur aufs Eishockeyspielen, sondern auch auf den Bau von Banden. Gut und gerne 150 Konstruktionen hat das Unternehmen schon eingebaut, in Erst- und Extraliga-Stadien in Europa, 2015 etwa in Krakau, wo damals die B-Weltmeisterschaft stattfand, und sogar in Bangkok, Singapur oder Kolumbien, wo natürlich nicht Eishockey, sondern Inlinehockey gespielt wird.

Kaum steht die Konstruktion an den Geraden demonstriert Stadionsprecher Dirk Gümpel gleich, wie elastisch die neue Spielfeldbegrenzung sein wird. Sie gibt nach, wenn ein Spieler einen Check bekommt, reduziert die Verletzungsgefahren gegenüber dem alten unflexiblen „Löwenkäfig“ erheblich. Eine wichtige Voraussetzung für die Oberliga, in der das Eishockey viel körperbetonter betrieben wird als in der Bayernliga.

EHC-Schatzmeister Thomas Höfner, der ebenfalls dazustößt, um sich von den ersten Fortschritten zu überzeugen, klopft auf den blauen Bandenkopf, als wollte er auf Holz klopfen und könnte es selbst immer noch nicht glauben. „Lang ersehnt!“, sagt er nur und lacht.

„Wunderbar!“, meint Erich Fürst, einer der alten Fans, der seit den 1970er-Jahren kaum ein Heimspiel der Löwen versäumt hat und wie andere Kiebitze gekommen ist, um die Arbeiten zu beobachten. „Die Vorfreude auf die Oberliga steigt ohne Ende“, sagt Dirk Gümpel, dem die letzte Saison bis heute unter die Haut geht. Erst seit kurzem ziert ein riesiges Tattoo mit dem Bayernliga-Meisterpokal seinen Rücken.

Gekrönt wurde dieser grandiose sportliche Erfolg erst drei Monate danach, als sich mit der VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf ein Sponsor fand, um die neue Bande für die Eissporthalle zu finanzieren (wir berichteten). Erst dadurch wurde der Weg in die Oberliga frei.

67 000 Euro bringt die Bank ein, deren Namen die Sportstätte jetzt trägt. 76 000 Euro ohne Mehrwertsteuer und Abbauarbeiten kostet der neue „Löwenkäfig“. 10 000 Euro bringt die Stadt auf, 12 000 Euro (inklusive Eigenleistung beim Abbau der alten Bande) der EHC mit seinen Helfern.

Dafür gibt es eine neue Bande, die höchsten Standards entspricht. Die neue Konstruktion, Holz auf Stahlanker, ist 1,10 Meter hoch. An den langen Geraden wird eine 1,80 Meter hohe Wand aus Vollglas draufmontiert, hinter den Toren ist die Glaswand sogar 2,20 Meter hoch, zusätzlich werden Netze gespannt. Die neue Bande hat mehr Eingangstüren als früher, zum Beispiel zwei Zugänge zur Strafbank, um Streithähne zu trennen. Nur der Kurvenradius müsste größer sein, entspricht nicht den Vorgaben des internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF). Eishockey-Weltmeisterschaften dürfen deshalb in Waldkraiburg nicht ausgetragen werden. Aber damit hatte in den nächsten Jahren auch niemand ernsthaft gerechnet.

An der Meinung von Zdenek Cech, der an diesem Wochenende als Dolmetscher gefragt war, ändert das nichts. „Ich sage immer: Das wird das schönste Stadion“, meint Cech, der wie der heutige EHC-Trainer Rainer Zerwesz der Mannschaft angehörte, die zuletzt – vor einem Vierteljahrhundert – in der Oberliga für Waldkraiburg spielte. In dieser „Raiffeisen-Arena“ würde auch Tormaschine Cech gerne noch einmal mitspielen.

Blau und gelb sind im Trend

An alles scheint gedacht, sogar die Farbgebung der neuen Bande passt. Die Leisten und der Kopf sind gelb und blau wie die Spielerbank, also in den Vereins- und Stadtfarben. Reiner Zufall, wie sich herausstellt. Seit heuer sind diese Farben von der IIHF weltweit vorgeschrieben, sagt Dohnal. Blau-gelb ist also im Trend, nicht nur in Waldkraiburg...

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