Radfahrverein Pürten pflegt die Geselligkeit

Der Vorstand des RV Pürten in historischem Gewand beim Radlerfest in Söchtenau: Heidi Schmidinger, Margit Holzner, Peppi Manstetter, Helga Manstetter und Vorsitzender Albert Lehner.
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Der Vorstand des RV Pürten in historischem Gewand beim Radlerfest in Söchtenau: Heidi Schmidinger, Margit Holzner, Peppi Manstetter, Helga Manstetter und Vorsitzender Albert Lehner.

Um 1900 schossen die Radfahrervereine auf dem Land wie PIlze aus dem Boden. Damals schlug auch die Geburtsstunde des RV Pürten, der als einer der wenigen noch immer aktiv ist. 275 Mitglieder zählt der Verein heute, einige davon beherrschen sogar das Hochradfahren.

Von Christa Bachmaier

Waldkraiburg-Pürten– Ein Sportverein ist er nicht, der Radfahrerverein Pürten. Bei ihm wird eher die Geselligkeit groß geschrieben. Seinem Namen wird er aber allemal gerecht, denn bei vielen Veranstaltungen und Festen sind die Pürtner Radler mit ihren Hoch- und Zweirädern vertreten und werden immer „mit großem Hallo“ begrüßt.

Jungfernfahrt beim Gründungsfest

Peppi Manstetter denkt noch heute gerne zurück an seine „Jungfernfahrt“. 2001, als die Pürtner ihr hundertjähriges Gründungsfest feierten, durfte er beim Korso mitfahren. Mit einem Kinder-Hochrad, das sein Vater aus einigen Komponenten damals für ihn gebaut hat. „Das war ein besonderes Erlebnis“, erinnert sich Manstetter. Sein kleines Gefährt von damals ist längst an ein anderes Kind übergegangen. Die Räder, auf die der Peppi heute steigt, haben andere Dimensionen.

Tipps für Hochradfahrer

„Hochräder haben mich schon immer fasziniert. Von meinem Onkel habe ich dazu einiges gelernt.“ Mit dem linken Fuß aufs Pedal und das rechte Bein mit Schwung übers Hochrad – möglichst ohne Wackeln beim Aufsteigen – dann kann es losgehen. Es gibt wie bei anderen alten Rädern keinen Leerlauf und die Vorderachse ist mit den Pedalen verbunden. „Da ist es ratsam, dass man nicht mit der Vorderradbremse durchzieht, sonst überschlägt man sich.“

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Auch dem 32-Jährigen, der zu den erfahrenen Spezialisten im Verein gehört, ist das natürlich schon passiert. Bei einem Umzug in Niederleierndorf. „Als ich am Boden gelegen bin, habe ich erst geschaut, ob es das Hochrad gut überstanden hat. Den Zustand der Hose habe ich erst später inspiziert.“ Beim Absteigen ist es gut, wenn man einen Laternenmast zum Einhalten findet.

So schwer es ist, das Hochrad zu beherrschen, so wichtig ist den Pürtnern das historische Gefährt. Es macht halt was her und steht für die lange Geschichte des Vereins.

Um 1900 wurden die Fahrräder wegen der günstigen Importe aus Amerika innerhalb von wenigen Jahren auch für den kleinen Mann erschwinglich.

Wie die Pilze schossen die Radfahrervereine nun aus dem Boden. Radfahren und Radfahrervereine wurden zu einer regelrechten Volksbewegung. Schnell waren es über 20 im damaligen Landkreis. Pürten ist einer der wenigen, die bis heute ein rühriges Vereinsleben pflegen.

Mit 250 Mitgliedern zum Blumenkorso

Bei Volksfestauszügen sind sie ebenso vertreten wie bei den Radlerfesten befreundeter Verein. Höhepunkt ist bei den großen Jubiläumsfeiern stets ein großer Blumenkorso, ein Umzug, an dem schon mal 1000 Radlerinnen mitfahren. Beim Guttenburger Nachbarsverein waren die Pürtner mit rund 250 Teilnehmern vertreten. Vorher muss natürlich für einen einheitlichen Radschmuck gesorgt werden. Und auch die historische Kleidung, Frack und Zylinder, bringt Punkte im Wettbewerb mit den anderen Teilnehmern.

Ein tolles Bild geben die Korsowägen ab, bei denen zwei Räder zusammen gebaut und mit einem Motivaufsatz bestückt werden. Meist dürfen darauf kleine Kinder sitzen, die den Besuchern zuwinken.

Früher ging’s mit dem Radl zu den Gründungsfesten, heute fährt man mit dem Bus

Früher ging es tatsächlich mit dem Radl zu den Veranstaltungen. Das geht heute nicht mehr, schon wegen der Entfernung. Bis zu 150 Kilometer reisen die Pürtner mit voll beladenen Lastwägen und Omnibussen an.

Oder erwarten selbst Gäste aus dem weiten Umkreis. „Es ist ein Riesenaufwand, ein Radlerfest zu veranstalten“, weiß Albert Lehner, der schon beim „Hundertjährigen“ als amtierender Vorsitzender den Festausschuss leitete.

Für jeden Radfahrerverein, der mitmacht, braucht es ein passendes Anwesen, wo die Räder ausgeladen und für den Umzug vorbereitet werden können, und Übernachtungsunterkünfte.

Genehmigungen und Straßensperrungen sind einzuholen. 1000 Radler bilden einen langen Zug. Einige Jahre später folgten in der nächsten Umgebung, in Flossing, Guttenburg oder Taufkirchen, weitere runde Jubiläen. Mit diesen Brudervereinen zusammen – die einzigen dieser Art im Landkreis – trugen die Pürtner viele Jahre auch Geschicklichkeits- oder Orientierungsfahrten aus.

Es begann mit dem Laufrad

1817 – als Karl von Drais seine Laufmaschine baute – schlug die Geburtsstunde des Fahrrads. Die Draisine war ein Fahrzeug ohne Bremse, mit den Füßen geschoben. Erst 1851 erschien auf den Straßen vereinzelt das Hochrad, Veloziped genannt. Auch der Pürtner Verein besitzt noch eine solche Rarität, die der frühere Vorsitzende Sepp Mittermeier 1949 aus einem Dachboden heimholte. Das Fahrrad, wie wir es heute kennen, fand seine endgültige Form um 1900. Da wurden die Pürtener gleich aktiv und schlossen sich 1901 zu einem Radfahrer-Verein zusammen. Später wurde bei den Radlern auch Theater gespielt. Und die Schützengesellschaft ging aus dem Verein hervor.

Heute gehören dem RV Pürten nicht weniger als 275 Mitglieder an. Vorsitzender ist Albert Lehner. bac

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