Quarantäne in Mailand: Die Waldkraiburgerin Antje Moysich erlebt den Corona-Ausnahmezustand

Seit Anfang März ist aufgrund der Corona-Pandemie für Antje Moysich und ihre Familie ihr Lebensraum auf die Dreizimmerwohnung zusammengeschrumpft. privat
  • Raphaela Lohmann
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Italien gehört zu den Ländern, die weltweit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen sind. Ganz besonders die Lombardei mit Mailand und Bergamo. Den italienischen Ausnahmezustand erlebt die Waldkraiburgerin Antje Moysich seit Wochen hautnah. Sie lebt seit 16 Jahren in Mailand.

Waldkraiburg/Mailand – Seit Anfang März existiert für Antje Moysich und ihre Familie die Millionen-Metrople nur noch in den eigenen vier Wänden. Ihr Leben spielt sich seitdem nur noch in der Dreizimmerwohnung ab, Kontakt mit Freunden und der Familie gibt es nur übers Telefon. Der Coronavirus hat die Lombardei hat erwischt, die norditalienische Region befindet sich seit Wochen im Ausnahmezustand. Schulen, Kindergärten, viele Geschäfte, Bars und Parks sind wie in Deutschland geschlossen.

Wegen Corona: Nur mit Mundschutz vor die Haustür

„In der ersten Wochen haben es viele noch nicht so streng gesehen und auch nicht eingesehen. Wir haben uns aber von Anfang an strikt daran gehalten“, sagt Antje Moysich. Die sozialen Kontakte habe die Familie reduziert, anfangs machten sie etwas außerhalb noch kleinere Spaziergänge. „Aber dann waren dort so viele Menschen, dass ein Mindestabstand nicht mehr möglich war.“ Einen Blikcen nach draußen gibt es nun nur noch vom Balkon. Auch zum Einkaufen hat sie die Wohnung von Beginn an nur noch mit Mundschutz verlassen. „Anfangs bin ich mir damit lächerlich vorgekommen, aber es gut, dass wir so übervorsichtig waren.“ Denn die Situation in Norditalien hat sich ziemlich schnell verschärft.

In der Wohnung muss sich die Familie arrangieren. Seitdem die Schulen geschlossen sind, geht der Unterricht für ihre zwölfjährige Tochter per Videokonferenz zuhause weiter. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie arbeitet auch ihr Mann zuhause am Küchentisch, normalerweise ist er beruflich vier Tage in der Woche in Frankreich. Dazwischen Antje Moysich, die sich ihre Ecken in der Wohnung suchen muss. Eine neue Situation für sie, denn vor Corona konnte sie ihren Alltag so gestalten wie sie wollte. „Jetzt muss ich meinen Alltag so takten, ohne möglichst zu stören, wenn mein Mann und meine Tochter Videokonferenzen haben.“ Vor dem Ausbruch des Coronavirus hatte sie ein Angebot als Lehrerin, das aber erst einmal geplatzt ist.

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„Manchmal würde ich dann einfach gerne raus vor die Tür gehen, aber das geht ja nicht.“ Weshalb dann auch mal das Balkongeländer gereinigt werde.

Doch sie sieht an der aktuellen Situation auch die positiven Seiten für das Familienleben. Die Tochter genieße es, dass der Papa ständig da sei. Man rede wieder mehr miteinander, was im Alltag verloren ging, weil ihr Mann beruflich viel unterwegs ist. „Es ist ein Test für die Familie, aber wir machen das Beste daraus und wachsen zusammen. Die Familie gerät wieder mehr in den Vordergrund.“ Antje Moysich ist in dieser Zeit positiv von ihrer Tochter überrascht. „Sie wächst an der Situation, sucht aber auf der anderen Seite auch extremen Halt.“ Die Bilder aus Bergamo halten sie und ihr Mann aber von der Zwölfjährigen fern.

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In Bergamo und Umgebung sind bislang mehr als 2600 Menschen an Covid-19 gestorben – so viele wie sonst nirgends in Italien. Die Schwiegermutter von Antje Moysich lebt dort allein, sie ist 91 Jahre alt. „Sie ist gesund und hält sich auch strikt an die Vorgaben.“ Eigentlich könnten Antje Moysich und ihr Mann sie besuchen und ihr Lebensmittel vorbeibringen. Aber: „Wir wollen jedes Risiko vermeiden, deshalb bleiben uns aktuell nur noch die Telefonate. Aber ein Restrisiko bleibt immer.“

Die Schwiegermutter wohnt in Bergamo

Die Schwiegermutter hat bis zum Ausbruch des Coronavirus am sozialen Leben teilgenommen, ging zur Kirche. „Alte Leute sind hier in Italien nicht isoliert“, sagt Antje Moysich. Und Italienern falle es generell schwer, einen Mindestabstand einzuhalten. Eine Erklärung, wieso sich das Virus so schnell ausbreiten konnte.

Fehlende Schutzausrüstungen und Schutzvorschriften, die nicht eingehalten worden seien – ideale Bedingungen für die Ausbreitung des Virus. Man habe in Italien den Fehler gemacht, das Coronavirus anfangs zu unterschätzen. Anfangs seien die Zahl der Infizierten nicht dramatisch gewesen, dann aber sei die Zahl exponentiell angestiegen, immer mehr Menschen an den Folgen des Coronavirus verstorben. Es mache Angst, dass es zu wenig Beatmungsgeräte gebe. In Bergamo seien deshalb Menschen gestorben. „Man weiß auch nicht, wie viele nicht-erkrankte Covid-Fälle es unter den Menschen gibt.“

Auch um ihre eigenen Eltern hat Antje Moysich Angst. Die beiden leben in Waldkraiburg, ihr Vater war bereits ein Corona-Verdachtsfall. „Sie sind aber relativ gut isoliert“, sagt sie. Eigentlich war wie jedes Jahr für Ostern ein Urlaub bei ihnen geplant. Dieses Jahr musste die Reise ausfallen. Erst kürzlich hat Italien die Ausgangssperre bis 3. Mai verlängert. Eine Entscheidung, mit der sie schon länger gerechnet hat. Sie geht auch davon aus, dass die Schulen erst wieder im September öffnen werden. „Wir wollen alle wieder zurück zur Normalität. Nachher werden wir uns um so mehr freuen, wenn wir alles gut überstanden haben.“

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