Hund vernachlässigt: 27-jähriger Waldkraiburger zu Geldstrafe verurteilt

An einem starken Milbenbefall litt ein junger Dobermann. Trotz vieler Besuche beim Tierarzt konnte ihm nicht geholfen werden und musste eingeschläfert werden. Der Besitzer muss eine Geldstrafe bezahlen.
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An einem starken Milbenbefall litt ein junger Dobermann. Trotz vieler Besuche beim Tierarzt konnte ihm nicht geholfen werden und musste eingeschläfert werden. Der Besitzer muss eine Geldstrafe bezahlen.
  • Hans Rath
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Von seinen Schmerzen erlöst werden musste ein junger Dobermann. Für den 27-jährigen Halter aus Waldkraiburg hat das allerdings Konsequenzen: Er musste sich am Amtsgericht vor Richter Christoph Warga wegen Tierquälerei verantworten.

Mühldorf – Ein Nachbar hatte die Polizei benachrichtigt, diese wiederum das zuständige Veterinäramt. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass einer der drei Hunde sich laut Anklageschrift in einem erbärmlichen Zustand befand. Die zuständige Amtstierärztin, die in der Verhandlung auch als Zeugin aussagte, beschrieb den Dobermann wie folgt: „Der Hund war total abgemagert, sein Fell hatte schuppige, krustige Stellen, er hatte Augenausfluss, er bewegte sich wie ein altes Tier, obwohl er mit 22 Monaten jung und kraftstrotzend hätte dastehen müssen.“Tierquälerei warf Staatsanwalt Daniel Musin dem jungen Mann vor, der wegen eines Bandscheibenvorfalls eine Umschulung zum Fachinformatiker absolviert. Vertreten wurde dieser von Rechtsanwalt Oliver Schmidl. Gegen den ergangenen Strafbefehl hatte er Einspruch eingelegt.

Mehr als 20-mal beim Tierarzt

In einer ersten Einlassung erklärte der Anwalt, dass der Dobermann seines Mandanten im September 2018 erkrankt sei. Dieser sei mit dem Tier mehr als 20-mal bei verschiedenen Tierärzten und Tierkliniken gewesen. Zunächst sei eine Behandlung in schulmedizinischer Manier durchgeführt worden. Als diese nach kurzer Besserung auch nicht geholfen habe, sei er zu einer alternativen Tiermedizinerin gegangen. Dort sei die Nahrung von Trockenfutter auf rohes Fleisch und Gemüse umgestellt worden.

All dies habe aber letzten Endes nichts geholfen, der Zustand des Tieres besserte sich nicht, zum Schluss empfahl die alternative Tierärztin die Rückkehr zur Behandlung nach schulmedizinischer Art und Weise.

Der Hund war an „canine Demodikose“ erkrankt, ein Milbenbefall bei Hunden, der zu extrem starken Juckreiz und Hautausfall führt. Das Tier weiß sich nicht anders zu helfen, als die juckenden Stellen abzuschlecken – daher der Hautausfall. Die zahlreichen Tierarztbesuche und die Antibiotikabehandlungen seien nicht billig gewesen. Hinzukomme, dass sein Mandant im Mai 2019 einen Bandscheibenvorfall erlitten habe, sagte Rechtsanwalt Schmidl.

Zwei Monate Leid

Im Zeugenstand berichtete die Amtstierärztin, dass sie schon im Vorfeld mit dem Beschuldigten zu tun gehabt hätte. Einmal war es um das Kupieren gegangen, das operative Verkürzen der Rute und die Verkleinerung von Ohren. Hier zeigte sich der Angeklagte kooperativ. Das andere Mal ging es um eine artgerechte Tierhaltung: Weil ein Dobermann kein dichtes Fell wie zum Beispiel ein Schäferhund hat, friert er im Winter im Freien. Der 27-jährige stellte daraufhin eine Wärmelampe in den Zwinger.

Im Juli 2019 wurde der Angeklagte erneut angezeigt – der Fall, der jetzt in der Hauptverhandlung zur Debatte stand. Der Dobermann sei in einem erbärmlichen Zustand gewesen, so die Amtstierärztin. „Kurz vor dem Exitus, er hätte euthanisiert werden müssen.“ Der Dobermann wurde am Tag danach von seinem Leiden erlöst und eingeschläfert.

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Staatsanwalt Musin plädierte dennoch auf Unterlassung, denn der Angeklagte hätte seinen Hund zwei Monate leiden lassen. Dem hielt der Verteidiger entgegen, dass sich sein Mandant sehr wohl um den Hund gekümmert habe und alles in seiner Macht Stehende zu dessen Heilung getan, wedder Kosten noch Mühen gescheut habe. Der diagnostizierte Bandscheibenvorfall habe ihm dies allerdings erschwert. Dass er Tiere artgerecht halten könne, würden die zwei anderen Hunde des jungen Mannes belegen.

Richter Dr. Warga verhängte schließlich eine Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen á 40 Euro.

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