Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Protest gegen das «Verramschen»

Waldkraiburg - Mit Trillerpfeifen und Traktoren demonstrierte der Bayerische Bauernverband vor dem Schlachthof-Gelände gegen den Preisverfall ihrer Erzeugnisse.

Rund 100 Landwirte aus Ober- und Niederbayern wollten auf ihre Situation, nicht mehr kostendeckend arbeiten zu können, aufmerksam machen.

«Auf den Höfen brennt's lichterloh», sagte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBC), Max Weichenrieder bei der Protestveranstaltung vor dem Schlachthof-Gelände. Dabei betonte er, dass die Demonstration nicht gegen den Schlachthof gerichtet sei, sondern man habe diesen Treffpunkt ausgewählt, weil ihn jeder kenne. «Wir wollen Südfleisch nicht schaden, denn das ist unser Marktpartner», so Weichenrieder.

Vielmehr gehe es darum, um gegen die Preisschlacht von Aldi, Lidl, Edeka und Co. vorzugehen. Es sei keine kostendeckende Erzeugung mehr möglich, und zwar in allen Bereichen der Landwirtschaft: Ackerbau und Viehhaltung. Die Wirtschaftskrise schlage auch bei den Bauern voll durch. Kreisbäuerin im Landkreis Mühldorf, Anni Senftl, ist aus Eggelkofen hergekommen. Es gebe Probleme auf jeder Schiene. Sie machte darauf aufmerksam, dass es keine wirksamen Entlastungsmaßnahmen gebe.

Auch das betont der BBV-Präsident und weist auf die Dieselbesteuerung hin. Es könne doch nicht sein, dass in Frankreich der Steuersatz für Diesel bei 0,7 Cent pro Liter liege und deutsche Bauern durchschnittlich 40 Cent Steuern zahlen müssen. Das sei ungerecht, denn für Flugzeuge, Schiffe und Fahrzeuge in den Häfen sei Diesel steuerfrei. Eine Absenkung der Besteuerung auf europäischen Niveau sei nötig.

«Wir erzeugen in Bayern sehr hohe Qualität - mitunter halten wir weltweit die höchsten Standards, und das ist überall gefragt», so Weichenrieder. Die Anforderungen an die Bauern seien sehr hoch, da dürfe nicht unter Wert verkauft werden. «Es ist eine Schande, wenn unsere hochwertigen Lebensmittel verramscht werden», so der BBV-Präsident, dem die vielen Trillerpfeifen und Kuhglocken seiner Leidensgenossen Recht geben.

Der Lebensmitteleinzelhandel trage die Preisschlacht gnadenlos auf dem Rücken der Bauern aus und missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, wie Weichenrieder betont. «Es stinkt zum Himmel, wenn die Aldi-Brüder sich an uns Bauern bereichern und zu den reichsten Menschen in Deutschland gehören.»

Symbolisch brachten die Demonstranten ihre letzten Kühe zum Schlachten zu Südfleisch. Denn die Nutztiere zu halten sei nicht mehr wirtschaftlich. Und man könne sie ja nicht wie Großkonzerne in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Durch die ruinöse Preissituation für die Landwirtschaft sei jeder siebte Arbeitsplatz massiv bedroht, heißt es Seitens des BBV. «Die bayerischen Bauernfamilien sichern gemeinsam mit dem vor- und nachgelagerten Bereich über 600000 Arbeitsplätze in Bayern. Das sind rund doppelt so viel wie in der Automobilzulieferindustrie», sagte Weichenrieder ins Mikrophon.

Im Anschluss stärkten sich die Bauern mit einer Brotzeit, bevor sie mit rund 40 Traktoren eine Schlepperdemo in Richtung Innenstadt - unter Polizeigeleit - fuhren.

Kreisbäuerin Anni Senftl war auch mit ihrem Schlepper dabei. Zuhause hat sie 50 Milchkühe und deren Nachzucht im Stall stehen. Die finanziellen Probleme würden durch die Ausgleichszulage, die es von der EU gibt, nicht aufgefangen. Die wurde vor einigen Jahren für runtergedrückte Preise eingeführt, wie Senftl erklärt. «Aber ohne die Zulage hätten wir ja gar keine positiven Betriebsergebnisse mehr», echauffiert sich Helmut Bruckner, Kreisobmann von Altötting.

Die Preisentwicklung in den vergangenen 25 Jahren sei dramatisch. Damals habe ein Kilo Rindfleisch rund 8,20 Mark gekostet, heute seien es 2,95 Euro, obwohl die Erzeugerkosten gestiegen seien, so Senftl. Sie und Bruckner sind überzeugt, dass bei den Bauern mehr im Spiel sei, als nur der Preis: die Kultur am Dorf, die Umwelt, die Lebensbedingungen, das Brauchtum. «Das zum Nulltarif erhalten - das geht nicht.» kla

Kommentare