Film-Preview auf Klappstühlen: Sebastian Schindler stellt in Waldkraiburg seinen Neuling vor

  • Nicole Petzi
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Premiere und Preview: Jung-Regisseur Sebastian Schindler hat seinen neuesten Film im Cinewood Waldkraiburg vorgestellt. Bei schönstem Open-Air-Wetter kamen die Besucher mit ihren eigenen Garten- und Campingstühlen zum ersten Klappstuhl-Kino.

Waldkraiburg – Nach dem in Edling ins Wasser gefallenen Start von Sebastian Schindlers neustem Streifen ‚Mit dem Rückwärtsgang nach vorne‘ gab es beim Preview-Kino-Abend im Cinewood Waldkraiburg bestes Open-Air-Wetter. Das nutzten zahlreiche Kinofans: Bei 125 Besuchern, die mit ihren eigenen Garten- und Campingstühlen auf dem Parkplatz vor dem Kino Einzug hielten, machte Kino-Betreiber Thomas Rahnert dieses Mal Schluss. Damit der 1,5 Meter Abstand zwischen den Sitzgruppen gewährleistet blieb. Nach den eher spärlichen Besuchen im Autokino – ein voller Erfolg für die Premiere des ‚Klappstuhl-Kinos‘!

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Leise Kritik an aktuellen Zuständen

Der ist Thomas Rahnert, der seit Wochen trotz „unterirdischem Corona-Minus-Geschäft“ den Kinofans die Stange hält, auch zu gönnen. Gerade weil sich die Menschen noch nicht wirklich in die Kino-Säle trauen, zum Unverständnis des Cinewood-Chefs: „Die Aerosol-Belastung ist in den Sälen dank Lüftungssystem viel geringer als in Büroräumen!“ Dennoch: Man müsse sich an den Gästen orientieren. Also ab in die frische Luft!

Das Open-Air Kino in Gallenbach mit 600 Gästen gibt es heuer nicht, dafür die Klappstuhl-Variante in kleinerem Maßstab. Welcher Film würde sich da besser eignen als die neuste Komödie des jungen Regisseurs Sebastian Schindler, nach ‚Ein Dorf steht Kopf‘ der zweite Kinofilm des 23-jährigen Youngsters aus Soyen.

Humor mit leiser Kritik

Der fühlt sich wohl bei seinen bayerischen Komödien, die das Leben ‚auf’m Dorf‘ liebevoll durch den Kakao ziehen und für Lacher bei den Zuschauern sorgen. „Der Film soll nicht nur den Spirit von früher zurückholen. Es geht auch um eine leise Kritik an aktuellen Zuständen wie einer drohenden Bargeldabschaffung oder der allgegenwärtigen Überwachung – zwischen den Zeilen“, erzählt das Nachwuchstalent, der selbst Gefallen an der Musik der 80-Jahre gefunden hat. 

Die würde bei den jungen Leuten wieder rauf und runter laufen. Auch die Klamotten dieser ‚wilden Ära‘ seien wieder am Kommen. Alles in allem ein Konzept, das namhafte Schauspieler und Comedians wie das Duo ‚Steckerlfisch und Schlagsahne‘, alias Angelika Aschbacher und Christian Haller, überzeugt hat. Gagen haben sie nicht verlangt. An deren Rollen der tapsigen Dorfpolizisten habe der -Regisseur besonders gern gearbeitet.

Kino im eigenen Klappstuhl: Lisa (links) und Ingrid Neubauer.

Einfach mal eintauchen – und den Alltag vergessen. Darum sei es Sebastian Schindler bei dem Film aber in erster Linie gegangen. Und das hat er an dem Abend bei den Cinewood-Gästen, unter die er sich mit der 16-jährigen Hauptdarstellerin Hannah Bauer – der Tochter von Uli Bauer, dessen aufmüpfiger Sprössling sie im Film spielt – und einem Teil seines Filmteams gemischt hat, geschafft.

Zwei unfreiwillige Pausen

Bereits zwei Stunden vor Beginn haben es sich die Besucher auf dem Parkplatz gemütlich gemacht und sich mit Snacks eingedeckt. Camping-Feeling und Vorfreude. Auch bei der Waldkraiburgerin Lisa Neubauer und ihrer Mutter Ingrid, die bereits die Auto-Kino-Premiere am Cinewood miterlebt haben. 

„Es ist wirklich schade, dass die Besucherresonanz generell eher so gering ausfällt“, so Ingrid. Aber das Klappstuhlkino ist wirklich eine Idee, der man nicht widerstehen könne. Worauf sich Ingrid besonders freut? „In Erinnerungen der Jugend schwelgen natürlich! Die 1980er Jahre waren schon eine geile Zeit!“In Erinnerungen schwelgen, dabei herzlich lachen, das konnten die Kino-Besucher, die trotz zweier unfreiwilliger Pausen – in der Technik hatte sich der Wurm eingeschlichen – voll auf ihre Kosten kamen. Manche nahmen für diesen Kino-Abend sogar eine weitere Anreise auf sich, wie das Ehepaar Alexandra und Paul Herdegen aus Schnaitsee, die für die Premiere in Edling keine Karten mehr ergattern konnten.

Kurz vor Filmstart: Schauspielerin Hannah Bauer und Jung-Regisseur Sebastian Schindler freuen sich auf die Preview im Cinewood.

Ein kurzweiliger Abend, dem Paul zumindest auch etwas ‚Hintergründiges‘ abgewinnen konnte: „Damals war manches schon einfacher und schöner. Mit den heutigen Vorschriften übertreiben wir Vieles!“ Zu den Ansässigen und ‚Zuagroasten‘ kam noch ein ‚Schwung‘ aus Soyen, die sich wie Michael Baumgartner darüber gefreut haben, den ein oder anderen aus der Heimatgemeinde, die als Statisten im Film mitgewirkt haben, auf der Leinwand zu sehen. Abgesehen davon: „Mir hat’s super gefallen. So ein Filmabend ist perfekt für die Sommerlücke!“

Zurück in die 1980er Jahre

Worum es im neuen Film von Sebastian Schindler geht? Bürgermeister Moosbauer von Oberstraßkirchen, alias Uli Bauer, hat die Nase voll von den Umtrieben der modernen Zeit und führt in seinem Dorf kurzerhand die Zustände der 80er Jahre ein. Samt Röhrenfernseher, Walkman, Dauerwelle oder der 1,1 Promille-Grenze hinterm Steuer. Auf diesen Gedanken gekommen sei er, als er den ‚älteren Leuten‘ im Dorf, die sich die ‚unkompliziertere Zeit von früher‘ herbeigewünscht haben, zugehört hat

Sepp Schauer und Corinna Binzer: Quarantäne für eine Kussszene

Einziger Wermutstropfen an diesem Open-Air-Kinoabend: Der angekündigte Besuch des Schauspielerehepaars Sepp Schauer und Corinna Binzerfiel aus; die beiden bekannten Stars wurden aufgrund einer anstehenden Kuss-Szene in Quarantäne geschickt und übermittelten zumindest eine lustige Video-Botschaft. Kein Scherz!

Den „umso hübscher anzusehenden Ersatz“ mit Hannah Bauer hat Thomas Rahnert den nicht allzu enttäuschten Kino-Fans präsentiert. Nette Anekdote nebenbei: Während ältere Semester im Film in ihre Jugend zurücktauchen konnten, lernte Hannah erst einmal, was ein ‚Walkman‘ ist oder dass eine ‚Zündapp‘ keine App zum Zünden, sondern ein Mofa ist. Ausgelacht wurde das schauspielerische Nachwuchstalent an diesem Abend aber nicht – bot sie doch, angeleitet durch den „zugegeben manchmal etwas nervigen Vater“ eine tolle erste Darbietung, für die sie ihre Schulferien geopfert hat. Und vielleicht gibt’s im nächsten Film von Sebastian Schindler ein Wiedersehen

Rubriklistenbild: © Petzi

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