Pläne für Acht-Familien-Wohnhaus in Waldkraiburg treiben Nachbarn auf die Barrikaden

Ein Blick auf das Grundstück in der Breslauer Straße, dessen zukünftige Bebauung so strittig ist. Anfang des Jahres stand die Linde noch, im Frühjahr wurde sie wegen der geplanten Tiefgarage gefällt.
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Ein Blick auf das Grundstück in der Breslauer Straße, dessen zukünftige Bebauung so strittig ist. Anfang des Jahres stand die Linde noch, im Frühjahr wurde sie wegen der geplanten Tiefgarage gefällt.

Weil ihnen der Bau zu massiv ist und sie fürchten, dass die Straße zugeparkt wird, gingen Nachbarn gegen die Pläne auf die Barrikaden, ein Acht-Familien-Haus in der Breslauer Straße zu errichten. Die Proteste zeigen Wirkung.

Waldkraiburg– Schon die Bauvoranfrage sorgte für kontroverse Debatten, fand im Stadtentwicklungsausschuss Anfang des Jahres aber die notwendige Mehrheit. Dem Bauantrag, auf einem gut 900 Quadratmeter großen Grundstück in der Breslauer Straße ein Acht-Familien-Wohnhaus mit Tiefgarage zu errichten, hat das Gremium jetzt aber die Zustimmung versagt. Ziemlich klar mit elf gegen drei Stimmen lehnte der Ausschuss das Vorhaben ab und schloss sich damit den Einwänden von Nachbarn an, die gegen die Planung auf die Barrikaden gegangen waren.

60 Unterschriften gesammelt

60 Unterschriften hatte Annemarie Deschler eigenen Angaben zufolge gegen das Projekt gesammelt und vor der Sitzung Bürgermeister Robert Pötzsch übergeben. Deschler, die bis vor Kurzem noch selbst als Stadträtin über derlei Anträge entschied, hatte jetzt als betroffene Bürgerin den Widerstand mobilisiert. „Die Bebauung ist zu massiv, die Straße wird zugeparkt, die Tiefgarage ist eine Farce, zu eng und zu klein.“ Auf diesen Nenner bringt Deschler, die das neue Votum des Ausschusses ausdrücklich begrüßte, die Position der Anlieger.

Verwaltung: Projekt fügt sich ein

Die Bauverwaltung im Rathaus hatte den Stadträten dagegen empfohlen, das Vorhaben erneut zu befürworten. Es füge sich nach dem Maß der baulichen Nutzung in die umliegende Bebauung ein. Die Siedlungsfläche, für die es keinen Bebauungsplan gibt, ist von Einfamilien- und Doppelhäusern geprägt. Die Zahl der Wohneinheiten ist für die Beurteilung aber kein Kriterium. Dafür sind Geschossflächenzahl und Grundflächenzahl sowie die Höhenverhältnisse maßgeblich. Und diese Werte passen aus Sicht der Bauabteilung. Der dreigeschossige Hauptbaukörper hat eine Traufwandhöhe von sechs Metern, der Quergiebel eine Traufwandhöhe von 7,58 Meter. Díe Gebäude in der näheren Umgebung weisen Traufwandhöhen von bis zu 6,87 Meter auf. Und: Laut städtischer Stellplatzsatzung sind zehn Stellplätze gefordert, elf sind geplant.

Regierung sieht Vorhaben kritisch

Die Regierung von Oberbayern, von der die Stadt eine Rechtsauskunft eingeholt hatte, sieht allerdings in der umliegenden Bebauung kein vergleichbares Referenzobjekt, das als Kriterium herhalten könnte, dass sich das Gebäude in die Umgebungsbebauung einfügt. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass das Bauvorhaben mit seiner großen Kubatur die Veränderung der bislang lockeren Bebauungsstruktur in der Breslauer Straße und anschließenden Bereichen einleiten würde. Die Regierung lässt aber ein Schlupfloch: Sie werde eine von der Stadt erteilte Baugenehmigung nicht beanstanden, kündigt sie an, weil fraglich sei, ob die kritische Einschätzung des Vorhabens auch die Gerichte teilen.

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Während Carsten Schwunck, der Leiter des Bauamtes, dafür warb, an der ersten Entscheidung festzuhalten, sprach sich CSU-Fraktionschef Anton Sterr klar gegen den Bauantrag aus. Er fürchtet, dass damit eine Entwicklung ins Rolen kommt, die das ganze Wohngebiet verändert. „Ich will eine Nachverdichtung, aber im angemessenen Maß. Was nützt eine Tiefgarage, wenn die Fahrzeuge dann auf der Straße stehen“, weil die Garage schwierig anzufahren sei.

Ulli Maier (UWG) stört sich nicht an der Massivität und Größe des Baukörpers. „Waldkraiburg muss dichter werden.“ Er knüpft seine Zustimmung aber an den Bau einer Tiefgarage. Ähnlich argumentierte Fraktionskollege Christoph Vetter. UWG-Sprecher Dr. Frieder Vielsack hat ein Problem mit der Massivität, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Reihenhäuser fände er besser. Für diese Variante ist auch Martina Arnusch-Haselwarter (SPD) und SPD-Fraktionssprecher Richard Fischer: „Verdichten auf Teufel komm raus, bringt die Stadt nicht weiter.“

Bebauungsplan oder abgespeckter Antrag?

Gegen drei Stimmen aus der UWG-Fraktion hat der Ausschuss beschlossen, die Nachverdichtung durch einen Bebauungsplan zu regeln. Annemarie Deschler ist auch davon nicht begeistert. Sie hofft, dass der Investor einlenkt und sich auf drei Reihenhäuser beschränkt. Das steht laut Carsten Schwunck noch nicht fest. Der Bauwerber prüft nach seinen Worten derzeit zwei Optionen: den Weg über die Bauleitplanung oder einen neuen Bauantrag mit einer abgespeckten Bebauung, die im Stadtentwicklungsausschuss eine Mehrheit findet.

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