Pionierarbeit geleistet: Konrad Kern hat vor 30 Jahren das Stadtarchiv aufgebaut

In einem Keller findet Konrad Kern auch schon mal Orginalbaupläne historischer Gebäude. Huckemeyer

Eintauchen in die Vergangenheit und trotzdem den Blick in die Zukunft richten – diese Kombination beherrscht Konrad Kern perfekt. Der 53-Jährige arbeitet jetzt seit 30 Jahren als Stadtarchivar. Es ist für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.

Waldkraiburg – „In der Schule war Geschichte schon mein absolutes Lieblingsfach“, erzählt Kern, der damals befürchtete, keinen Beruf zu finden, der zu seinen Interessen passt. So absolvierte der Ampfinger erst mal eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Durch Zufall hörte Kern von der Existenz der Bayerischen Archivschule in München. Nun sollte Bewegung in sein Berufsleben kommen. Er bewarb sich sofort an der Schule und bestand das Ausleseverfahren.

Eingetaucht in die Geschichte

An diese aufregende und zukunftsweisende Phase seines Lebens erinnert sich der heutige Archivar noch haargenau. „Es dauerte Monate, bis ich endlich die erlösende Information erhielt, dass für mich ein Platz an der Schule reserviert ist.“ Die Ausbildung begann am 1. Oktober 1987 und endete zwei Jahre später. Kern bezeichnet die Archivschule als „seine Welt“, in die er vor 30 Jahren mit Begeisterung eingestiegen ist. Der erfolgreiche Abschluss an dieser Lehranstalt befähigt den Absolventen, anschließend gleich in den Staatsdienst einzutreten.

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Und hier kam ein Quäntchen Glück ins Spiel, denn die seinerzeit erst 40 Jahre junge Stadt Waldkraiburg suchte einen hauptberuflichen Stadtarchivar. Nach Ansicht Konrad Kerns bewies der damalige Bürgermeister Jochen Fischer mit der Anstellung eines Archivars Mut und Weitblick. Am 2. Januar 1990 trat der heute 53-Jährige seinen Dienst im Rathaus an.

Kern erinnert sich: „Mir wurde rasch klar, hier ist Pionierarbeit zu leisten“. Zunächst besaß der junge Archivar keinerlei historische Ortskenntnisse und hatte ebenso wenig Erfahrung mit dem Aufbau eines Kommunalarchivs. Da hieß es, sich akribisch hineinknien in eine Tätigkeit, die vor ihm in dieser Form in Waldkraiburg noch keiner geleistet hatte.

Neben der Sichtung der städtischen Registraturen, dem Aufbau des Bildarchivs, einer Sammlung von Zeitungsausschnitten und anderem sah der Archivar die Notwendigkeit, sich mit Zeitzeugen zur Kriegs- und Nachkriegszeit zu beschäftigen. Sein ganz eigenes Eldorado tat sich für Kern mit der reichhaltigen Geschichte der eingemeindeten Ortsteile von Waldkaiburg auf; über Ebing verfasste er später sogar ein Buch.

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Mit großer Sorgfalt kümmerte sich Kern um die wertvollen sudetendeutschen Spezialarchive. Er nannte in diesem Zusammenhang Erika Rahnsch, die ihm für weitere Recherchen viele Türen öffnete. Wahre Schätze entdeckte der Archivar einst im Keller des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Stadt. Dort, wo heute die Polizei untergebracht ist, beförderte Kern Originalpläne des Kraiburger Pulverwerks ans Tageslicht. Er widmete sich der Mammutaufgabe, die Baupläne zu durchforsten. Die Liste der allgemeinen Nachforschungen im Bezug auf Schriftgut, Bilder und Verzeichnisse in den unterschiedlichsten Bereichen ließe sich beliebig fortsetzen.

„Für einen Archivar und ein Stadtarchiv ist es wichtig, an die Öffentlichkeit zu treten, denn uns strahlt niemand mit einer Leuchtreklame an“, stellt der Ampfinger klar, der aus diesem Grund regelmäßig Vorträge, Führungen und Ausstellungen anbietet. Kern ist zudem bereits vor vielen Jahren unter die Autoren gegangen. Zum 50-jährigen Bestehen von Waldkraiburg brachte er im Jahr 2000 ein Buch über die Stadtgeschichte heraus. Eine zweite überarbeitete und erweiterte Auflage konnte der Bevölkerung 2009 präsentiert werden. Neben anderen Publikationen kümmert sich Kern als Redakteur um die heimatgeschichtliche Schriftenreihe „Unser Waldkraiburg“.

Zukunftsvisionen eines Archivars

Weil es im Kopf des Stadtarchivars, im Hinblick Neuland zu betreten, immer wieder mal „rattert“, erzählt er von Zukunftsvisionen, die ihm am Herzen liegen. Zum einen möchte er die Biographie von Ferdinand Steger aufarbeiten und dann wäre da noch das kostbare Mirakelbuch in Pürten. „Vielleicht findet sich ein Historiker, der das Buch von vorne bis hinten genauestens durchliest“, hofft Kern. Er selbst hat dafür keine Zeit. Der Archivar könnte sich vorstellen, später eine Abhandlung über Pürtens Wallfahrtsgeschichte zu verfassen.

Konrad Kern ist im Rathaus der richtige Mann am richtigen Fleck. Doch auch in seiner Freizeit lässt sich der Ampfinger gerne von geschichtlichen Zusammenhängen verführen. So bereiste er zwölf Mal die Ewige Stadt. „Rom ist mein bevorzugtes Reiseziel“, gesteht Kern und gibt noch mehr Privates preis: „Ich sammle Kirchenführer. An die 1000 Stück sind in meinem Haus untergebracht“. Und ein Ende dürfte da noch nicht in Sicht sein.

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