MARIA SCHUTZ

Die Pionier-Sprach-Kita

Die Mäusegruppe der Kita Maria Schutz mitten in der Bücher- und Buchstabenwelt. Sie haben einen Riesenspaß (von links): Nele, Xaver, Elona, Johanna, Jacqueline. kla
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Die Mäusegruppe der Kita Maria Schutz mitten in der Bücher- und Buchstabenwelt. Sie haben einen Riesenspaß (von links): Nele, Xaver, Elona, Johanna, Jacqueline. kla

Der Kindergarten Maria Schutz ist offiziell „Sprach-Kita“ und nimmt am entsprechenden Bundesprogramm teil. Die Einrichtung von Maria Schutz gehört hier zu den Pionieren und war schon beim Vorreiter-Programm „Frühe Chancen“ mit von der Partie. Heute kommen oft Erzieher aus anderen Kindergärten hierher, um zu hospitieren, wie die Leiterin Charlotte Konrad nicht ohne Stolz berichtet.

Waldkraiburg – Die Kindertagesstätte Maria Schutz hat sich für das Bundesprogramm beworben und ist jetzt „Sprach-Kita“. „Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ heißt das Programm im Untertitel und damit ist auch schon erklärt, worum es dabei in den nächsten vier Jahren geht: den Kleinsten den Start ins Leben zu erleichtern, in dem alle sprachlich die gleichen Chancen bekommen, und alle entsprechend gebildet werden. Die Kita hat eine eigene Sprach-Fachkraft eingestellt. Der Bund hat für das Projekt, das bis 2019 läuft, 400 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Heute ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Kindern daheim vorgelesen wird, dass die Eltern mit ihnen ausführlich sprechen und so die Sprachentwicklung ihres Nachwuchses fördern.

„Nicht nur die Migrantenkinder haben hier Förderbedarf. Die soziale Schicht spielt oft eine Rolle – aber nicht immer“, weiß die Kindergartenleiterin Charlotte Konrad.

Maria Schutz hat sich mit anderen Einrichtungen aus den Landkreisen Mühldorf, Altötting und Traunstein zu einem Verbund zusammengeschlossen und gilt im Bereich Sprachförderung der Kleinsten als Pionier. Der Verbund hat auch eine zusätzliche Fachberatung, die hat die Waldkraiburgerin Frauke Knall inne.

Die Vernetzung der Kindergärten untereinander sorge für frischen Wind und einen guten Austausch. Und wer neu dabei ist und Startschwierigkeiten hat, kann an den Erfahrungen der „Altgedienten“ teilhaben. So schicken andere Kitas immer wieder Mitarbeiter zum Hospitieren nach Maria Schutz.

Allerdings haben alle das gleiche Problem: aufgrund des Personalmangels in der Branche geeignete Fachkräfte zu finden. „Das ist die Herausforderung; der Markt ist leer“, so Konrad.

Sie konnte Dagmar Helf rich gewinnen. Sie ist seit 1996 Erzieherin und leitete auch schon einen Kindergarten in Oberneukirchen. Helf rich hat entsprechende Fortbildungen gemacht und ist nun beratend tätig: gleichzeitig für die Kinder, deren Eltern und das Personal, das selbst auch die entsprechenden Fortbildungen bekommt, Ansprechpartnerin.

Helfrich ermutigt die Kinder, alles, was sie im Alltag tun, verbal zu kommentieren: die einzelnen Schritte des Tischdeckens, beim Spielen, Basteln oder gar beim Schuhezubinden. Jeder Gesprächsanlass wird genutzt. Übrigens auch eine gute Übung für daheim, wenn Eltern ihre Kinder fördern wollen.

Mit geschultem Auge erkennt sie, wenn ein Kind Probleme bei der Satzbildung oder etwa Aussprache hat und spricht die Eltern an, empfiehlt ihnen, sich logopädische Hilfe zu suchen. „Wir schauen doppelt hin“, so Konrad weiter, „bei uns werden wichtige Grundsteine gelegt“.

Für sie gehört es auch dazu, den Migranten die Schwellenangst vor der Bücherei zu nehmen. In ihrer Kita gibt es daher eine kleine Ausleihbücherei, um schon bei den Kleinsten das Interesse für Bücher zu wecken. Die Kinder der Flüchtlinge seien keine Herausforderung für sie als Waldkraiburgerin. „Wir haben hier so viele Sprachen, das ist nichts Neues für uns.“ kla

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