Pferde im Auwald als Landschaftspfleger

Die drei Stuten Pocahontas, Tenda und Malva im Auwald bei Wörth. Ihre Aufgabe ist es, durch Tritt und Fraß das Indische Springkraut zurückzudrängen und für viele typische Arten der Auenvegetation wieder Platz zu schaffen. Bund Naturschutz

Waldkraiburg – „Das ist für uns ein Experiment“ stellt Johanna Ostermeyer vom Sachgebiet Wasserbau und Gewässerentwicklung am Wasserwirtschaftsamt Rosenheim fest.

„Wir hoffen, dass sich die derzeitige Springkrautwüste in eine naturnähere Auenvegeta tion umwandelt.“

Aus diesem Grund grasen nun drei Pferde im Auwald bei Wörth auf der Fläche eines ehemaligen Dammwildgatters. Auf Anregung des Bund Naturschutz hat das Wasserwirtschaftsamt dort eine Weide eingerichtet. Die Tiere sollen durch Tritt und Fraß die dichte Hochstaudenflur auflockern, sodass Auenpflanzen wieder besser keimen können, wie der Bund Naturschutz mitteilt. „Das bei uns ursprünglich als Gartenpflanze eingeführte Indische Springkraut hat die Fläche erobert und unterdrückt viele typische Arten der Auenvegetation“ erklärt Andreas Zahn, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Durch die Beweidung dürfte es beim Aufwachsen gestört werden, sodass andere Pflanzen eine Chance bekommen. Beweidung hat aus Sicht der Naturschützer noch viele weitere Vorteile. Durch den Pferdemist werden viele Insekten angelockt, die wiederum als Nahrung für Vögel wichtig seien. Und der Strukturreichtum der Fläche werde erhöht, sodass unterschiedlichen Arten ein Lebensraum geboten wird.

„Meine Pferde finden es hier toll“ erklärt ihre Besitzerin Bettina Rolle, die vom Bund Naturschutz zur Beteiligung an dem Projekt gewonnen werden konnte. Sie übernahm die Arbeitskosten für die Aufstellung des Zaunes, unterstützt von ehrenamtlichen Helfern und von Otto Danner, der als „Bufdi“ bei den Naturschützern tätig ist. Die drei Stuten Pocahontas, Tenda und Malva verrichten ab jetzt tageweise in der Aue ihre Arbeit als Landschaftspfleger. „Wenn zu viele Stechinsekten auftreten, haben sie Pause und wenn es gilt, Vogelbruten zu schützen“, betont Bettina Rolle.

Große Weidetiere spielten in den Auen früher eine wichtige Rolle. Hirsch, Auerochse und Wisent fanden im Winter in den Flusstälern mehr Futter als auf den Höhen. Später trieben die Hirten ihre Herden in die nahrungsreichen Auen und schufen dort eine artenreiche Kulturlandschaft. Viele Tier- und Pflanzenarten der Auen sind daher an Beweidung angepasst. So gehören die Save-Auen in Kroatien, in denen noch immer Schweine, Pferde und Rinder weiden, zu den naturschutzfachlichen Höhepunkten Europas. Weidetiere zurück in die Auen zu bringen, trägt dazu bei, eine alte Kulturlandschaft wieder aufleben zu lassen. Johanna Ostermeyer will das Experiment aufmerksam beobachten. Wasserwirtschaftsamt und Naturschutz hoffen, wichtige Erkenntnisse für weitere Projekte zu gewinnen.

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