Peters: Wachsen trotz Krise

Waldkraiburg - Im schwierigen Wirtschaftsjahr 2009 setzt die Peters-Bildungsgruppe gegen den Trend auf Wachstum. -Eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr hält Geschäftsführer Ralf Landauer für realistisch. Das Unternehmen profitiert nicht zuletzt von der staatlichen Förderung für die Qualifizierung von Kurzarbeitern.

«Schon nach den ersten Wochen des neuen Jahres zeigt sich, dass die Nachfrage der Firmen nach Qualifizierungsmaßnahmen ständig wächst. Wir schauen optimistisch in die Zukunft», sagt Ralf Landauer, der zusammen mit Ludger Boeck die Geschäfte des Unternehmens führt. Die Peters-Bildungsgruppe ist nach schweren Jahren seit 2006 wieder im Aufwind. Interne Umstrukturierungen zeigen Früchte. Peters hat seine bundesweite Präsenz auf 29 Standorte ausgebaut. Die Belegschaft wächst wieder. Das Unternehmen sucht neue Mitarbeiter.

Wie auch die anderen bundesweit über 30 Berufsförderungswerke hatte das BFZ Peters in Waldkraiburg einen massiven Einbruch zu beklagen. Die Zahl der Teilnehmer an Umschulungen im Bereich der beruflichen Rehabilitation gesundheitlich beeinträchtigter Menschen sank bis 2006 dramatisch. Das Unternehmen musste in erheblichem Umfang Personal abbauen.

Rund 400 Teilnehmer sind derzeit wieder in Rehabilitationsmaßnahmen. Diese Zahl liegt zwar deutlich unter dem Niveau der 90er-Jahre mit in der Regel über 1000 Teilnehmern. Doch die Kehrtwende scheint geschafft. Mit einem Rückgang wie in der Vergangenheit sei nicht mehr zu rechnen, so Landauer. Die Hauptkunden wie Agentur für Arbeit, Rentenversicherungen und Berufsgenossenschaften verfügen wieder über mehr Mittel. Die Bereitschaft, Anträgen auf Rehabilitation oder Förderung beruflicher Weiterbildung zuzustimmen, ist wieder gestiegen.

Das hat viel mit dem Facharbeitermangel zu tun, der sich immer deutlicher abzeichnet. Die Zahl der erwerbstätigen Personen wird in den nächsten Jahren aufgrund der demographischen Entwicklung massiv zurückgehen und von der Zuwanderung nicht annähernd aufgefangen werden können. Die Betriebe müssen ausbilden, fortbilden, wollen gute Mitarbeiter halten und sie weiter qualifizieren.

Davon profitiert die Peters- Gruppe. Neben dem Kernbereich der beruflichen Rehabilitation hat sie sich in den vergangenen Jahren in einem zweiten Feld profiliert: dem Bereich der Firmenkundenqualifizierung, der laut Landauer besonders stark wächst.

Neue zertifizierte Bildungsangebote, die deutlich kürzer sind als zweijährige Umschulungen, finden große Nachfrage, etwa Schweiß- und CNC-Fräskurse oder Angebote für Mitarbeiter in der Lagerwirtschaft.

«Viele neue Geschäftsbereiche tun sich auf.» Im vergangenen Jahr hat Peters mit dem Logistik-Kompetenzzentrum in Prien zur Qualifizierung von Berufskraftfahrern die Europäische Logistikakademie gegründet. Mit den Firmen der Industrieverbünde Waldkraiburg und Mühldorf ist das Unternehmen in einem Präventionsprojekt im betrieblichen Eingliederungsmanagement aktiv. Neu im Angebot sind auch berufsbegleitende Schulungen im Kunststoff- und Kautschukbereich bis zur Möglichkeit, einen Bachelor-Abschluss zu machen.

Von der guten Konjunktur der vergangenen Jahre hat das Unternehmen profitiert. In der sich jetzt abzeichnende schwierigen Wirtschaftsphase kann die Peters-Gruppe darauf bauen, dass die staatliche Förderung der beruflichen Weiterbildung eher noch steigt. Ganz neu ist die Möglichkeit, dass Firmen während der Zeit, in der Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beziehen, diese weiter qualifizieren können. Zahlreiche Unternehmen interessieren sich für diese Möglichkeit. Auch Zeitarbeitsfirmen, so Landauer, wollen gute Mitarbeiter halten und in dieser Phase qualifizieren. Der Geschäftsführer empfiehlt allen Firmen, die über Kurzarbeit nachdenken, sich bei der Agentur für Arbeit beraten zu lassen, desgleichen auch allen Mitarbeitern, sich über diese Möglichkeiten zu informieren. Neue Maßnahmen beginnen bereits in der kommenden Woche. Die große Nachfrage nach Schulungen für Kurzarbeiter wird in jedem Fall bis Mitte des Jahres anhalten, glaubt Ralf Landauer.

Das Unternehmen habe eine gute Perspektive. Der Jahresumsatz von knapp 21 Millionen Euro im Jahr 2008 soll heuer um etwa 30 Prozent übertroffen werden. In den Beschäftigtenzahlen hat sich die positive Entwicklung bereits niedergeschlagen. In Waldkraiburg ist die Mitarbeiterzahl von 140 Ende 2006 bereits wieder auf über 200 gestiegen, in der gesamten Gruppe im selben Zeitraum von 220 auf mehr als 410. Und das Unternehmen sucht weiter qualifiziertes Personal, etwa Sozialpädagogen, Fachausbilder für den Metall- und Elektrobereich. Etwa 500 freiberufliche Dozenten kommen hinzu.

Peters will weiter wachsen, der Bildungspartner für Firmen in der Region werden. Die Vision: «Wir wollen einer der größten Bildungsanbieter in Deutschland werden.» 2013 soll beim Jahresumsatz die Marke von 50 Millionen Euro überschritten werden. hg

Kommentare