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Peter Maffay: Der berühmteste Schulschwänzer Waldkraiburgs wird 70

Sein einziges großes Heimspiel war für viele Waldkraiburger ein unvergessliches Erlebnis:Zehn Jahre ist es her, dass Peter Maffay im Haus der Kultur aufgetreten ist. Stuffer

Er ist ein Phänomen, ein Ausnahmekünstler: Peter Maffay wird am Freitag, 30. August, 70 Jahre alt: Am Donnerstagabend feierte er zudem sein 50. Bühnenjubiläum und stellte sein neues Album „Jetzt!“ vor. Seine ersten Auftritte hatte er in Waldkraiburg, wo er bis heute nicht vergessen ist. Weggefährten erinnern sich.

Waldkraiburg – Anfangs wollte er eigentlich nur ein bisschen Musik machen. Ein Widerspruch für ihn. Denn wer Peter Maffay, der mit gebürtigen Namen Peter Makkay heißt, von früher kennt, weiß, wie wichtig ihm die Musik war, wie sie ihn immer wieder angetrieben hat. „Musik war damals, genau wie heute, Ausdruck von Gefühlen, die innere Revolte als Motor, als Antrieb, als Ventil“, sagte er später einmal in einem Interview.

Die Bühne ist sein Zuhause, dort steht er seit 50 Jahren. Ununterbrochen. Vom Probenraum im Gasthaus „Weißer Hirsch“ in Waldkraiburg schaffte er es hinaus in die großen Hallen und Stadien Deutschlands – auch wenn es viel Durchhaltevermögen erforderte.

Von der Oma bekam er eine Geige

Den Grundstein für seine musikalische Karriere legte Peter Maffays Großmutter, als sie ihm 1956 zu Weihnachten eine Geige schenkte. Zu dieser Zeit lebte er noch mit seiner Familie im rumänischen Siebenbürgen.

Nach der Ausreise aus Rumänien im Jahr 1963 landete Peter Maffay mit seiner Familie in Waldkraiburg, wo sie bald in ihre erste Wohnung in der Böhmerwald-Straße 1 einzog. Dort, wohin Jahre später tausende Fans ihre Briefe schickten. Zunächst besuchte er in Waldkraiburg die Realschule für ein halbes Jahr, bevor er ans Ruperti-Gymnasium Mühldorf wechselte.

In dieser Zeit hat ihn auch die ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner kennengelernt.

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„Meine beste Freundin war mit Peter Maffay zusammen. Deshalb sind wir oft zu Auftritten seiner Band, den „Beat Boys“, gefahren. Wir waren in der gleichen Clique und haben uns daher auch oft im Schwimmbad getroffen. Ich habe ihn als musikbegabten, fröhlichen jungen Mann kennengelernt. Als ich die Schule gewechselt hatte, habe ich den Kontakt zu ihm verloren. Als Erwachsene sind wir uns nie begegnet. Peter Maffay hat das geschafft, was er sich erträumt hat. Seinen Erfolg hat er sich mehr als verdient.“

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Die Familie wollte ursprünglich nach Amerika auswandern, doch diesen Plan gab sie schon bald auf. Waldkraiburg war das neue Zuhause geworden. „In dieser erzkonservativen, zum Teil spießigen Kleinstadt-Atmosphäre war ein durchaus kosmopolitisches Lebensgefühl zu spüren. Eine unternehmerische Aufbruchstimmung, geprägt von Ehrgeiz, Arbeitswillen und – wieder mal Trotz. Man würde es allen zeigen“, schrieb Maffay in seiner Biografie „Auf dem Weg zu mir“.

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Er fand schnell Anschluss bei den Jugendlichen, hielt bald seine erste Freundin im Arm. Und dann gab es ja noch die Musik. Die Geige war auf Dauer nicht das richtige Instrument für ihn. Also kaufte er sich mit 70 D-Mark seine erste Gitarre – und wollte nur noch Musik machen.

Statt in die Schule in den „Weißen Hirsch“

Die Schule war ihm bald nicht mehr wichtig. „Mit fünfzehn wurden die Leistungen immer schlechter und die Haare länger“, heißt es in seiner Biografie. Im Schuljahr 1967/68 brachte er es auf 85 Fehltage. Statt in die Schule zu gehen, stieg er am „Weißen Hirsch“ wieder aus. Das Lokal war damals der Treffpunkt für die Jugend. Hier hatten die „Beat Boys“ ihren ersten Proberaum.

Im ersten Jahr wechselte oft die Besetzung, aus den „Beat Boys“ wurden später die „Dukes“. Zu dieser Zeit stieß auch Rudi Sieghart aus Kraiburg zur Band. Kennengelernt hatte er Maffay über den Gitarrenunterricht in Waldkraiburg.

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„Er war auf der Suche nach einem Bassisten für die Band und sagte zu mir: Du bist der Mann meiner Wahl. Wir haben zwei Tage miteinander geprobt und hatten dann schon den ersten gemeinsamen Auftritt im Schützenhaus in Mühldorf. Wir hatten einige Stationen im Landkreis: im Weißen Hirsch, im Saal des Bischof-Bernhard-Saals oder bei den Beatfestivals in Edling. Unsere Kreise wurden immer größer. 1966 brachen wir zu in den Sommerferien nach Rumänien auf, wo wir ein Engagement in der „Bar Afrikan“ hatten. Dort sind wir als Gruppe richtig zusammengewachsen und mit Schwung zurück nach Deutschland. Auch wenn die Heimreise sich abenteuerlich gestaltete, nachdem der Motor des VW-Busses seinen Geist aufgegeben hatte. Zwischenzeitlich haben unsere Eltern schon nach uns suchen lassen, weil wir eine Woche später heimkamen als geplant.“

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Die Band brach 1968 auseinander: Peter hatte die Schule abgebrochen und begann eine Lehre in München. Auch die anderen Mitglieder holte das Leben ein, sagt Sieghart.

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„Peter war ein echter Kumpel, total unkompliziert und schon damals zeitkritisch. Er hatte sich schon früh für Gesellschaftliches und Politisches interessiert. Seit unserer gemeinsamen Bandzeit haben wir uns gelegentlich getroffen. Zu seinem 20. Bühnenjubiläum waren wir bei einer TV-Sendung als Überraschungsgäste eingeladen. Zu seinem Vater habe ich noch heute einen guten Kontakt.“

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Die Musik ließ Peter Maffay auch in Müchen los. Er trat mit Margit Kraus, die er noch aus Mühldorf kannte, als das Folk-Beat-Duo Peter & Margit auf. Bis der Liedertexter und Schallplattenproduzent Michael Kunze auf ihn aufmerksam wurde. Mit ihm produzierte er Maffays erste Single „Du“, die schon bald auf Platz eins der Charts landete und der größte deutschsprachige Hit des Jahres 1970 wurde.

Mit Jogginghose und unrasiert in die Bank

Während Maffay mit den „Dukes“ Lieder von den Rolling Stones oder den Beatles gecovert hat, wurde er solo zunächst als Schlagerstar bekannt. Doch das änderte sich wieder. „Ich habe meinen eigenen Stil gesucht und ihn nach und nach gefunden. Es gab noch eine Zeit der Polarisierung bis hinein in die 1980er Jahre. Dann hatten wir uns endlich vom Schlager-Image gelöst.“

Trotz der ersten Erfolge kehrte Maffay in den Landkreis zurück. Genauer gesagt nach Taufkirchen. Dort hatten er und seine Familie Anfang der 1970er Jahre ein Haus am Wirtsberg gemietet und später ein Haus am Ederberg gebaut. Hier ist ihm auch Marianne Fill begegnet, die ihm am Schalter der hiesigen Bank bediente.

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„Er kam auch mal mit Jogginghose und unrasiert in die Bank. Man merkte ihm gar nicht an, dass er Peter Maffay ist. Er gab sich als Mensch wie jeder andere auch. Er war eine Zeit lang ein Taufkirchner.“

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Bis heute scheut Peter Maffay die kritischen Worten nicht, bringt sich in wichtige gesellschaftliche Debatten ein. Er besingt nicht nur die Visionen von einer schöneren Welt, sondern packt an. Im Jahr 2000 gründet er die Peter Maffay Stiftung, die sich der Betreuung von traumatisierten, chronisch kranken, sozial benachteiligten und vernachlässigten Kindern verschrieben hat. Die Stiftung hat insgesamt vier Tabalugahäuser eröffnet. Das Rockmärchen um den kleinen Drachen „Tabaluga“ haben bislang mehr als drei Millionen Menschen live erlebt. Ein Kinderheim steht in Radeln, im rumänischen Siebenbürgen. Bei der Eröffnung im Jahr 2011 war auch Herbert Liess dabei, der wie Maffay aus Siebenbürgen stammt.

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„Ich war von Beginn an Fan seiner Musik und war auf verschiedenen Konzerten von ihm. Zweimal bin ich ihm dann beim Siebenbürgen-Ball in München begegnet. Weil ich kurz zuvor einen Artikel über das Kinderdorf gelesen haben, das mit der Tabaluga-Stiftung gegründet worden ist, habe ich ihm angeboten, 100 meiner Bücher über eine Radtour nach Siebenbürgen zu spenden. Die Übergabe war in Radeln in Siebenbürgen bei der Eröffnung des Kinderheims vor acht Jahren.

Bei einer Kreuzfahrt auf der Queen Mary II sind wir uns wieder über den Weg gelaufen, als er mehrere Konzerte gegeben hat und auch Zeit für ein Gespräch hatte. Peter Maffay habe ich immer als korrekt und diszipliniert erlebt. Er hat viel Gutes getan in seinem Leben.“

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Peter Maffay immer als korrekt und diszipliniert erlebt

Wer über deutsche Rockmusik spricht, kommt an Peter Maffay nicht vorbei. Seit 50 Jahren steht er auf der Bühne, seitdem hat er mehr als 50 Alben veröffentlicht. Sein Jubiläum feierte er am Donnerstagabend mit 3000 Fans in der Berliner Columbiahalle. Dort stellte er auch sein neues Album vor. Für mehr als 50 Millionen verkaufte Tonträger hat er 21-mal Gold und 36-mal Platin erhalten. Neben sechs Echos, darunter zweimal als Künstler des Jahres, erhielt er viele andere Musikawards.

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Umjubeltes Heimspiel

Ich wollte etwas zurücklassen

Auftritte in der Ampfinger Peppermint Lounge, im Mühldorfer Schützenhaus oder im Waldkraiburger „Weißen Hirsch“ gehörten bald der Vergangenheit an. Wer ihn wieder zurückgeholt hat nach Waldkraiburg für einen Auftritt, war im Januar 2009 Altbürgermeister Siegfried Klika.

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„Ich kannte ihn schon als Jugendlichen. Zu dieser Zeit hatte man schon gemerkt, wie zielstrebig er ist und dass er es nicht so mit der Schule hatte. Hier hatte er seine erste große Freiheit und eine Musikkarriere vor Augen. Bei all seinen Erfolgen hat er seine Wurzeln nie vergessen, das zeigt sich auch heute noch.

Der Kontakt brach später ab, bis es mir dann gelang, einen Termin bei seiner Musikproduktion in Tutzing zu bekommen. Ich glaube, anfangs kannte er mich nicht mehr. Nach dem Besuch war ich erst mal etwas enttäuscht, weil nichts zu hören war. Bis sein Management anrief und sich vom Haus der Kultur ein Bild machte. Dann war relativ schnell entschieden, dass er nach Waldkraiburg kommt und spielt. Er ist echt ein toller Typ, der auf der Bühne und auch privat ernsthaft ist.

Was ich an ihm schätze: Er meldet sich kritisch zu Wort und ist sich nicht zu Schade, dass er Gegenwind kriegt.“

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Der Auftritt vor zehn Jahren war für die Waldkraiburger wie eine Heimkehr des großen Stars. 21 Jahre musste die Stadt auf diesen Moment warten. Ein umjubeltes Heimspiel. Denn in der Stadt hat keiner vergessen, dass hier die Anfänge der Musikkarriere eines der größten deutschen Rockstars liegen.

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