Peter der Große

Waldkraiburg - 35 Millionen Euro! Die ganze Republik träumt im Lottofieber von Ferrari und Weltreisen, redet über Villen und Nichtsmehrtun. Und Waldkraiburg? Hat im Moment wirklich keine Zeit, sich über solche Dinge auszutauschen.

Seit Montag/Dienstag, den Maffay-Tagen, scheint sich das Stadtgespräch vor allem um die eine Frage zu drehen: «Waren Sie dabei?»

Und wer dabei war, wird nicht müde, zu schwärmen von den beiden Abenden im Haus der Kultur. Sie waren nur als öffentliche Generalprobe angekündigt. Aber einige hatten doch auf ein richtiges Konzert gehofft. Es wurde mehr, viel mehr - ein Ereignis.

Ein Ereignis, das - dies nur am Rande - am Montag sogar die Polizei auf den Plan rief. Während des Konzerts fuhr eine Streife vor und weckte unangenehme Erinnerungen bei Mitarbeitern der Kulturabteilung. An die spektakuläre Festnahme des Schauspielers Claude-Oliver Rudolph von der Bühne weg vor einigen Monaten. Verhaftet Ihr jetzt den Maffay?, wurden die Beamten gefragt, die freilich ganz anderes im Sinn hatten. Polizisten sind auch nur Fans, wollten deshalb einen Blick in den Rockpalast Haus der Kultur werfen und fragen, ob es nicht vielleicht doch noch Karten für das Konzert tags darauf gebe.

Starker Rock ist ihnen entgangen. Klar, starken Rock durften die Leute auch erwarten, bei so vielen Top-Musikern, die Maffay um sich versammelt hatte. Doch das war es gar nicht, was das Besondere dieser Abende ausmachte. Es war die Persönlichkeit, die viele Konzertbesucher tief beeindruckte. So echt, so herzlich kam Peter Maffay rüber. Gar nicht überheblich. Keine Spur von Arroganz. Sympathisch, witzig, selbstironisch, als er zum Beispiel darauf anspielte, dass er nicht zu den Riesen im Lande zählt.

Peter der Große in Waldkraiburg! «Es ist ein gutes Gefühl dort zu spielen, wo alles angefangen hat», sagte er selbst. Es war ein gutes Gefühl, bei seinem «Heimspiel» mit dabei zu sein. Auch wer kein Maffay-Fan ist (wie die Redakteure der Waldkraiburger Nachrichten), konnte sich dem Eindruck kaum entziehen, einen besonderen Moment erlebt zu haben. Und viele gingen mit der Überzeugung heim: Nirgendwo, nicht im Gewandhaus in Leipzig, nicht in der Philharmonie in München noch an einer der vielen anderen Stationen der Maffay-Tour 09, würde es so werden wie hier in Waldkraiburg. So intim, so emotional.

Nirgendwo würde Peters Vater auf die Bühne kommen und sagen, wie stolz er auf seinen Sohn ist, und wie stolz auf Waldkraiburg. Nicht nur Maffay selbst war in diesem Moment gerührt, der auch dem Publikum, mindestens dem Waldkraiburger Teil, unter die Haut ging. Ein Gefühl fast wie ein Jackpot.

Also doch zurück zum Lotto, zum Träumen, was man mit 35 Millionen alles anstellen könnte. Eine Open-Air-Arena im Stadtgebiet bauen zum Beispiel. Damit beim nächsten Mal noch mehr dabei sein können, wenn Peter der Große in Waldkraiburg spielt. Hans Grundner

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