Papstwahl vor 15 Jahren: In Aschau ging Papst Benedikt XVI. zur Schule

Aschaus Altbürgermeister Josef Huber (rechts) überreichte am 4. Oktober 2006 Papst Benedikt XVI. die Ehrenbürgerurkunde in Rom.

„Habemus Papam: Joseph Kardinal Ratzinger“: Vor 15 Jahren haben die 115 Kardinäle im Konklave Joseph Ratzinger zum Papst gewählt. Nach Jahrhunderten saß damit wieder ein Deutscher auf dem Heiligen Stuhl. Erinnerungen an Papst Benedikt XVI., der in Aschau zur Schule ging.

Aschau/Rom – „Ja mei, der Rupert“, so begrüßte Papst Benedikt XVI. seinen ehemaligen Mitschüler Rupert Anzenberger, als dieser im Oktober 2006 mit einer Delegation aus Aschau nach Rom reiste, um den bayerischen Papst einen Besuch abzustatten. Heute noch schwärmt der 93-jährige Anzenberger von dieser Reise und von Joseph Ratzinger, den er während der gemeinsamen Schulzeit in Aschau als „netten Burschen“ in Erinnerung hatte.

„Dass aus unserer Klasse einmal einer Papst wird, ist eine unglaubliche Sache. Es macht mich bis zum heutigen Tag überglücklich“, gesteht Anzenberger. Er vergisst auch nicht darauf hinzuweisen, dass der jetzt emeritierte Papst einst in seiner Jahrgangsstufe zum Klassensprecher gewählt wurde.

Aschau spielt im Leben von Benedikt, der am 16. April 1927 als Joseph Ratzinger in Marktl das Licht der Welt erblickte, eine durchaus bedeutende Rolle. Vater Ratzinger wurde als Gendarmeriebeamter öfters versetzt. So kam die Familie 1932 nach Aschau. Sie wohnten bis 1937 im Ort und zwar an der heutigen Hauptstraße 21. Die Ratzinger-Kinder Joseph, Georg und Maria besuchten die dörfliche Volksschule. Am 15. März 1936 empfing Joseph Ratzinger in Aschau seine Erstkommunion.

Grund genug für die Aschauer Bürger, den Tag nicht zu vergessen, der aus Kardinal Ratzinger Papst Benedikt XVI. machte. Vor 15 Jahren, am 19. April 2005 stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle weißer Rauch auf und in unserem Land hieß es euphorisch: „Wir sind Papst“. Der erste deutsche Papst seit 500 Jahren.

Ehrenbürgerschaft für den Papst

Für den damaligen Aschauer Gemeinderat, angeführt von Bürgermeister Josef Huber war schnell klar, dem bayerischen Papst die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Die Ehrenbürger-Urkunde sollte natürlich persönlich überreicht werden. So machte sich im Oktober 2006 eine 39-köpfige Gruppe auf den Weg nach Rom.

Altbürgermeister Huber erinnert sich: „Wir durften am 4. Oktober an einer Audienz teilnehmen. Anschließend wurden wir in einen Saal gebeten und hatten dort Gelegenheit, mit Papst Benedikt XVI. persönlich zu sprechen. Seinen alten Klassenkameraden Rupert Anzenberger erkannte der Papst tatsächlich auf Anhieb, was mir ein Schmunzeln entlockte.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Die Atmosphäre sei angenehm gewesen betont Huber, der dem Papst die Ehrenbürger-Urkunde überreichen durfte. Kurz vor dieser Fahrt nach Rom, nämlich vom 9. bis 14. September, besuchte Bendikt XVI. seinerseits die geliebte bayerische Heimat. Auch davon kann Altbürgermeister Josef Huber eine kleine Anekdote berichten: „Der Papst wurde per Hubschrauber von München nach Altötting geflogen, was wir aber nicht wussten. Plötzlich ein Heidenlärm über Aschau, es war der päpstliche Hubschrauber, der extra tief über uns hinweg flog. Wir schauten alle gebannt aus dem Fenster und meine Frau sagte später, sie hätte den Papst sogar sitzen sehen.“

Beim Rückflug des Papstes nach Rom überquerte ein Flugzeug abermals Aschau. Dieses Mal jedoch unter Vorankündigung. Auf dem Sportplatz versammelten sich an diesem Septembertag daher über tausend Menschen, die dem Papst „Pfia God“ sagten und fröhlich gen Himmel winkten.

Lesen Sie auch:

Offene Fragen: Sanierung des Schmiedwegs in Aschau vorerst zurückgestellt

Wo der Papst als Bub zur Schule ging

Geschenke aus der Heimat zum Runden

Für viele Gläubige ein Schock: Am 28. Februar 2013 erklärte der Pontifex völlig überraschend seinen Rücktritt vom Papstamt. Der Bayer ist der erste Papst seit Coelestin V. (13. Jahrhundert), der freiwillig abdankte. Somit schrieb Benedikt XVI. Kirchengeschichte.

Zwar keine Sensations-Geschichte, aber mit einem beeindruckenden Erlebnis kann auch Bürgermeister Alois Salzeder aufwarten. Der noch amtierende Rathauschef hatte nämlich die Gelegenheit, am 23. Februar 2016 bei einer Rom-Wallfahrt dem emeritierten Papst einen Besuch abzustatten. Aschaus Bürgermeister traf Benedikt in den Vatikanischen Gärten. „Er saß auf einer Sonnenbank und wartete mit Georg Gänswein auf uns“, sagt Salzeder. Man habe sich bestens unterhalten. Benedikt sei sehr an Neuigkeiten aus seiner bayerischen Heimat interessiert gewesen.

Einstigen Schulweg für Nachwelt erhalten

Alois Salzeder hatte natürlich auch einige Mitbringsel im Gepäck, darunter eine CD von Kathi Stimmer-Salzeder mit alpenländischer Musik. Der Liedermacherin wäre es übrigens ein Anliegen, den einstigen Schulweg von Joseph Ratzinger der Nachwelt anschaulich zu erhalten. Kathi Stimmer-Salzeder könnte sich Hinweistafeln oder ebenerdige Pflasterbilder vorstellen. Eine Papst Benedikt XVI. Grundschule gibt es in Aschau ja bereits.

Pater Bernhard Stiegler erinnert sich

„Etwa ein halbes Jahr bevor Kardinal Josef Ratzinger Papst wurde, kam er nach Regensburg, um eine neue Auflage „Einführung ins Christentum“ vorzustellen. Ich war zu dieser Zeit im Don Bosco Zentrum Regensburg und bin mit Mitbrüdern zu der Veranstaltung gegangen. Da ich einen Kamera dabei hatte, forderte mich eine ganze Reihe auf, sie mit dem Kardinal zu fotografieren. Auf diese Weise bin ich ihm damals sehr nahe gekommen. Auf diese Fotos waren später die „mit dem Papst“ abgebildeten Mitbrüder seht stolz, nur ich hatte keine Aufnahme mit ihm. Nachdem Papst Johannes Paul II. verstorben war, mutmaßten einige Mitbrüder, dass Josef Ratzinger sein Nachfolger werden könnte. Ich habe dagegen gehalten mit Argumenten, dass er viel zu alt sei und er mit seinem Ruf als „Panzerkardinal“ keine Chance hätte. Ich konnte mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Umso größer war die Überraschung bei seiner Wahl im Konklave und bei der Verkündigung seines Namens: „…habemus papam.. „Kardinal Ratzinger“! Ich wäre beinahe vom Stuhl gefallen, denn ich konnte und wollte es nicht glauben. Meine Gefühle waren sehr gemischt! Wieso hat das Konklave so einen alten Mann – er war 78 Jahre alt– in dieses Amt gewählt? Wie könnte von ihm ein frischer Geist in die Weltkirche ausgehen? Was hat die Gemeinschaft des Kardinalkollegiums bewogen, Kardinal Ratzinger zu bestimmen? Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Allerdings hat sich diese – spätestens mit den Eindrücken vom Weltjugendtag in Köln – bei mir eingestellt. Er fand sehr gut in seine neue Rolle und verstand, die Jugendlichen aus aller Welt zu begeistern und sein Alter schien kein Hindernis zu sein. Er wirkte frisch und frei und sympathisch. Keine Spur mehr vom Panzerkardinal!“

Pater Bernhard Stiegler

Kommentare