Urteil

Opfer im Netz betrogen: 33-jähriger Waldkraiburger und sein Vater (62) zu Haft verurteilt

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  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Ein 33-Jähriger aus Waldkraiburg, ab Herbst 2015 Finanzbeamter auf Lebenszeit in München, ab August 2016 im Krankenstand und inzwischen in Frühpension, hat seine Einkünfte ab Mai 2019 mit unterschiedlichen Betrugsmaschen via Internet aufgestockt. Jetzt hat die Siebte Strafkammer am Landgericht Traunstein den geständigen Betrüger, der seit Ende Mai 2020 in Untersuchungshaft sitzt, zu vier Jahren Haft verurteilt.

Traunstein/Waldkraiburg – Der mitangeklagte Vater hatte dem Sohn bei einem der Tatkomplexe wesentlich geholfen. Der 62-Jährige kam mit einer Strafe von eineinhalb Jahren davon, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ein kleiner Teil der Vorwürfe wurde auf Antrag des Anklägers eingestellt. Übrig blieben 18 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs an der Firma 1&1, bei denen mittels falscher Daten erschlichene Geräte im Wert von über 33.300 Euro im Internet verkauft wurden.

Ergaunerte Handys im Paketshop abgeholt

Der Vater war an dieser Serie – wie ein weiterer, schon verurteilter Mann – nicht nur Beihelfer, sondern Mittäter. So holte er in Paketshops in der ganzen Republik die ergaunerten Handys ab. Er hatte jedoch, was ihm strafmildernd angerechnet wurde, seinen finanziellen Anteil dem hoch verschuldeten und Sohn gegeben.

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Dem 33-Jährigen lagen noch über 120 weitere Betrügereien mit gefälschten Personalien zur Last, sowohl über Ebay Kleinanzeigen als auch zum Beispiel über Fakeshops. Geschädigte bezahlten Waren, die sie nie erhielten.

Geständnisse reduzieren Strafmaß

„Wir mussten nicht 99 Geschädigte aus ganz Deutschland als Zeugen nach Traunstein holen“, hob Staatsanwalt Thomas Peter im Plädoyer mit Blick auf die Geständnisse der Angeklagten heraus. Der 33-Jährige habe einen Lebensstil gepflegt, der mit seiner Pension nicht finanzierbar gewesen wäre, und deshalb ein Konzept für Betrug im Internet entwickelt.

„Die Geständnisse haben sich in der Beweisaufnahme bestätigt“, hob der Staatsanwalt heraus. Vater und Sohn seien nicht vorbestraft. Ein erheblicher Teil des Schadens sei wieder gut gemacht. Beide hätten andererseits mit hoher krimineller Energie gehandelt.

Schaden von insgesamt 100.000 Euro verursacht

Thomas Peter beantragte für den Vater 20 Monate Haft mit dreijähriger Bewährungszeit. Der Sohn solle für vier Jahre drei Monate ins Gefängnis – auch wegen der „schieren Anzahl der Fälle“ mit einem Schaden von mehr als 100.000 Euro. Zwar sei bei dem 33-Jährigen eine Medikamentenabhängigkeit nicht ausschließbar.

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Doch lägen keine „Hangtaten“ vor, die zu einer verminderten Schuldfähigkeit führen könnten. Während der Staatsanwalt im Plädoyer einen echten Täter-Opfer-Ausgleich verneinte, setzten sich die Verteidiger – Dr. Benedikt Stehle aus München für den Vater, Dr. Adam Ahmed aus München und Harald Baumgärtl aus Rosenheim für den Sohn – dafür ein.

Beamtenrechtliche Konsequenzen: Einbußen bei Pension

Gerade bei Betrugsdelikten sei ein Schadensersatz äußerst selten. Für den Senior, einen Familienvater mit positiver Sozialprognose, sei eine Strafe von 17 Monaten mit Bewährung angemessen. Der Sohn wolle aus der Haftzeit das Bestmögliche machen und eine Ausbildung absolvieren, argumentierten dessen Anwälte.

Eine Freiheitsstrafe von drei Jahren neun Monaten reiche aus. Vorsitzende Richterin Christina Braune begründete im Urteil, die Beweislage sei gut gewesen. Dennoch hätte es ohne Geständnisse vielleicht 20 Verhandlungstage gebraucht. Beweisanträge der Verteidiger, alle Geschädigten anzuhören, hätte die Kammer nicht ablehnen können.

In der Strafzumessung habe das Gericht neben weiteren Aspekten die beamtenrechtlichen Konsequenzen mit Einbußen bei der Pension gesehen. Die gesamte Wiedergutmachung des Schadens sei großenteils gesichert.

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