Open-Air-Sprechstunde: Kraiburgs Pfarrer Michael Seifert bietet neues Gesprächsangebot

Jeden Donnerstag wartet Kraiburgs Pfarrer Martin Seifert am Marktplatz eine Stunde lang auf Gesprächspartner. Ganz ungezwungen können sie sich mit dem Pfarrer austauschen.
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Jeden Donnerstag wartet Kraiburgs Pfarrer Martin Seifert am Marktplatz eine Stunde lang auf Gesprächspartner. Ganz ungezwungen können sie sich mit dem Pfarrer austauschen.

Ein Tisch im Schatten, zwei Stühle und etwas zu trinken – mehr braucht es gar nicht, wenn Kraiburgs Pfarrer Michael Seifert seine Sommer-Sprechstunde im Freien abhält. Ganz ungezwungen, ohne Anmeldung und direkt am Marktplatz. Ein Weg, um diejenigen zu erreichen, die ansonsten kaum den Weg zu ihm finden.

Von Raphaela Lohmann

Kraiburg – Seit zwei Wochen nimmt sich Pfarrer Michael Seifert jeden Donnerstag eine Stunde Zeit und zieht nach draußen auf den Marktplatz. Wer gerade vorbeikommt, kann ihn direkt ansprechen und mit ihm ins Gespräch kommen. Anmelden muss sich keiner. Und so lange es kein schlechtes Wetter hat, sitzt er dort und wartet auf Gesprächspartner.

Angebot profitiert von Zufallsbegegnung

Bereits im Herbst hat Pfarrer Michael Seifert damit begonnen, eine Sprechstunde außer Haus anzubieten. Damit setzt er eine Idee fort, die Pfarrvikar Emmeran Hilger zuvor im Bioladen am Marktplatz eingeführt hat. „Ich bin dann aber auf den Edeka-Markt umgeschwenkt, weil dort mehr Leute vorbeikommen, und es für sie unverfänglicher ist.“

Während der Corona-Krise hat seine Sprechstunde pausieren müssen. Er hat länger gewartet, bevor er vor zwei Wochen zum ersten Mal seine erste Sprechstunde im Freien abgehalten hat. „Der Marktplatz ist der perfekte Platz für den Sommer.“ Erst ein Eis kaufen, dann kurz auf ein Gespräch mit dem Pfarrer – obwohl man das eigentlich gar nicht geplant hatte.

„Mein Eindruck ist, dass die Menschen nicht extra kommen, um das Angebot wahrnehmen.“ Das Gesprächsangebot profitiere von den Zufallsbegegnungen. Wer den Pfarrer sitzen sehe, nutze die Gelegenheit gerne mal zu einer kurzen Frage, aber auch zu einem tieferen Gespräch.

Weg ins Pfarrbüro ist eine Hemmschwelle

Genau darauf zielt die Sprechstunde ab: „Intention ist es, dass ich mit den Menschen ins Gespräch komme, die ansonsten nicht zu mir ins Pfarrbüro kommen würden.“ Dort bietet er zwar auch regelmäßig eine Sprechstunde an, aber der Weg ins Pfarrbüro sei nun mal für manche eine Hemmschwelle, weil man vielleicht zuvor noch nie dort gewesen ist oder man zunächst einen Termin vereinbaren muss. „Auf neutralem Boden tut man sich leichter.“

Ganz unverhofft und vor allem ungezwungen würde er mit den Menschen ins Gespräch komme. Sei es, dass auf diesem Weg kleinere Fragen zur Erstkommunionvorbereitung geklärt werden oder man sich mit dem Pfarrer über dessen Sicht zur Organspende austauschen kann. Die Themen sind verschieden, die Gespräche schön und intensiv. „Manche Themen kratzt man nur an, weil man nicht ganz in die Tiefe gehen kann angesichts der öffentlichen Lokalität. Dafür braucht es dann einen zweiten Termin.

Die Nachfrage sei ganz unterschiedlich: „Es waren schon mal vier bis fünf Leuter innerhalb einer Stunde da, ein anderes Mal war es nur eine Person. Aber ganz allein war ich noch nie.“

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Manchmal komme es aber auch vor, dass er sich mit seinem Gesprächspartner „verratscht“. Die Leute sollten sich dann aber nicht davor scheuen, auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie auch gerne mit ihm reden wollen.

Ab Herbst wieder im Edeka-Markt

Pfarrer Seifert will an dem Angebot weiter festhalten. „Es baut sich ein Gespräch auf mit Leuten, die sonst nicht zu mir gekommen wären. Die Sprechstunde ist eine schöne Sache.“ Solange es die Witterung zulässt, bleibt er bis Herbst am Marktplatz. Dann will er mit seiner wöchentlichen Sprechstunde wieder in den Edeka-Markt umziehen.

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