Ökumenischer Brückenbauer: Was Adalbert Schneck aus Waldkraiburg antreibt

„Kirche für die Stadt zu sein“, das ist Adalbert Schneck bis heute wichtig. Ein großes Anliegen war dem langjährigen Kirchenvorstand dabei die ökumenische Zusammenarbeit mit den katholischen Geschwistern.
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„Kirche für die Stadt zu sein“, das ist Adalbert Schneck bis heute wichtig. Ein großes Anliegen war dem langjährigen Kirchenvorstand dabei die ökumenische Zusammenarbeit mit den katholischen Geschwistern.

„Evangelisch-ökumenisch in Waldkraiburg hat zurecht nach wie vor keinen schlechten Klang“, ist Adalbert Schneck überzeugt. Und es ist unverkennbar: Stolz kann er darauf sein, einen Teil dazu beigetragen zu haben, denn seit 50 Jahren setzt er sich für die evangelische Kirche in der Stadt ein.

Waldkraiburg – Im slowakischen Hunsdorf in der Hohen Tatra wurde Adalbert Schneck im Mai 1941 geboren. Im Dezember 1944 musste seine Familie aus der Heimat fliehen und gelangte über das Sudetenland bis Österreich. Nach einem Bahntransport zurück in das Heimatdorf erfolgte im Oktober 1946 die endgültige Vertreibung. In Reichertsheim, das damals zum Kreis Wasserburg gehörte, fand man eine Bleibe und wurde freundlich aufgenommen, „trotz unseres evangelischen Glaubens und der komischen Sprache und wir lernten schnell, dass man vom Pater aus Gars ein schönes Marienbild erhielt, wenn man ‚Gelobt sei Jesus Christus‘ sagte“, so der heute 79-Jährige.

Kein Geld für ein Theologiestudium

Ein tiefer Einschnitt für ihn war, als er mit zehn Jahren in das Gymnasium mit Internat nach Oettingen kam. Nach dem Abschluss wollte er Theologie studieren, doch für ein Studium reichte das Geld nicht. Und so absolvierte er eine Banklehre und war endlich mit 23 Jahren wieder daheim.

1964 heiratete er. Seine Frau Elsa hatte er in Oettingen kennengelernt. Das junge Paar fand mit den drei Kindern Unterschlupf bei einer Tante in Waldkraiburg. „Seit dieser Zeit bin ich ein bekennender Waldkraiburger!“

Mit Leib und Seele Bankkaufmann

Beruflich war er zunächst Mitarbeiter der Vereinsbank in Mühldorf, bis man ihm nach Ausbildungsaufenthalten in Landshut, Rosenheim und München 1975 die Leitung der Filiale in Ampfing übertrug und von 1990 bis zu seinem Ruhestand die Kontostelle in Mühldorf. „Ich war mit Leib und Seele Bankkaufmann, nicht Bankbeamter, denn die Beratung von Menschen bedeutete mir alles.“

Dies konnte er vor allem auch ehrenamtlich in seinem Engagement in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Waldkraiburg ausleben. 1964 trat er mit seiner Frau in den Kirchenchor ein, dem er bis heute treu geblieben ist. „Zeitweise sang ich parallel in drei Chören, zusätzlich noch im VHS-Chor und in Christkönig.“

42 Jahre im Kirchenvorstand

Als Pfarrer Georg Heckel 1970 junge Leute für den Kirchenvorstand suchte und Schneck erstmals kandidierte, gab er sich null Chancen gegen so profilierte Persön- lichkeiten wie zum Beispiel Herrn von Chamier. Doch er wurde in das Gremium berufen und so oft wiedergewählt, dass er insgesamt auf 42 Jahre zurückblicken kann, davon 27 Jahre als dessen Vertrauensmann, der für die Gemeinde „Mittler zum Pfarrer hin ist und so manches ausgleichen muss.“

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Das Leben ist eine Baustelle

Neun Pfarrer hat er erlebt: Nach Heckel kam Oursin, dann Herbert Wirth, nach dessen Tod seine Frau Hanna, danach das Ehepaar Peiser und schließlich Lars Schmidt, Anita Leonhardt und Simon Stritar. Mit Wirth entwickelte sich auch ein Hauptanliegen Schnecks: Es waren die erfolgreichen Bemühungen um die Ökumene in der Stadt. Zwischen katholischen und evangelischen Christen gibt es seither einen sehr guten Draht und auch zur islamischen Gemeinde pflegt man Kontakt.

„Kirche für die Stadt zu sein“, dieses Anliegen ist Schneck nach wie vor sehr wichtig. „Im Kirchenvorstand gab und gibt es keinen Fraktionszwang. Da urteilt jeder nach seinem Verstand und nach langen Sitzungen wurde alles bei einem Bier aufgearbeitet. Es war immer ein gutes Miteinander.“

Prediger und Synodale

Daneben war und ist er 47 Jahre als Lektor im Predigtdienst tätig, war von 1977 bis 2012 Mitglied der Synode des Dekanats Traunstein und 27 Jahre dessen Mitglied im Ausschuss. Als nach Pfarrer Oursin die Stelle neu besetzt werden sollte, bat Schneck deshalb Oberkirchenrat Glaser eindringlich: „Bittschön schickn`s uns an Gscheidn!“. Mit dem Superergebnis, dass Herbert Wirth nach Waldkraiburg kam. Auch unter ihm war er Schatzmeister des Freundeskreises der Diakonie mit dem Motto „Wir fördern Menschen“, der sich vor allem um soziale Belange einsetzt, zum Beispiel für von Armut bedrohte Kinder. „Ohne das Verständnis und die großartige Hilfe meiner Frau, die vor 20 Jahren ganz plötzlich verstarb, hätte ich all das nie bewältigen können!“, sagt Adalbert Schneck. Doch auch außerkirchliche Aufgaben übernahm er. Über 30 Jahre lang war er Schatzmeister der Alpenvereinssektion Mühldorf und 14 Jahre in der Vorstandschaft der VHS Waldkraiburg.

Volle Anerkennung von Kirche und Staat

„Bei seinem Einsatz für die Allgemeinheit“, meinte die damalige Regionalbischöfin Susanne Breit- Kessler, „gebührt Herrn Schneck unsere volle Anerkennung. Er hat mich immer wieder daran erinnert, dass ich ein wohlwollendes Auge auf Waldkraiburg werfen soll.“ Ehrungen seiner Kirchengemeinde, des Dekanatsbezirks Traunstein, des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche Deutschlands und die Ehrennadel der Stadt Mühldorf schlossen sich an. Gleichsam das Sahnehäubchen dabei war sicher die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande vor zehn Jahren, „da er seit den 60er-Jahren aktiv und mit Verantwortung in der Evangelischen Kirchengemeinde tätig ist“, wie es damals Bundespräsident Christian Wulff beschrieb.

Und dieses Verantwortungsbewusstsein, getragen von einem tiefen Gottvertrauen, hat sich Adalbert Schneck bis heute bewahrt. „Ich bin dankbar, dass mir so vieles gelingen durfte und ich auch eine Partnerin für den Lebensabend gefunden habe, obwohl ich durch die Dialyse-Anwendungen dreimal in der Woche zeitlich doch deutlich eingeschränkt bin“, wie er schmunzelnd betont.

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