Mit viel Hoffnung in ein neues Projekt

„Novemberhilfe wird ankommen“: Wie es Waldkraiburger Wirten geht, deren Lokale nur einen Sommer offen waren

Die Weihnachtsdeko im „Chablis“ ist aufgebaut, Gäste werden bis zum Fest nicht mehr bewirtet in dem Lokal, das nur zehn Wochen nach einer Wiedereröffnung durch einen neuen Pächter erneut durch den Lockdown light ausgebremst wurde. Grundner/Privat
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Die Weihnachtsdeko im „Chablis“ ist aufgebaut, Gäste werden bis zum Fest nicht mehr bewirtet in dem Lokal, das nur zehn Wochen nach einer Wiedereröffnung durch einen neuen Pächter erneut durch den Lockdown light ausgebremst wurde. Grundner/Privat

Grade neu eröffnet, waren ihre Lokale zwischen zehn und 15 Wochen offen. Dann kam erneut der neue Lockdown. Wie geht es drei Wirten in und um Waldkraiburg, die im Sommer mit vielen Hoffnungen in ein neues Projekt gestartet sind und gleich wieder von Pandemie ausgebremst wurden?

Waldkraiburg/Aschau– Mitten im Corona-Krisenjahr haben sie neue Lokale in und um Waldkraiburg eröffnet. Mit großer Motivation und erheblichen Investitionen sind Zoran Katava vom „Chablis“ und die Familien Goltsios (Taverna „Mythos“) und Yazici („Avocado“) im Sommer mit ihren neuen Projekten an den Start gegangen. Kaum drei Monate später kam die nächste Welle und der Lockdown light. Da könnte einem doch das Wirte-Sein gehörig vergehen?

Gesundheitsschutz steht an erster Stelle

Gabriela Goltsios will davon nichts wissen. „Wir bleiben optimistisch“, sagt die Wirtin, die seit Juli gemeinsam mit ihrem Mann Sakis die Taverna „Mythos“ in Thann führte. Das Geschäftsei „sehr gut angelaufen“, sagt sie. „Das Lokal war regelmäßig ausgebucht.“ So bedauerlich die neue Pause sei, Goltsios äußert sogar Verständnis für die Einschränkungen: „Gesundheitsschutz steht an erster Stelle, auch für uns und unsere Familie. Und die Gäste.“ Im Übrigen: „Wir sind nicht die einzigen, die betroffen sind.“

Zoran Katava wartet auf bessere Zeiten

Auch Zoran Katava vom „Chablis“ gibt sich nach „einem guten Start“ gelassen, so unübersichtlich und unsicher die Situation auch ist. „Ich warte auf bessere Zeiten.“

Wann die wieder kommen? Da ist Serhad Yazici skeptisch. Es wird wohl noch eine ganze Weile bis ins neue Jahr hinein dauern. Er erwarte nicht, dass die 7-Tage-Inzidenz bald unter 50 sinken kann. Als gerecht empfindet Yazici, dessen Familie neben dem Restaurant-Bar-Hotel „Centrale“ am Stadtplatz auch das neue „Avocado“ betreibt, die Einschränkungen für die Gastronomie nicht. „Ich denke nicht, dass die Restaurants und Lokale an den Infektionszahlen schuld sind.“

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Deren Schließung schade vor allem dem stationären Handel. Denn: „Die ganze Stadt wird damit runter gefahren. Die Leute sind weniger auf die Straße.“ Während die Yazicis im Centrale einen Lieferservice auf die Beine gestellt haben, ist das „Avocado“ ganz zu. „Es ist zu teuer, beide Lokale offen zu halten. Da müsste den ganzen Tag Personal da sein.“ Die Mitarbeiter, auch die gut 30 Festangestellten und im „Avocado“, sind in Kurzarbeit. Ohne das Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten sähe es schlecht aus, findet er. Die Soforthilfen aus dem Frühjahr sieht er als „einen Tropfen auf dem heißen Stein“.

So weit geht Dr. Andreas Holzapfel nicht. Doch auch er sieht große Verlierer bei den Überbrückungshilfen im Frühjahr. „Da gibt es dramatische Fälle, die nicht berücksichtigt wurden, zum Beispiel Solokünstler, die auf Grundsicherung verwiesen sind.“

Mit der Fortsetzung des Lockdowns im Dezember fährt die Gastronomie wohl besser als mit einer Lockerung und leeren Lokalen, glaubt Steuerberater Andreas Holzapfel.

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Doch für den Steuerberater, der auch Vorsitzender des Gewerbeverbands Waldkraiburg ist, liegt auf der Hand, dass die Zahlungen, die im Herbst von der Bundesregierung in Aussicht gestellt sind, ungleich größere Wirkung zeigen. „Die Novemberhilfe wird ankommen.“ Das große Problem, das sich zuletzt abzeichnete, sind die Verzögerungen bei der Auszahlung.

Steuerberater drehen am Rad

Mittlerweile laufe bereits das fünfte Unterstützungsprogramm im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. „Und jedes dieser Programme hatte neue Spielregeln. Die Steuerberater drehen ziemlich am Rad“, sagt Holzapfel. Bei 75 Prozent des Umsatzes im Vergleichsmonat 2019 dürfen die „Die arg gebeutelten Gastwirte“ bei der aktuellen Lockdown-Hilfe nach Holzapfels Einschätzung mit der vollen Kompensation rechnen, teilweise sogar mit mehr.

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Nach anfänglichen Irritationen um die Bezugsgrundlage ist geklärt, wie bei Wirten verfahren wird, die erst 2020 ihr Lokal eröffnet haben. Hier gilt als Berechnungsgrundlage der Oktoberumsatz oder der durchschnittliche Monatsumsatz seit der Gründung. „Im Avocado ist es in den ersten Monaten super gut gelaufen.“ Serhad Yazici sieht das als „Entschädigung. Wir haben wahnsinnig viel investiert.“

Lockdown besser für die Wirte als Lockerung und leere Lokale

Mit der Fortsetzung des Lockdowns fahren die Wirte sogar wohl besser als mit einer Lockerung der Corona-Maßnahmen, glaubt Dr. Holzapfel. „Die Weihnachtsfeiern waren eh schon verloren. Der schlimmste Fall wäre, die Lokale machen auf und die Gäste bleiben weg.“

Gabriela Goltsios, die den Eindruck hat, dass viele Leute Angst vor einer Ansteckung haben, bringt es auf den Punkt: „Lieber zu als offen und leer!“ Sie ist überzeugt, dass wieder bessere Tage kommen, so wie Serhard Yazici: „Auch wenn es ein halbes Jahr dauert, wir machen unsere Lokale wieder auf.“

Info:Verzögerungen bei Auszahlung

„Schnell und unbürokratisch“ sollten sie fließen, die Novemberhilfen. Doch bis auf Abschlagszahlungen haben die Antragssteller noch nichts gesehen. Schuld an der Verzögerung ist laut Bundesregierung die Software. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums sind bislang rund 120.000 Anträge eingegangen und rund 318 Millionen Euro ausgezahlt worden. Ein Großteil der Abschlagszahlungen sei bereits veranlasst. Allerdings betragen diese Zahlungen maximal 10 000 Euro. Der Großteil der Summen wird wohl erst im Januar fließen.

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