Nicht schwarz, nicht weiß

Das Thema der Woche: Rassismus. In den USA hat er seine hässlichste Fratze gezeigt, als der Afroamerikaner George Floyd im Würgegriff eines weißen Polizisten zu Tode kam.

In aller Welt gehen Menschen deshalb auf die Straße. Auch in Deutschland, auch in Waldkraiburg. Auch weil es hier, vor Ort Rassismus gibt. Manchmal werden offen Menschen, Gruppen ausgegrenzt, pauschal abgewertet, wegen ihrer Herkunft, der Hautfarbe, der Kultur. Meistens passiert das unterschwellig, versteckt. Am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, im Alltag. Vermutlich hat fast jeder diese alltägliche Form von Rassismus schon beobachtet, bei anderen. Die Selbstkritischen auch bei sich.

Bei aller Aufregung über die USA, um den Rassismus vor der Haustür, in den Köpfen, müsste es gehen. Mindestens jenen, die sich nicht nur über andere empören, sondern auf Veränderung, auf ein besseres Miteinander in einer Gesellschaft hinarbeiten wollen, die zur multikulturellen Gemeinschaft werden soll.

Fangen wir bei einem Beispiel aus dieser Zeitung an. Eine Überschrift, die vor einigen Wochen über meinem Artikel zur Anschlagsserie gegen türkische Einrichtungen stand: „Fremdenfeindlicher Hintergrund?“ Jedem Leser war klar, was gemeint war: Dass eine rechtsextreme rassistische Gesinnung hinter den Taten stecken könnte. Damals schien das ein plausibler Verdacht zu sein. Doch diese Formulierung hat eine zweite Ebene, eine die ausgrenzt, pauschal, in diesem Fall Muslime, Türkisch-, Kurdischstämmige. Als würden Menschen, die seit Jahrzehnten in der Stadt leben, arbeiten, zum Teil hier geboren sind, sogar besser Deutsch sprechen als mancher Ureinwohner, nicht dazu gehören...

Was steckt dahinter? Darüber sollten wir reden. Auf Augenhöhe. Mit den Betroffenen, die die Erfahrung von Diskriminierung machen. Wie die schwarzafrikanischen Flüchtlinge aus der Ankerdependance etwa. Ob deren Rassismus-Vorwurf gegen die Behörden im aktuellen Fall zutrifft, ist nicht bewiesen. Da stehen Aussage gegen Aussage. So oder so – die Ankündigung der Regierung von Oberbayern, das Beschwerde- und Konfliktmanagement durch eine neue Stelle in der Asylunterkunft zu verbessern, ist ein gutes Signal.

Dass und wie heimische Politiker, der Abgeordnete Marcel Huber und Landrat Max Heimerl, sich neulich bei einem Treffen mit der türkischen Gemeinde solidarisiert haben, ist ein anderes Beispiel dafür, dass es in die richtige Richtung geht. In die weist ebenso die Gesprächsinitiative der Stadt, die unter dem Motto „Wir sind...Waldkraiburg“ in einer Woche Waldkraiburger unterschiedlicher Nationen und Kulturen an einen Tisch bringen will. Daran sollte Bürgermeister Pötzsch gemessen werden, nicht an einer unbedachten Aussage, aus der Redner bei der Rassismus-Demo am Festplatz völlig überzogene Kritik ableiteten. Einer Demo, bei der sich der Verdacht aufdrängte, es gehe in erster Linie darum, das Thema politisch zu instrumentalisieren. Schade. Eigentlich ist das Anliegen zu wichtig, um es auf diese Weise zu diskreditieren.

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