Dieser Mann erzählt in einer Krippe in Waldkraiburg aus der Bibel – und zwar das ganze Jahr

Seit drei Jahren arbeitet Thomas Marschner an der Ganzjahreskrippe in der Christkönigskirche in Waldkraiburg. 13 bis 14-mal im Jahr wechselt er die Szenen. Grundner/Schwarz
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Seit drei Jahren arbeitet Thomas Marschner an der Ganzjahreskrippe in der Christkönigskirche in Waldkraiburg. 13 bis 14-mal im Jahr wechselt er die Szenen. Grundner/Schwarz

Ein Kripperl im September? Ja, das gibt es – in der Christkönigkirche in Waldkraiburg. Seit drei Jahren werkelt Thomas Marschner an immer neuen Szenen aus dem Leben Jesu und nimmt die Besucher mit durchs ganze Kirchenjahr. Uns verrät er, wie viel Arbeit wirklich darin steckt.

Waldkraiburg – Ja, is denn jetzt scho Weihnachten? Besucher der Christkönigkirche könnten im ersten Moment auf diese Idee kommen, wenn der Bewegungsmelder anspringt und ein Scheinwerfer nicht weit vom nördlichen Seiteneingang der Kirche eine biblische Szene ins helle Licht rückt. Die schönste Krippenlandschaft tut sich da auf. Im September, hundert Tage vor dem Fest? In der Pfarrei wundert sich darüber schon lange niemand mehr.

Mit der Krippe durchs ganze Kirchenjahr

Seit drei Jahren werkelt Thomas Marschner an der Jahreskrippe, die die Kirchenbesucher durch das Leben Jesu begleitet. Zur Zeit ist in dem zwei Quadratmeter großen Kasten Jesus im Gespräch mit der Frau aus Samaria am Jakobsbrunnen zu sehen. Im 4. Kapitel des Johannesevangeliums wird davon berichtet, wie er vorurteilslos einer Nichtjüdin und Frau begegnet und sie für die Verkündigung seiner Botschaft gewinnt.

Was den Krippenbauer aus den Texten herausliest

Auf diese Begegnung ist der Focus des Scheinwerfers gerichtet. Die große Herausforderung für den Krippenbauer stellt die Szenerie dar, in die er das biblische Ereignis einbettet. Marschner bietet eine Landszene mit einer Schafherde und Hirten an. Und hat im Hintergrund eine Stadt aufgebaut, vor deren Toren ein Markttreiben im Gange ist. Schließlich heißt es in Vers 8: „Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.“

18 Figuren, dazu 20 Schafe, ein Esel, ein Hund bevölkern die Landschaft. Dank Spenden von Privatleuten, der Kolpingfamilie, der Kirchenverwaltung und anderer kommen immer wiederneue bewegliche Figuren, die im Ahrntal in Südtirol gefertigt werden, hinzu.

Nur Kleinigkeiten werden zugekauft

Um die Kulissenmalerei kümmert sich Kirchenmaler Ulli Höllinger, der als Hausmeister für die Pfarrei arbeitet. Alles andere ist Sache von Thomas Marschner. Nur Kleinigkeiten kauft er hinzu, die winzigen Teppiche zum Beispiel, die er für das Marktgeschehen braucht. Das Gelände, Landschaften, Bäume, Ställe, die Stadt baut der 48-Jährige selbst.

Der Metallbauer, der Mitglied im Pfarrgemeinderat ist, ist familiär vorbelastet. Sein Vater kommt aus dem Böhmischen, aus der Region Oberland-Niederland, wo die Krippentradition intensiv gepflegt wurde. Zur Weihnachtszeit habe der Vater daheim immer wieder eine sechs Quadratmeter große Weihnachtskrippe aufgebaut.

„Immer etwas Neues zu entdecken“

So groß ist die Christkönigskrippe nicht. Dafür ist sie immer aufgebaut. Und die Kirchenbesucher dürfen sich auf viele verschiedene Szenen freuen. Etwa 13 bis 14 Mal wechseln sie in einem Jahr.

Vor Ostern ist die Kreuzigung zu sehen.

In Franken gebe es Ganzjahreskrippen häufiger, auch in Altötting und in Neuötting stehen solche Krippen, weiß Thomas Marschner. Dass es seit drei Jahren auch in Waldkraiburg eine Jahreskrippe gibt, danken ihm die Betrachter mit viel Lob. Dr. Herbert Schwarz vom Pfarrgemeinderat schwärmt regelrecht von den lebensechten Szenen, „der Feinheit und Vielfalt“, bis ins Detail, bis zu den einzelnen Waren, die auf dem Markt angeboten werden.

„Man kann immer wieder etwas Neues entdecken“, sagt Katharina Schur, die oft an der Krippe vorbei geht, um sie zu betrachten und eine kleine Spende einzuwerfen. „Wunderschön“, sagt die 80-Jährige und lacht.

Als nächstes Motiv hat Marschner die Geschichte vom Zöllner Zachäus gewählt, der auf einen Baum klettert, um Jesus zu sehen.

Allein für die Stadt hundert Stunden gebraucht

Der Baum, der jetzt noch am Jakobsbrunnen Schatten wirft, bleibt also noch stehen. Viele Elemente kann er immer wieder verwenden. Anders wäre es gar nicht möglich, die Jahreskrippe zu bestücken. „Allein für die Stadt habe ich ungefähr hundert Stunden gebraucht“, erzählt der Waldkraiburger.

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Kreuzigung und Pfingsten, Himmelfahrt und Auferstehung, die Hochzeit von Kanaa oder die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel, all diese Szenen und noch viele mehr wurden in der Christkönigskirche schon nachgestellt. Und natürlich die vielen Geschichten rund um das Weihnachtsfest, die Herbergssuche, die Geburt Jesu im Stall, die Flucht nach Ägypten, die Verehrung des Kindes durch die Heiligen Könige...

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