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Traditionsgeschäft „Wohnkultur Krause“ in Waldkraiburg gibt nach 39 Jahren auf

Heidrun Krause ist untröstlich, dass sie ihren Laden für Wohnkultur nach 39 Jahren aufgeben muss.
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Heidrun Krause ist untröstlich, dass sie ihren Laden für Wohnkultur nach 39 Jahren aufgeben muss.
  • vonUschi Huckemeyer
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Wie gut, dass es Enkelsohn Mats gibt. Der Vierjährige tröstet seine Oma Heidrun und bringt sie auf andere Gedanken. Und das ist bitter nötig, denn Heidrun Krause ist ziemlich aus dem Häuschen. Die 72-Jährige muss ihr Geschäft „Wohnkultur Krause“ in Waldkraiburg nach fast 40 Jahren schließen.

Waldkraiburg – „Im Herbst haben wir vom Vermieter die Kündigung erhalten“, klagt die gelernte Einzelhandelskauffrau und gesteht: „Von dem Schreiben wurde ich völlig überrumpelt. Es deutete im Vorfeld rein gar nichts auf eine Veränderung hin.“

Seniorchefin kann die Tränen kaum zurückhalten

Heidrun Krause kann die Tränen kaum zurück halten. Zu gerne hätte sie im Jahre 2022 noch den 40. Geburtstag ihres „Babys“, so bezeichnet sie die „Wohnkultur“, mit all ihren Kunden gefeiert. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt.

1982 hatte das Ehepaar Heidrun und Willi Krause in der Beethovenstraße ein Geschäft für Bodenbeläge und Gardinen eröffnet. Waren, die generell für ein gemütliches Zuhause mit Wohlfühlcharakter sorgen, kamen schnell dazu. Später siedelte die Wohnkultur in die Berliner Straße um. Seit 2009 befindet sich der Laden am Stadtplatz 12.

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Die vielen Stammkunden wissen, in diesem Fachgeschäft sind sie bestens aufgehoben. „Es gibt bei uns alles, was zum schönen und kuscheligen Wohnen gehört“, betont die 72-Jährige: Bodenbeläge, Gardinen, Bad- und Tischkultur, Bettwäsche, Polster-Wohndekor und Geschenkideen aller Art.

Auf der Messe noch ordentlich Ware bestellt

Im Spätsommer bestellten die Krauses in München bei der Fachmesse TrendSet noch ordentlich Ware. Wenig später flatterte den Geschäftsleuten die Kündigung ins Haus. Die Kunden konnten es ebenso wenig fassen wie die Betroffenen selbst.

Die Firma Krause steht mit ihrer Situation allerdings nicht alleine da. Auch das Geschäft Fischl Optometrie und Hörakustik muss das Gebäude verlassen. Eine Nachnutzung des Hauses ist jedoch gesichert. Offenbar will sich der bestehende Drogeriemarkt vergrößern.

Auch der Nachbar muss raus

Wie Optometrist Fritz Fischl erklärt, habe ihm der Vermieter schon vor zwei Jahren mitgeteilt, seinen Mietvertrag, der bis Ende 2021 gilt, nicht zu verlängern. „Wir haben dann gleich unsere Augen offen gehalten, um einen neuen Standort in der Stadt zu suchen“, so der 65-jährige Geschäftsinhaber, der vor zehn Jahren Inhaber des Optikergeschäfts am Stadtplatz 12 wurde. Ab 1. Januar 2021 Jahres betreut er mit seinem Team die Kunden in der Berliner Straße 36 (vormals Rosenapotheke). Der Geschäftsmann hofft allerdings, nicht bis Ende des nächsten Jahres Miete für sein bisheriges Domizil zahlen zu müssen.

Ende März macht Geschäft zu – Betrieb geht weiter

Bei Heidrun Krause sieht die Angelegenheit völlig anders aus. Nach dem ersten Schock startete sie mit ihrem Team den Räumungsverkauf. Ende März müssen die Krauses raus.

Heidrun Krause geht die ganze Sache ans Herz. Als sie erzählt, dass viele Kundinnen ihr Blumen in den Laden brachten, als sie von der Kündigung hörten, kann sie die Tränen kaum noch halten. „Sie haben sich bei mir und bei meinen Mitarbeiterinnen für das gute Vertrauensverhältnis bedankt, das wir in all den Jahren aufgebaut haben.“

Geschäft macht zu – Betrieb geht weiter

Das Geschäft in der Innenstadt wird es künftig nicht mehr geben. Sohn Thomas, dem der Betrieb schon vor mehreren Jahren übergeben wurde, wird den Verkauf und das Verlegen sämtlicher Bodenbeläge unabhängig von der Schließung der Wohnkultur aber weitermachen. Die Polsterei bleibt ebenfalls bestehen. In der Tulpenstraße 12 unterhalten die Krauses ein entsprechendes Lager.

Was für die Geschäftsfrau ein zusätzlicher Lichtblick ist: Seit Jahren betreibt sie für ihre Kunden einen Wasch- und Reinigungsdienst für Gardinen. Auch diesen Service wird Heidrun Krause weiterhin anbieten. Die vielen Stunden, die sie in ihrem Geschäft verbrachte, fallen Anfang des neuen Jahres aber ziemlich weg.

Alternativ will sie ihren Sohn im Büro unterstützen und sich neben Enkel Mats auch Hündchen Timmy widmen. Mit dem drolligen Vierbeiner im Körbchen ist ausgiebiges Fahrradfahren angesagt. Vorher hofft sie, sich noch von vielen treuen Kunden persönlich in der Wohnkultur verabschieden zu können.

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