Architekten-Wettbewerb

Waldkraiburger Stadtrat gibt Leitplanken für den Rathaus-Neubau vor

Ursprünglich sollte der gesamte Sartrouville-Platz Bestandteil des Wettbewerbsauftrags sein. Jetzt wird der Ideenwettbewerb auf den kleineren Bereich rund ums bestehende Rathaus reduziert.
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Ursprünglich sollte der gesamte Sartrouville-Platz Bestandteil des Wettbewerbsauftrags sein. Jetzt wird der Ideenwettbewerb auf den kleineren Bereich rund ums bestehende Rathaus reduziert.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Das Millionen-Projekt Rathaus-Neubau ist kurz vor Jahresende einen Schritt weitergekommen. Mit 24:5 Stimmen hat der Waldkraiburger Stadtrat den Auslobungstext für einen Architektenwettbewerb befürwortet und damit Leitplanken für das Vorhaben gezogen.

Waldkraiburg– Das ambitionierte Ziel bleibe, 2024 in ein neues Rathaus einziehen zu können. Daran will Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) festhalten.

Als Zielsetzungen hatte der Stadtrat ausgegeben, anstelle des sanierungsbedürftigen Altbaus ein funktionsfähiges neues Rathaus zu errichten. Der Neubau, der in Richtung Süden zum Stadtplatz vorrückt, solle eine Initialzündung für eine Attraktivitätssteigerung des Zentrums sein. Dessen „Aufenthaltsqualität“ soll deutlich verbessert werden. Kern der Auslobung ist ein Raumprogramm für knapp 100 Mitarbeiter der Verwaltung. Höchste Priorität hat eine höhengleiche Öffnung und Verbindung des Stadtplatzes und des Sartrouville-Platzes. Diese Vorgaben sind ebenso Bestandteil der Auslobung wie baurechtliche Themen, die Erschließung oder die Stellplatzfrage.

Disput um Ideenteil für Sartrouville-Platz

Mit diesem Beschluss ist eine gravierende Änderung verbunden. Bislang sollten die Wettbewerbsteilnehmer auch Ideen für die städtebauliche Entwicklung des gesamten Sartrouville-Platzes samt Umgriff erarbeiten. Neben dem zentralen Auftrag, der die Realisierung des neuen Rathauses samt Tiefgarage und die Stadtplatzgestaltung betrifft, beschränkt sich die Auslobung des Ideenteils nun aber auf einen deutlich kleineren Bereich rund um das alte Rathaus. Dieses soll abgerissen, und die Fläche einer neuen Nutzung zugeführt werden.

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Charlotte Konrad (CSU) und Richard Fischer (SPD) bestehen auf einer umfassenden Untersuchung des gesamten Bereichs. Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungsabteilung, begründet die Reduzierung damit, dass die Voraussetzungen für klare Vorgaben der Auslobungsinhalte fehlen. Dazu brauche es nähere Untersuchungen und Erhebungen zu künftigen Nutzungsmöglichkeiten. Eine Frage ist: Soll es bei Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss bleiben? Es fehle zudem ein vernünftiges Verkehrs- und Parkkonzept. „Wir wollen den Wettbewerb fortsetzen.“ Es werde etwa ein- bis eineinhalb Jahre dauern, bis dafür die Voraussetzungen vorliegen.

SPD-Sprecher Fischer kritisierte erneut, dass allein der Neubau anvisiert werde, nicht aber die Sanierung. Der Bürger werde einseitig in eine Richtung gesteuert.

Bürgermeister weist Kritik zurück

Das wies Bürgermeister Pötzsch zurück: „Dagegen verwehre ich mich. Hier werden keine Bürger gesteuert. Wir haben offen kommuniziert.“ Und: „Wir führen nicht wieder die Grundsatzdebatte, ob wir sanieren oder neu bauen.“

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Auf die Frage von Stephanie Pollmann (CSU), ob die Stadt das Rathaus zwingend bauen muss, erklärte Schwunck, dass mit dem Wettbewerb ein Planversprechen gegeben werde. „Wir dürften den Wettbewerb nicht starten, wenn wir die Finanzierung nicht hinkriegen.“ Sollte sich später herausstellen, dass sich die Stadt den Bau nicht leisten kann, seien die Preisträger je nach Ausstiegszeit zu entschädigen.

5 Stadträte stimmten dagegen – 24 dafür

Während Pollmann und Konrad (CSU) sowie Fischer, Anni Will und Martina Arnusch-Haslwarter (alle SPD) gegen den Auslobungsentwurf stimmten, sprach sich eine deutliche Mehrheit von 24 Stadträten dafür aus.

Dr. Frieder Vielsack (UWG): „Es ist richtig, mit dem Rathaus und dem Stadtplatz zu beginnen.“ Für die Verwaltung sei wichtig, dass das Rathaus funktioniert, für die Bürger, dass das Gebäude Keimzelle einer lebendigen Innenstadtentwicklung wird. Sein Fraktionskollege Christoph Vetter ergänzte: „Ich bin froh, dass es losgeht. Wir sollten aufhören, jedes Mal zu diskutieren, ob es sich auch sanieren lässt.“

Daten und Fakten zum Wettbewerb

An dem nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil können 15 Architektenbüros teilnehmen, vier werden vorausgewählt. Begleitet wird die Stadt bei dem Verfahren von einem erfahrenen Münchner Büro, das laut Bauamtsleiter Carsten Schwunck bereits 80 Wettbewerbe, darunter sechs Rathausprojekte, betreut hat.

Das Preisgericht, das sich aus Fachrichtern sowie Sachrichtern, darunter der Bürgermeister und weitere Vertreter des Stadtrates, zusammensetzt, könnte im Herbst 2021 über die eingereichten Entwürfe entscheiden.

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Die besten drei Entwürfe werden prämiert. Einen von ihnen, nicht zwingend den ersten Preis, muss die Stadt realisieren. Wer bei der Umsetzung zum Zug kommt, das hängt neben dem Entwurf (zu 40 Prozent) davon ab, wie leistungsfähig das Büro bei der Umsetzung und Bauaufsicht ist. Auch der Preis sei ein Kriterium, so Schwunck.

Das Rathausprojekt ist mit insgesamt rund 24 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe ist in der städtischen Finanzplanung bis zum Jahr 2024 berücksichtigt. Das Baufenster für den Rathausneubau ist 1460 Quadratmeter groß. Die Geschossfläche des neuen Rathauses beträgt rund 4750 Quadratmeter.

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