Den neuen Stadtbau-Chef erinnert Waldkraiburg an „Münchner Verhältnisse“

„Einer deranschiebt und in unser Anforderungsprofil passt.“ Bürgermeister Robert Pötzsch (rechts) freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Stadtbau-Geschäftsführer Martin Reitmeyer. Grundner

Er hat sich die Stadt genau angeschaut, ist mit dem Radl kreuz und quer durch Waldkraiburg gefahren, ehe er seinen Vertrag als neuer Geschäftsführer der Stadtbau GmbH unterzeichnete: Bauingenieur (FH) Martin Reitmeyer, der sich bei seiner Tour an „Münchner Verhältnisse“ erinnert fühlte.

Waldkraiburg– Nicht dass Martin Reitmeyer die 25 000-Einwohner-Stadt am Inn mit der Millionen-Metropole an der Isar vergleichen wollte. Natürlich ist in Waldkraiburg alles eine Nummer kleiner. Doch die Ausgangslage, die Aufgabenstellung ist recht ähnlich, findet der neue Stadtbau-Chef. Hier wie dort sind die Möglichkeiten, auf größere Flächen zugreifen zu können, „überschaubar“. Reitmeyer: „Deshalb liegt der Schwerpunkt auf Nachverdichtung und Bestandsentwicklung.“

18 Jahre lang bei der Münchner GEWOFAG

Der Vergleich mit München ist kein Zufall. Dort hat sich der 46-Jährige bald nach dem Studium mit den Schwerpunkten Baubetrieb und Bauabwicklung vielfältige Erfahrungen im Projektmanagement, bei der Betreuung von Großprojekten etwa in der Messestadt Riem, in der energetischen Sanierung von Wohnquartieren, beim Bau von Kitas und sozialen Einrichtungen für die Stadt München erworben. „Ich bin mit dem Wohnungsbau groß geworden“, sagt Reitmeyer, der wie sein Vorgänger Götz Keßler von der GEWOFAG kommt, dem großen städtischen Immobilienkonzern. Nach 18 Jahren habe er eine neue Herausforderung gesucht.

Neues Rathaus, Kita-Bau, Schultausch

Die Aufgabenstellung in Waldkraiburg, im Rahmen der vorgegeben Strukturen und Möglichkeiten etwas voranzubringen, findet er „sehr interessant“. Auch weil die Aufgaben sehr vielfältig seien: mit Handlungsfeldern wie dem Facility-Management für die öffentlichen Gebäude der Stadt oder Großprojekten wie dem Rathaus-Neubau, wo noch viele grundsätzliche Fragen zu klären sind, von der Finanzierung über die Übernahme der Bauherrenaufgabe bis zur Abwicklung. Ein weiteres große Thema der nächsten Jahre neben dem Anbau an die Diesel-Grundschule und dem Bau einer zusätzlichen städtischen Kita ist der Tausch der Schulgebäude der Franz-Liszt-Mittelschule in Waldkraiburg-Süd und des Förderzentrums an der Dieselstraße. Die nächsten Planungsschritte müssen zeigen, ob dieser Schritt, den Stadt und Landkreis gemeinsam tun wollen, tatsächlich möglich ist. Noch eine Aufgabe, zusammen mit privaten Partnern: die Entwicklung des Geländes am ehemaligen „Weißen Hirsch“ im Süden der Stadt zu einem neuen Wohnquartier.

Martin Reitmeyer: Stillstand bringt uns nicht weiter

Es gibt viel zu tun, Martin Reitmeyer will es anpacken. „Stillstand bringt uns nicht weiter.“ Diese Haltung gefällt Bürgermeister Robert Pötzsch. „Er passt in unser Anforderungsprofil“, sagt er über den neuen Geschäftsführer. „Das ist einer der Gas geben kann, anschieben kann, der offen ist für andere Wege.“ Dass Reitmeyer erst 46 Jahre ist und nur wenige Monate nach dem Abschied von Götz Keßler die Vakanz auf dem Geschäftsführerposten beendet, trifft sich aus Sicht des Bürgermeisters ebenfalls gut.

Die Stadtbau: Über tausend Wohnungen, gut 30 Mitarbeiter

Der neue Stadtbau-Chef, der bei der GEWOFAG seit zehn Jahren Verantwortung für zehn bis 20 Mitarbeiter in seinem Sachgebiet getragen hat, wird in Waldkraiburg von einem gut 30-köpfigen Team unterstützt. Ilona Payer und Michael Niemeyer, die interimsweise als Geschäftsführer eingesetzt wurden, vertreten die Gesellschaft weiterhin als Prokuristen. Über tausend Mietwohnungen und weitere Einheiten betreut die GmbH.

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Die Eindrücke, die Martin Reitmeyer bei seiner Radl-tour durch Waldkraiburg, dem intensiven Studium des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts und den ersten Gesprächen im Haus und mit der Kommunalpolitik gewinnen hat bestärken ihn in der Überzeugung: Waldkraiburg sei „eine frische, eine aktive Stadt“. Hier werde „unheimlich viel geboten“.

Autobahn war ein wichtiges Argument

Und trotzdem hätte der zweifache Familienvater, der in seinem Heimatort Marzling bei Freising wohnen bleibt, wohl ohne die Eröffnung der A 94 nicht zugesagt. Die Autobahn hat Waldkraiburg „für mich von der Anfahrt her attraktiv gemacht“. Sie werde den Industriestandort voranbringen. Es wird zusätzlicher Wohnraum gebraucht. Das bestätigen laut Reitmeyer längst alle Gutachten und Statistiken.

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Nicht nur die Bauträger, auch die Stadtbau sei da als städtisches Unternehmen gefordert, nachhaltigen Wohnungsbau voranzubringen und dem sozialen Auftrag auch mit gefördertem und preisgünstigem Wohnraum gerecht zu werden. Alle Bereiche seien abzudecken, vom Reihenhaus über die Maisonette-Wohnung bis zum Geschosswohnungsbau.

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