Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Verdacht auf sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung von Buben

Neue Vorwürfe im Busfahrer-Prozess: Darum muss ein Waldkraiburger (56) wieder hinter Gitter

Kindeswohlgefährdung
+
Der Prozess gegen einen Busfahrer aus Waldkraiburg ist am Landgericht Traunstein gestern fortgesetzt worden. Ihm wird der sexuelle Missbrauch dreier Buben unter 14 Jahren vorgeworfen. Foto dpa
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
    schließen

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von drei Buben und vielfacher Vergewaltigung muss sich ein Busfahrer seit März 2021 vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Heike Will verantworten. Jetzt klickten erneut die Handschellen.

Waldkraiburg - Eine seltsame Szene erlebte eine Gruppe von Jungen bei einem nächtlichen Treffen. Aus einem Waldstück kam ihnen gegen 3 Uhr ein frierender Junge entgegen. Angeblich hatte ihn ein 56-Jähriger seines Autos verwiesen. Der Autofahrer, ein Busfahrer aus Waldkraiburg, muss sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor der Jugendschutzkammer Traunstein verantworten.

Die Clique hielt sich nach den Angaben des 16-jährigen Zeugen am Mittwoch vor Gericht am Rande eines Wäldchens auf. Man unterhielt sich. Plötzlich tauchte aus der Dunkelheit ein Bub auf. Die Freunde gaben ihm eine Decke, damit er sich etwas aufwärmen konnte.

Busfahrer soll ihn schon öfters angefasst haben

Auf Fragen erzählte der Junge damals, der 56-jährige Busfahrer habe ihn schon öfter angefasst und ihn bedroht, wenn er nicht mitmachen würde. Ein Mädchen aus der gleichen Clique erinnerte sich, sie habe beobachtet, wie einer der Geschädigten telefoniert habe und dann zu dem Busfahrer in dessen Privatauto gestiegen sei. Einer Freundin habe der Junge erzählt, es gehe ihm schlecht, er könne nicht mehr. Oft habe er geweint. Die Freundin habe ihr, so die Zeugin, geschrieben, der Bub werde öfter von dem Busfahrer vergewaltigt und habe vom Festhalten blaue Flecken am Handgelenk gehabt.

In entlegene Waldstücke gelockt

Die Schüler, alle anfangs unter 14 Jahre alt, soll der Busfahrer über seine Arbeit auf Linien im Landkreis Rosenheim kennengelernt haben. Er soll sie mit Geschenken gelockt haben, ihn vor allem an Wochenenden zu besuchen. Oder sie sollten mit ihm in entlegene Waldstücke beziehungsweise zur Wohnung einer zu den betreffenden Zeiten nicht anwesenden Bekannten fahren.

Der mutmaßliche Sextäter soll die Kinder zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Wenn die Opfer sich weigerten, wurden sie oder Angehörige gemäß Anklage der Staatsanwältinnen Karin Hahn und Helena Neumeier übel bedroht. Der 56-Jährige hat weder bei der Polizei noch in dem Prozess je etwas von den Vorwürfen eingeräumt. Wie bisher an allen Verhandlungstagen wirkte er gestern teilnahmslos und desinteressiert.

Mehrere Schüler sagen aus

Die Kammer hat die drei Jungen, Nebenkläger in dem Prozess, bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen. Gestern (23. November) waren Zeugen aus dem Bekanntenkreis an der Reihe. Ein weiterer 16-Jähriger schilderte, er sei öfter mal privat in einem Bus mit dem Angeklagten am Steuer mitgefahren. Mal habe er kein Ticket gebraucht, mal habe er zahlen müssen.

Einen der Nebenkläger, der täglich den Linienbus nutzte, habe er oft mit dem Angeklagten an der Haltestelle stehen sehen. Von dem anderen habe er gehört, der 56-Jährige habe ihm Zigaretten und Geschenke gegeben – weil er mit dem Buben Zeit verbringen wollte. Von dem Jungen habe er auch von Drohungen des Angeklagten erfahren – wenn der Junge das Handy ausgeschaltet oder mit Mädchen Kontakt hatte.

Die Masche: Schuhe kaufen oder McDonalds

Nach den ersten Zeugenaussagen in dem Ermittlungsverfahren der Polizei habe einer der Nebenkläger von dem Missbrauch und den Vergewaltigungen erzählt. Ein anderer habe Zigaretten von dem 56-Jährigen erhalten und gesagt, er sei drei- oder viermal von dem Busfahrer belästigt worden. Eine junge Zeugin erinnerte sich an die Bemerkung eines Freunds, der Angeklagte sei schwul. Ein weiterer 16-Jähriger aus der Clique hatte mitbekommen, dass der Angeklagte einen der Geschädigten zum „Schuhe kaufen“ oder zu McDonalds abholte.

Landeskriminalamt entdeckt DNA-Spuren auf Bettwäsche, Handtüchern, Waschlappen

Zahllose DNA-Spuren auf Bettwäsche, Handtüchern, Waschlappen, Taschentüchern, Küchenrollentüchern und ähnlichem, aber auch auf einer Herrenunterhose, entdeckte eine Biologin vom Bayerischen Landeskriminalamt. Häufig fand sich in Mischspuren von bis zu drei Personen auch DNA von jeweils einem der Nebenkläger und des Angeklagten. Ob die Genspuren zeitgleich entstanden, vermochte die Biologin allerdings nicht zu sagen. Wie eine Mischspur von drei Personen in eine Männerunterhose kommt, könne verschiedene Ursachen haben. Dafür reiche manchmal, etwas nur anzufassen, erwiderte die Biologin auf Frage von Verteidiger Andreas Knoll aus Waldkraiburg.

Prozess wird am 29. November fortgesetzt

Untersucht wurden zum Beispiel auch ein Feuerzeug, Wasserflaschen, Tassen oder Feuchttücher mit Tannen-und Fichtennadeln daran. Der auf inzwischen 15 Tage terminierte Prozess geht am Dienstag, 29. November, um 9.30 Uhr weiter. Mit dem Urteil ist erst Ende Januar 2023 zu rechnen.

Am Mittwoch im Gerichtssaal inhaftiert

Der Busfahrer, Mitte 2021 wegen Verdachts auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vorläufig festgenommen und im Mai 2022 mit Beschluss des Oberlandesgerichts München auf freien Fuß gesetzt, muss wieder hinter Gitter. Polizeibeamte präsentierten dem sichtlich überraschten Mann gestern nach Schluss des siebten Verhandlungstags der Jugendkammer einen neuerlichen Haftbefehl - erwirkt von der Kriminalpolizeistation Mühldorf wegen neuer Vorwürfe in Richtung Kindsmissbrauch.

Mehr zum Thema

Kommentare