Neue Kita mit acht Gruppen: Stadt Waldkraiburg favorisiert Standort auf Kirchengrundstück

Das Kirchengrundstück an der Kopernikusstraße favorisiert die Stadt als Standort für einen Kita-Neubau (blaue Fläche II), der zusätzlich zur bestehenden Kita (graue Fläche mit fünf Kita-Gruppen) maximal acht Gruppen, vier Krippen- und vier Kindergartengruppen, aufnehmen könnte. Kessner
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Das Kirchengrundstück an der Kopernikusstraße favorisiert die Stadt als Standort für einen Kita-Neubau (blaue Fläche II), der zusätzlich zur bestehenden Kita (graue Fläche mit fünf Kita-Gruppen) maximal acht Gruppen, vier Krippen- und vier Kindergartengruppen, aufnehmen könnte. Kessner

Um den enormen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen decken zu können, will die Stadt bis 2023 eine weitere Kindertagesstätte errichten. Nach langer Suche ist ein Standort gefunden.

Hans Grundner

Waldkraiburg – Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in Waldkraiburg wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Die Stadt will deshalb vier neue Krippengruppen, vier Kindergartengruppen, eine integrative Kindergartengruppe und drei Hortgruppen zusätzlich aufmachen. Seit einem Jahr läuft die Suche nach einem geeigneten Standort für eine neue Kindertagesstätte. Jetzt zeichnet sich eine Lösung für einen Neubau ab, der einen Großteil dieser Gruppen aufnehmen kann.

Fünf Standorte untersucht

Fünf mögliche Standorte hat Architekt Johannes Kessner im Auftrag der Stadt in einer Machbarkeitsstudie untersucht. Ein Neubau auf dem Gelände der Holzkirche in der Enzianstraße wurde ebenso früh verworfen wie auf dem Grundstück am Kalander, wo derzeit als Übergangslösung eine „Außenstelle“ des städtischen Kindergartens in Containern untergebracht ist.

In der engeren Wahl blieben neben einem Grundstück an der Prießnitzstraße das großzügige Gelände der Grundschule an der Graslitzer Straße. Dort würden allerdings zum bereits bestehenden Hort sämtliche zwölf Gruppen hinzukommen, also die mit Abstand größte Kinderbetreuungseinrichtung der Region entstehen.

Nachträglich untersuchte Kessner auch noch eine fünfte Variante: ein Kirchengrundstück an der Kopernikusstraße, wo bereits die Kita St. Christophorus mit vier Kindergarten (maximal 105 Kinder) und einer Krippengruppe (zwölf Kinder) besteht.

Ausschuss für Neubau an Kopernikusstraße

Das Ergebnis stellte der Architekt jetzt im Stadtentwicklungsausschuss vor, der sich einstimmig für diesen Standort aussprach. Diese Variante, für die die Kirchenverwaltung und die Leitung der bestehenden Kita bereits grundsätzlich ihre Zustimmung signalisiert haben, bringt allerdings einige Herausforderungen mit sich, unter anderem bei der verkehrlichen Erschließung.

Wie Kessner ausführte, könnte auf diesem Areal neben der bestehenden Kita ein Neubau Platz für maximal acht Gruppen (vier Krippen- und vier Kindergartengruppen) geschaffen werden, mindestens aber für sieben Gruppen. Damit ausreichend große Außenspielflächen auf dem Grundstück verbleiben, muss der Baukörper zweigeschossig sein.

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Die drei Hortgruppen und eine, höchstens zwei Kindergartengruppen, die an der Kopernikusstraße nicht unterkommen, sollen in einen Anbau auf dem Areal der Graslitzer-Grundschule integriert werden.

Erschwert werden die Planungen durch das bestehende Gebäude der Caritas-Beratungsstelle, das für die Erweiterung der Kinderbetreuung ungünstig steht. Ein Umbau dieses renovierungsbedürftigen Gebäudes wäre „zu teuer“, so Kessner. Die Stadt favorisiert einen Abriss, weil der Neubau dann kompakter an das bestehende Gebäude angebaut werden könnte, weniger Bäume weichen müssten und der Eingriff in die bestehende Außenspielfläche deutlich geringer ausfiele. Dann müsste aber eine Alternative für die Beratungsstelle gefunden werden. Ob ein Abriss möglich ist, will die Kirche laut Bürgermeister Robert Pötzsch bis Herbst in ihren Gremien klären.

Verkehrsanbindung ist ein Problem

Ein Problem ist die Verkehrserschließung des Grundstücks. Kessner: „Der Standort ist schlecht ins Straßennetz integriert.“ Die Eltern müssen weite Wege durch Stadt- und Wohngebiet zurücklegen. Eine Erweiterung um zusätzlich acht Gruppen würde zu einer erhöhten Verkehrsbelastung und Lärmbelästigung führen. Der Planer schlägt deshalb vor, durch eine kurze Stichstraße zur Adlergebirgsstraße eine direkte Verbindung ins Stadtzentrum zu schaffen, um das Wohngebiet zu entlasten. Gleichzeitig müsse aber verhindert werden, dass die Kopernikusstraße damit zu einer Durchgangsstraße wird.

CSU-Fraktionssprecher Anton Sterr begrüßte die Planung insgesamt und insbesondere die Idee der kurzen Erschließungsstraße. Dies könne auch den Schulstandort an der Dieselstraße entlasten. Im Ausschuss bestand Einigkeit darüber, dass es zur Klärung dieser Fragen ein Verkehrskonzept braucht.

Diskussion um Stellplätze

Ein weiteres Thema: die Stellplätze. Kessner geht von einem Bedarf von 44 Stellplätzen für den Bring- und Holverkehr aus, der am Standort gedeckt werden könne. UWG-Fraktionssprecher Dr. Frieder Vielsack, der die Planungen insgesamt sehr positiv sieht, würde diese Zahl gerne deutlich reduzieren, um den Eingriff in den Wald so gering wie möglich zu halten.

Dazu der Planer: Rein rechtlich seien nur zwölf Stellplätze notwendig. „Das reicht gerade für das Personal. Aber da gibt es ein Verkehrschaos.“ Und Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungsabteilung, verwies auf die Parkplatz-Probleme am benachbarten Schulstandort.

Gesamtkosten zwölf Millionen Euro

Die vorläufig geschätzten Kosten für die neue Kita an der Kopernikusstraße bewegen sich bei rund 7,4 Millionen Euro für acht Gruppen. Dazu kommen 4,7 Millionen Euro für den Anbau auf dem Grundstück der Graslitzer Straße. Grundstückskosten, Verbindlichkeiten aus Erbpacht oder Umbaukosten an der bestehenden Kita sind in dieser Summe nicht berücksichtigt.

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag, 14. Juli. Dann können die nächsten Planungsschritte folgen. Die ehrgeizige Zielsetzung der Stadt ist ein Nutzungsbeginn der neuen Kita an der Kopernikusstraße im September 2023.

Kinderbetreuung in Waldkraiburg: Zahlen und Fakten

Nicht weniger als 901 Betreuungsplätze für Kindergartenkinder zwischen der und sechs Jahren stehen laut Bedarfsplanung derzeit in den Waldkraiburger Einrichtugegn zur Verfügung. Für Kleinkinder bis drei Jahre gibt es 180 Krippenplätze in 15 Krippengruppen.

Die Zahl der Hortplätze beträgt 340. Der Bedarf für weitere 80 ist von der Stadt anerkannt. Mit der Fertigstellung des Horts in der Diesel-Grundschule werden diese Plätze zur Verfügung stehen.

Dazu kommen noch 36 Plätze in der Mittagsbetreuung an der Diesel-Grundschule, die später in den erweiterten Hort übergehen, sowie zwölf Plätze in der Spielgruppe im Familienzentrum.

Diese Plätze verteilen sich auf nicht weniger als 17 Kinderbetreuungseinrichtungen, beziehungsweise -standorte im Stadtgebiet. Als Träger dieser Einrichtungen sind neben der Stadt, die katholische und die evangelische Kirche sowie das Familienzentrum vertreten.

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