Neue Heimat? Tanzsportclub Weiß-Blau Waldkriaburg muss sich weiter an Strohhalm klammern

Variante 2:Sanierung und Umbau des alten Feuerwehrgerätehauses und Ergänzungsneubau. Der Nachteil auch hier: die hohen Kosten, ebenfalls fast eine Million.

Zwei neue Varianten für eine Lösung seiner akuten Raumprobleme hat der Tanzsportclub kürzlich Vertretern der Stadt vorgestellt. Doch die sind teuer und deshalb muss sich der Verein weiter an einen „Strohhalm“ klammern, eine Fristverlängerung für die Räume im „Freiraum 36“.

Waldkraiburg – Einen Durchbruch an diesem Abend hatte niemand erwartet. Ein „Werkstattgespräch“ nannte TSC-Vorsitzende Anna Reinholz-Kebinger deshalb vorsichtshalber die Veranstaltung im „Freiraum 36“ mit mehreren Kommunalpolitikern, darunter den drei Bürgermeistern und den drei Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat. Der 460 Mitglieder starke Verein, der – Stand heute – wie ein Dutzend weiterer Gruppen und Nutzer nur noch bis Ende 2020 den „Freiraum 36“, ein ehemaliges Schulungsgebäude in der Aussiger Straße 36, nutzen kann, hat sich nach Alternativen umgeschaut.

Variante 1: Tanzclub zieht ins neue Seniorenzentrum

Reinholz-Kebinger und ihr Vorstandskollege Manfred Lanzinger führten zwei neue Varianten ein: die Nutzung von Räumen im Neubau des Adalbert Stifter Seniorenwohnens, das bis 2023 an der Erzgebirgsstraße entstehen wird, und den Umzug in die Stadtmitte, ins ehemalige Feuerwehrgerätehaus in der Braunauer Straße. Eine Sanierung und Umbau des Bestandsgebäudes mit einem Ergänzungsbau wäre aus Sicht des Vereins ebenfalls eine gute Option.

Dem Heimwerk e. V., Träger des Seniorenzentrums, kommen die Pläne des TSC gerade recht. Wie Vorsitzender Hans-Georg Pieke deutlich machte, passen sie gut zum Konzept einer „Quartierslösung“, die an der Erzgebirgsstraße entstehen soll. 120 stationäre Pflegeplätze und 40 bis 50 Wohneinheiten im betreuten Wohnen soll das neue Gebäude bieten, das inmitten von acht Häusern mit mehr als 160 Eigentumswohnungen entstehen wird. Das Seniorenzentrum soll offen sein für Leute von außen. „Wir wünschen uns, dass es zu einer Mischung, einem Austausch der Generationen kommt.“ Auch über eine Kita-Einrichtung sei man deshalb im Gespräch, so Pieke.

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Der Tanzsportclub könnte Gewerberäume im Erdgeschoss nutzen. Lanzinger, der als Statiker bei dem Neubauprojekt tätig ist, zeigte auf, dass der Verein auf einer Nutzfläche von rund 250 Quadratmetern optimale Bedingungen hätte. Für diese Variante spricht unter anderem die günstige Lage, die vielen Synergieeffekte, etwa Räume, die Verein und Einrichtung gemeinsam nutzen können.

So oder so: Die Kosten liegen bei fast einer Million Euro

Nach ersten Schätzungen betragen die Baukosten inklusive sämtlicher Nebenkosten nach seinen Worten rund 940 000 Euro. Der Heimwerk e. V. favorisiert allerdings einen langfristigen Mietvertrag über 25 Jahre oder länger, sei aber auch für andere Lösungen offen, so Pieke, der für die Kaltmiete eine Größenordnung von 1500 Euro im Monat in den Raum stellte.

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Ob Mieter oder Bauherr, aus eigener Kraft, ohne die Stadt, kann der Verein „das nicht stemmen“, stellte die Vorsitzende klar. Aus den Rücklagen, durch die Erhöhung von Mitgliedsbeiträgen, durch Sponsoring und Förderung könnte der TSC allenfalls die Hälfte der Summe abdecken, glaubt Lanzinger.

Variante 2: Die Sanierung des alten Feuerwehrhauses

Das wäre bei Variante 2, einem „Haus des Tanzes“ zwischen dem Haus der Vereine und dem Haus der Kultur in der Braunauer Straße, allerdings nicht anders. Auf 920 000 Euro schätzt Lanzinger die Kosten für die aufwendige Sanierung des bestehenden Feuerwehrgerätehauses und einen neuen Anbau. Der Raumbedarf wäre hier größer, bei etwa 350 Quadratmetern. Für einige wenige Veranstaltungen, die im alten Feuerwehrhaus stattfinden, müsste eine Ersatzlösung gesucht werden. Doch das scheint das geringste Problem.

Susanne Engelmann sieht keine Chance für eine Finanzierung

Auch die Stadt könne diese beiden Varianten „nicht stemmen“, findet SPD-Fraktionssprecherin Susanne Engelmann. „Da führt kein Weg hin. Da müssen wir nicht weiter diskutieren.“ Ähnlich skeptisch äußerten sich ihre Sprecher-Kollegen Anton Sterr (CSU) und Frieder Vielsack (UWG), die gleichzeitig dem Verein ihren Respekt für sein Engagement bei der Lösungssuche aussprachen.

Richard Fischer glaubt an eine Zukunft des „Freiraum 36“

Richard Fischer (SPD), Zweiter Bürgermeister und zugleich Vorsitzender des Trägervereins für den „Freiraum 36“, sieht die Pläne des TSC aus einem weiteren Grund sehr kritisch. Sollte der mit Abstand größte Verein aussteigen, „ist der ‚Freiraum 36‘ tot. Was passiert dann mit den anderen Vereinen.“ Fischer hält das ehemalige Schulungsgebäude, das der Stadtbau gehört, nach wie vor für „zukunftsfähig“. Schließlich habe die Stadt schon 83 000 Euro in den Brandschutz investiert, um den Betrieb bis 2020 aufrechterhalten zu können. Auch die Parkplatzprobleme ließen sich lösen, glaubt er.

Bürgermeister Robert Pötzsch: „Freiraum 36“ hat keine Zukunft

Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) hält das für pures Wunschdenken. Zwar schließt eine neue Stellungnahme des Brandschutzgutachters, die der Stadt jetzt auch schriftlich vorliegt, nicht aus, nach den baulichen Maßnahmen (Fluchttreppe) und unter Einhaltung weiterer Auflagen die Übergangslösung „Freiraum 36“ auch über Ende 2020 hinaus fortzusetzen. Details wollte der Bürgermeister vor der Sitzung des Aufsichtsrates der Stadtbau nicht öffentlich machen. Wie dieses Papier zu bewerten sei, soll in der Sitzung Mitte Oktober Thema sein.

Pötzsch bleibt dabei: „Wir suchen etwas Langfristiges. Das ist am Standort Freiraum 36 nicht möglich.“ Das gebe die schlechte Substanz des Gebäudes, der Zustand des Dachs und der Heizung sowie das Fehlen von nahen Parkplätzen nicht her. Der Stadtbau-Aufsichtsrat habe sich vor einigen Jahren gegen die Sanierung entschieden, weil sie „unwirtschaftlich“ sei.

Und Michael Kebinger, der Ehemann der TSC-Vorsitzenden, der bei der Stadtbau arbeitet, warnte vor den hohen Kosten, die bei einer Umnutzung des Schulungsgebäudes in ein Vereinshaus entstehen könnten. Sollte bei einer Nutzungsänderung, für die es eine Baugenehmigung braucht, neue Vorgaben für die Deckennachrüstung wirksam werden, würde das „jeden Finanzrahmen sprengen“, fürchtet Kebinger.

Der TSC, daran ließ Anna Reinholz-Kebinger, keinen Zweifel, könnte mit einem Verbleib im „Freiraum 36“ gut leben. „Wir fühlen uns sehr wohl hier und haben genügend Platz.“ Damit sich der Verein aber im Haus finanziell engagieren kann, brauche er Planungssicherheit, betonte ihr Vorstandskollegen Peter Zinn. Da geht es um einen Zeitraum von mindestens einem Jahrzehnt.

Anton Sterr: Auch Zahlen zu Sanierung müssen auf den Tisch

Auch eine Fristverlängerung im Freiraum sei keine Lösung, nur ein „Strohhalm“, findet Frieder Vielsack. Anton Sterr, Charlotte Konrad, Dritte Bürgermeisterin Inge Schnabl und Susanne Engelmann forderten aber, dass auch für die Variante Sanierung „alle Zahlen auf den Tisch müssen“. Die Entscheidung des Stadtbau-Aufsichtsrates sei „nicht in Stein gemeißelt“, so Sterr. Auch die Frage, ob eine Teilsanierung des Gebäudes mit 2300 Quadratmetern Nutzfläche möglich wäre, solle geprüft werden.

In einer weiteren Zusammenkunft Ende Oktober soll das Heimwerk e.V. eine belastbare Kostenkalkulation vorlegen, ebenso der Verein erklären, wie viel er einbringen kann. Denn mit den bisherigen Zahlen könne er in kein Gremium gehen, stellte Pötzsch klar.

Anton Sterr schlug vor, den Mietvertrag für den „Freiraum 36“ auf unbestimmte Zeit mit einer Kündigungsfrist von einem Jahr zu verlängern, um weiter nach Lösungen suchen zu können.

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