Für 24 Bewohner

Neue Heimat für Menschen mit Handicap in Waldkraiburg ist endlich bezugsfertig

Die neue Anlage mit einem Wohngebäude für 24 Menschen mit Behinderung und einer Förderstätte mit 24 Plätzen in der Duxer Straße in Waldkraiburg ist nahezu fertig.
+
Die neue Anlage mit einem Wohngebäude für 24 Menschen mit Behinderung und einer Förderstätte mit 24 Plätzen in der Duxer Straße in Waldkraiburg ist nahezu fertig.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
    schließen

In der Duxer Straße in Waldkraiburg laufen letzte Arbeiten an der neuen Wohnanlage und Förderstätte für Menschen mit Behinderung. Mitte Februar sollen die Bewohner einziehen. Mindestens die Hälfte wird aus Schloss Malseneck bei Kraiburg kommen. Aus der Abgeschiedenheit rücken sie damit mitten ins städtische Leben.

Waldkraiburg/Kraiburg/Ampfing – Die Sozialeinrichtung in Malseneck, will der Orden der Barmherzigen Brüder, der neben Algasing bei Dorfen auch das Haus bei Kraiburg betreibt, in wenigen Jahren ganz aufgeben. Die Räume in dem denkmalgeschützten Haus entsprechen nicht mehr den gesetzlichen Erfordernissen.

Große Verzögerungen in der Bauphase

Es ist Zeit geworden mit dem Umzug, der ursprünglich schon 2019 geplant war und bei der Hebfeier noch für Mai 2020 angekündigt wurde. Das Projekt habe sich verzögert, räumt Ary Witte-Kriegner, Geschäftsführer des Wohn- und Pflegeheims der Barmherzigen Brüder in Algasing, ein. Zuletzt habe es wegen der Pandemie Schwierigkeiten bei Lieferungen gegeben.

Das Schloss Malseneck wird den modernen Anforderungen für eine Einrichtung der Behindertenhilfe nicht mehr gerecht. Bis spätestens 2024 sollen die letzten Bewohner in eine weitere neue Wohnanlage in Ampfing umziehen.

„Schock-Erlebnis“ Corona-Ausbruch

Corona hat Witte-Kriegner und sein Haus in den letzten Monaten mehr beschäftigt als ihm lieb war. In Algasing kam es zu einem schweren Infektionsausbruch mit einem Höhepunkt unmittelbar vor Weihnachten. Der Geschäftsführer spricht von einem „Schock-Erlebnis“. „Das war eine furchtbare Situation für das ganze Haus.“ 230 Bewohner werden in der Sozialeinrichtung von fast 400 Mitarbeitern betreut. Seit Mitte November wurden nach seinen Worten insgesamt 60 Mitarbeiter und 70 Bewohner positiv getestet. Vier Bewohner starben, bei drei Todesfällen waren dei Betroffenen bereits vor der Infektion schwer krank, so Witte-Kriegner.

Lesen Sie auch:

Schloss Malseneck ist verkauft

Stimmige Planung

Mittlerweile hat das Haus die Situation wieder im Griff, nicht zuletzt weil die Malteser in die Einrichtung geholt wurden, „die sieben Tage die Woche testen“. Drei Mitarbeiter seien derzeit positiv getestet, kein Bewohner. Viele Restriktionen seien weiter in Kraft. So kommen Bewohner, die wieder heimfahren dürfen, danach nur noch mit negativem Test ins Haus.

Keine Auswirkungen auf Malseneck

Der Ausbruch in Algasing hatte keine Auswirkungen auf das viel kleinere Malseneck. Jegliche Personenbewegungen zwischen den Einrichtungen, wie etwa einer Außengruppe in Dorfen und Malseneck, seien untersagt worden. In der Einrichtung selbst seien die Gruppen getrennt worden, soweit das alte Gebäude dies zulässt. Das Haus bei Kraiburg sei von Corona verschont geblieben, bis vor wenigen Tagen ein Mitarbeiter positiv getestet wurde. Bewohner seien bisher nicht betroffen. Ary Witte-Kriegner erklärt sich das mit der Abgeschiedenheit und auch damit, dass die Bewohner kaum Angehörige haben. „Es gab auch an Weihnachten nahezu keine Besuche.“ In Malseneck testen sich die Mitarbeiter nach seinen Worten gegenseitig und zum Teil auch die Bewohner. Gegebenenfalls werde man noch Unterstützung hinzu holen.

Kosten für Gesamtprojekt: 7,6 Millionen Euro

Nur noch 39 Bewohner halten sich in der Einrichtung bei Kraiburg auf, neun leben in einer Außenwohngruppe in Waldkraiburg. Sie werden von insgesamt 29 Mitarbeitern betreut. Einige Wohnungen seien nicht mehr belegt worden, weil sie nicht dem Standard entsprechen, den heute eine Behinderteneinrichtung bieten muss. Ein Standard, wie ihn die Anlage in Waldkraiburg aufweist. Ein dreigeschossiges Wohngebäude für 24 Menschen mit Behinderung wurde in der Duxer Straße hochgezogen. Dazu kommt – mit einem Verbindungstrakt angeschlossen – die ebenfalls dreigeschossige Förderstätte, die Platz für 24 Personen hat. Die Förderstätte steht auch externen Interessenten offen. 7,6 Millionen Euro hat das Gesamtprojekt gekostet, der weit überwiegende Teil dieser Summe ist durch Fördermittel von Bezirk und Freistaat abgedeckt.

In Ampfing entsteht weitere Wohnanlage

Etwa die Hälfte der Wohnungen werden von Behinderten aus Malseneck bezogen. Das „Haus Elisabeth“, eines der beiden Gebäude, die zur Sozialeinrichtung in Malseneck gehören, kann damit frei gegeben werden. Zum 1. März läuft der Mietvertrag aus. Der Besitzer wolle dort selbst einziehen.

Auch das Schloss ist bereits verkauft. Das Wohnheim hat einen Mietvertrag, den es jeweils um ein weiteres Jahr verlängern kann. Bis spätestens 2024 soll auch der endgültig auslaufen, die verbliebenen Bewohner in eine neue Anlage mit ebenfalls 24 Wohneinheiten in Ampfing umziehen. Das Grundstück nicht weit von der Schule, ist bereits gekauft. Sollte schon im März ein positiver Förderbescheid eingehen, könnte das Haus Mitte 2023 fertig sein, glaubt der Geschäftsführer.

Mitten ins städtische Leben

Mit den neuen Anlagen in Waldkraiburg und Ampfing rücken die Einrichtungen der Behindertenhilfe ganz im Sinne der Behindertenrechtskonvention mitten ins Leben. In den beiden Kommunen haben die Bewohner gute Anbindung an die Infrastruktur. So wird ihnen die Eingliederung in das gesellschaftliche Leben erleichtert. Laut Ary Witte-Kriegner vom Wohn- und Pflegeheim Algasing, das auch die Einrichtung in Masleneck betreibt, darf es keine größeren Einheiten mehr geben als 24 Plätze. Die Bürgermeister der beiden Kommunen stehen voll hinter diesem Ansatz.

„Es freut mich, dass wir in Waldkraiburg dazu beitragen können, einen wichtigen Schritt in Richtung Integration und Inklusion aller Bürger zu gehen. Waldkraiburg ist seit jeher eine offene Stadt“, sagt Robert Pötzsch. Und sein Kollege Josef Grunder. „Wir haben das Projekt mitten im Ort von Anfang an unterstützt. Das steht uns gut zu Gesicht. Früher wurden Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen weggesperrt. Das ist ein Unding. Das passt nicht mehr in unsere Zeit.“

Kommentare