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POLITISCHER ROMAN

Nazigeld und Nazidenken: Buchautor Rolf-Jürgen Lang verarbeitet Waldkraiburger Erfahrungen

  • VonJörg Eschenfelder
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Ja, es gibt sie: die Verbindung zwischen geheimen Nazi-Geldern auf einem Schweizer Konto und Waldkraiburg. Diese Verbindung hat sogar einen Namen und ein Gesicht. Sie heißt: Rolf-Jürgen Lang, in Waldkraiburg noch immer ein guter Bekannter.

Waldkraiburg– Hier, in Waldkraiburg, machte Rolf-Jürgen Lang aktiv Jugendarbeit. Jetzt schreibt er im Unruhestand politische Romane.

544 Seiten vom Kriegsende bis zur Gegenwart

Im Oktober 2020 legte er mit „Der Auftrag 62-35“ sein Debüt vor, das genau davon handelt: von geheimem Nazigeld in der Schweiz und dem Fortbestehen der Nazi-Ideologie in Deutschland.

Auf 544 Seiten spannt Lang den Bogen von den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Diktatur bis in die Gegenwart; verwebt die Geschichte zum Beispiel mit Kohls Spendenaffäre, dem Majdanek Prozess oder dem Mauerfall. Er bringt sie sogar mit der ominösen Schweizer Geldspende von 132 000 Euro an die AfD in Verbindung.

Geheime Nazigelder auf Konto in Basel

In den letzten Kriegstagen bekommt der 22-jährige Gefreite und überzeugte Nazi Hubert Rösler den Auftrag, in Basel ein Konto zu eröffnen und dort eine Million Franken einzuzahlen. Aus diesen Mitteln soll nach Kriegsende die nationalsozialistische Idee gefördert werden. Rösler führt das Konto gewissenhaft bis zu seinem Tod im Jahr 2019, baut ein beachtliches Vermögen auf und bleibt immer ein überzeugter Nazi.

Autor Lang: Jede Stadt war voll von Nationalsozialisten

Langs Roman blättert die Themen Krieg, Vertreibung und Schuld auf und beschäftigt sich vor allem mit einem: dem Überleben der Nazis und der nationalsozialistischen Gedanken. „Die Nazis waren nach 1945 nicht weg“, sagt der Autor. „Jede Stadt, jede Behörde war voll von Nationalsozialisten.“ Das Gedankengut habe bis heute weitergelebt: „Wir sind auf dem rechten Auge blind. Wir dürfen das nicht übersehen“, betont Lang. „Deshalb wollte ich den Roman schreiben.“

Lang verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger. Vielmehr möchte er den Blick weiten: „Was ist mit diesen Jahrgängen passiert, die als Kind nichts anderes gelernt haben?“ Die in der Hitlerjugend und im Bund Deutscher Mädchen groß wurden, deren Leben nach 1945 auf den Kopf gestellt war. „Die haben ihre Überzeugungen nicht aufgegeben“, wie er im Laufe seines Lebens immer wieder erfahren hat. So wurde ihm noch 1980 von einem Vorgesetzten nahegelegt, er solle sich bei seiner Arbeit in der Jugendpflege ein Beispiel an der Hitlerjugend nehmen.

Kindheit und Jugend in Waldkraiburg

Seine Kindheit und Jugend in Waldkraiburg haben ihn – wohl auch für dieses Thema – geprägt. Nicht weil Nazis hier mehr präsent waren als andernorts. Das waren sie nicht. Aber der Krieg war hier allgegenwärtig: Seine Kinderrutsche war auf einem alten Bunker, die katholische Jugendarbeit habe er in der alten Bunkerkirche an der Gablonzer Straße begonnen, am Bunkergeländer im Mettenheimer Hart habe er Parties gefeiert.

„Wenn man in Waldkraiburg spazierengegangen ist, ist man permanent an Bunkern vorbeigekommen. Wir haben die Kriegsreste mitbekommen, aber nicht den Krieg, weil über den nicht geredet wurde.“ Dafür war die Vertreibung immer präsent und wurde als das eigentliche Unrecht wahrgenommen. Lang: „Vielleicht kommt mein Interesse am Krieg daher, dass eben nicht geredet wurde.“

Hubert Rösler – wie der Protagonist zu seinem Namen kam

Beruflich hat es ihn später an den Ammersee verschlagen. Dort hat er zunächst nebenbei mit dem Schreiben von Erzählungen, Musicals und Kabarettprogrammen begonnen, sich schon lange mit dem Gedanken beschäftigt, einen politischen Roman zu schreiben. Eines Tages stieß er auf ein Interview eines „realen“ 85-jährigen Hubert Rösler. Das war die Initialzündung. Seit Ende 2018 hat er gut zwei Jahre lang jeden Tag vier bis fünf Stunden recherchiert. Hat reale Geschichten und Ereignisse gesammelt, ist selber mit einer Karte aus dem Jahr 1947 und einem schweren Rucksack bei Lörrach den Schleichweg über die Grenze in die Schweiz nachgewandert.

„Alles im Roman ist Fakt“, betont Lang, der sich mit der unterhaltsamen Darstellung von historischen Tatsachen und Ereignissen in die Erzähltradition eines Johannes Mario Simmel stellt. Auch seine Figuren sind realen Personen nachempfunden: Es gibt sie alle.

Auch den Hubert Rösler gibt es. Der sei aber nicht identisch mit dem ersten Waldkraiburger Bürgermeister Hubert Rösler (1950 bis 1966). Der Name seines Protagonisten sei ganz anders entstanden, wie Lang betont: Einer seiner Großväter hieß Hubert und „Rösler ist im Sudetenland ein Allerweltsname“. So kam es zu dieser Kombination.

Lang: Wir müssen uns nicht schuldig fühlen, aber verantwortlich

Lang möchte mit seinem Roman unterhalten, nicht anklagen, aber aufmerksam und hellhörig machen: „Wir müssen uns nicht schuldig fühlen. Aber wir müssen uns verantwortlich fühlen und wir dürfen keine Ruhe geben.“ Denn die Nazis und ihre Gedanken leben weiter unter uns.

Der Autor und das Buch

Rolf-Jürgen Lang wurde 1955 in Hamburg geboren und lebte seit seinem ersten Lebensjahr in Waldkraiburg. Hier baute er die katholische Jugend mit auf, war Begründer des privaten Jugendzentrums G12 und lange Jahre Vorsitzender des Kreisjugendrings. Nach seinem Studium verschlug es ihn 1980 beruflich nach Landsberg am Lech, wo er lange Zeit in der Jugendarbeit tätig und später als Medienberater selbständig war. Heute ist er im Ruhestand und arbeitet bereits an seinem nächsten Roman.

Das Buch: Rolf-Jürgen Lang: Der Auftrag 62-35, Roman, TWENTYSIX, 544 Seiten

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