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Sommerinterview

Nachverdichtung: Waldkraiburgs Bürgermeister verteidigt Entwicklungsstrategie

Bürgermeister Robert Pötzsch äußert Verständnis für die Diskussionen um die Nachverdichtung, will am Kurs aber festhalten.
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Bürgermeister Robert Pötzsch äußert Verständnis für die Diskussionen um die Nachverdichtung, will am Kurs aber festhalten.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Waldkraiburg – Sind Tempo und Ausmaß der Nachverdichtung in der Stadt zu groß? Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) zögert im Sommergespräch keinen Moment: „Ganz klar, nein.“ Die weiteren Themen: Waldbad, Rathaus, die Finanzen und zwei Firmenflächen, die entwickelt werden sollen.

Das Waldbad kommt groß raus als Schauplatz für die Filmkomödie „Beckenrand-Sheriff“. Freuen Sie sich schon auf die Kino-Premiere?

Robert Pötzsch: Die Premiere schaffe ich nicht. Aber ich schau mir den Film natürlich an. Ich glaube, dass man wenig Bezug zu Waldkraiburg feststellen wird. Das ist doch eine andere Geschichte.

Das Waldbad beschäftigt Sie auch im richtigen Leben. Wie geht es da im Herbst weiter?

Pötzsch: Wir sind im Zeitplan. Ende September tagt das Preisgericht. Dann werden die Ergebnisse vorgestellt und die Preise vergeben. Alles ist darauf ausgelegt, dass wir am 31. Dezember 2024 mit dem Bad fertig sein müssen. Die zugesagten Fördermittel sind fest mit dem Datum verbunden. So wie es aussieht, werden wir es hinkriegen, 2022 die Planung voranbringen und 23/24 die Umsetzung.

Wann werden denn die Bürger informiert?

Pötzsch: Ich gehe davon aus, dass das passiert, bevor der Stadtrat endgültig entscheidet. Uns muss natürlich klar sein, dass die Architekturbüros, die den Wettbewerb gewinnen, gewisse Rechte auf Umsetzung haben.

Auch fürs Rathaus läuft der Wettbewerb. Wie ist da der Sachstand?

Pötzsch: Auch da sind wir im Zeitplan. 15 Büros beteiligen sich an diesem Wettbewerb. Die Preisgerichtssitzung ist im November. Wir haben einen ähnlichen Zeitplan. 24/25 wollen wir ins neue Rathaus ziehen.

Warum ist hier der Zeitdruck so groß?

Pötzsch: Der Zeitpunkt ist schon überschritten. Die Gutachten zum Zustand des Hauses und der Tiefgarage sehen seit Jahren großen Handlungsbedarf. Wir haben Platzbedarf ohne Ende, für neue Aufgaben und Personal. Und wir können hier im Haus nichts mehr verändern, nur mit sehr großem Aufwand.

Beide Projekte bewegen sich im zweistelligen Millionenbereich. Bürger fragen, was soll da noch in anderen Bereichen gehen?

Pötzsch: Wir können diese Projekte finanzieren. Wichtig ist, dass nicht allzu viel Unverhofftes wie Corona kommt. Und dass die Einnahmen fließen. Gott sei Dank geht es unseren Firmen gut. Wir haben momentan sogar zwei Millionen Euro Gewerbesteuer-Vorauszahlungen mehr als geplant. Wir müssen uns aber gut überlegen, ob und wie wir über unseren originären Aufgabenbereich hinaus weitere Projekte umsetzen können.

Da müssen wir kreativ sein, mit anderen Partnern zusammen arbeiten. Ich denke da an den Kabinentrakt im Jahnstadion, wo der VfL mit großem Engagement und privatem Sponsoring eingestiegen ist. Allein aus dem städtischen Etat können wir so etwas nicht stemmen. Fördertöpfe sind mit Vorsicht zu genießen, wenn sie nur Anschubfinanzierungen sind und Folgekosten bei der Stadt hängen bleiben.

Wo sind neben Rathaus und Waldbad die größten Baustellen?

Pötzsch: Bei unseren Schulen und Kindergärten sind wir sehr gut aufgestellt, wir haben nach und nach modernisiert und saniert. Die Beethoven-Grundschule bekommt einen Anbau. Mit der Erweiterung der Diesel-Grundschule werden wir nach der Sommerpause fertig. Ich hoffe, wir können den Zeitplan halten, es gab einen Corona-Fall bei einer Firma. Wir werden in Zukunft den Hort an der Graslitzer-Schule erweitern müssen. Und an der Liszt-Mittelschule steht eine Sanierung an. Wir dachten, wir hätten noch Luft. Aber die Schule holt uns eher ein als geplant. Der Wasserschaden im Juni hat gezeigt, dass wir das Thema nicht mehr Jahre hinausschieben können.

Wie ist da der Stand?

Pötzsch: Im Moment läuft eine Machbarkeitsstudie: Was ist an dieser Schule zu tun? Sanieren wir das Ganze? Sanieren wir es während des Betriebs? Reißen wir die Schule ab und bauen eine neue auf das Grundstück? Oder gibt es sogar einen alternativen Standort? Wobei das eher unwahrscheinlich ist. Die Studie liegt voraussichtlich Ende 2021 oder im ersten Quartal 2022 vor.

Was passiert bei den Kitas?

Pötzsch: Da bauen wir weitere Gruppen an den Christophorus-Kindergarten an, um den Bedarf zu decken und mittelfristig von der Übergangslösung mit Containern weg zu kommen. Wir sind im Gespräch mit den Trägern, ob wir dann noch weitere Gruppen brauchen. Im Kindergartenbereich werden wir, so wie‘s ausschaut, keinen hohen Bedarfsanstieg mehr bekommen. Wir schaffen außerdem ein neues EDV-System an, wo Eltern sich künftig einmalig anmelden. Das wird für uns und für die Eltern übersichtlicher und einfacher und bringt Planungssicherheit.

Groß ist die Nachfrage nach Baugrundstücken. Wann stehen endlich Parzellen im Baugebiet West zum Verkauf?

Pötzsch: Ich hoffe, dass wir Ende 2022 Grundstücke auf den Markt bringen können. Weil wir vier Eigentümer sind, ist die Zusammenarbeit eine Herausforderung. Und wir sind in einem sensiblen Bereich mit dem Wald, der Ackerfläche und der Frage, wie die Abgrenzung zu Aschau ist. Die Anwohner haben Einwände, die wir im Bauleitplanverfahren berücksichtigen müssen. Das erfordert Zeit. Einige Schritte sind schon getan, etwa mit dem Anschlusszwang für die Fernwärme. Einzelne kleinere Bauflächen gibt es immer wieder mal, zuletzt das Baugebiet in Niederndorf. Auch da gibt es Gegner. Das haben wir mittlerweile bei jedem Bauvorhaben. In St. Erasmus ist eine Entwicklung geplant zwischen dem alten und neuen Bereich.

Die Nachverdichtung durch Geschosswohnungsbau sorgt für Diskussionen. War das Tempo und das Ausmaß dieser Entwicklung zu groß?

Pötzsch: Ganz klar, nein. Wir wissen seit Jahren, dass die A94 kommt und Zuzug bringt. Wir haben uns immer mehr Kaufkraft gewünscht, damit der Handel floriert und Angebote wie das Haus der Kultur, die Eishalle, das neue Freibad genutzt werden. Wir haben gute Unternehmen, Weltmarktführer, die Fachkräfte brauchen. Die müssen irgendwo wohnen. Nicht jeder, der eine junge Familie gründet, kann sich ein Haus leisten. Und wir sind in vielen Bereichen an den Stadtgrenzen angekommen. Wir müssen die Flächen, die noch da sind, behutsam entwickeln und bebauen. Ich bin überzeugt, dass uns das gelungen ist.

Verstehen Sie die Bedenken und Diskussionen?

Pötzsch: Die Diskussion ist wichtig, damit man nicht gleich mit dem ersten Entwurf durchstartet, mit dem, was wir oder ein Investor sich vorstellt. Dass man noch einmal überlegt: Ist die Höhe richtig, passt der Standort?

Wie ist denn Ihre Zwischenbilanz in Sachen Geschosswohnungsbau?

Pötzsch: Wir hatten viele Brachen und Schandflecke und haben immer gesagt: Das Stadtbild muss sich verändern. Da ist viel passiert, auf dem ehemaligen Konengelände etwa. Das Haldenwanger-Gelände war lange leer gestanden. Oder denken Sie an die Lackfabrik an der Bayernbrücke, die in den 80ern abgebrannt ist. Das ist für viele Besucher das erste Bild, das sie von der Stadt haben. Alles Brachflächen, die reif für eine Entwicklung sind, wo es endlich Investoren gibt. Wir haben attraktiven Wohnraum bekommen, vom 1-Zimmer-Appartement bis zur Penthouse-Wohnung für Waldkraiburger oder Neubürger von auswärts. In weiteren Beispielen haben die WSGW und die Stadtbau durch Sanierung und Neubau das Stadtbild verbessert, in der Troppauer Straße, am Iserring, in der Berliner und in der Reichenberger Straße. Die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen.

Interview: Hans Grundner

Fünf Hektar innerstädtisch: Zwei große Perspektivflächen

Zwei Industrie- und Gewerbegrundstücke stehen in den nächsten Jahren zur Entwicklung an: Insgesamt geht es da um rund fünf Hektar innerstädtischer Flächen: das Werk I, das die Firma Netzsch nach dem Umzug ins Industriegebiet aufgibt, und das Petes-Gelände.

Dazu der Bürgermeister: Netzsch investiere am Standort in der Geretsrieder Straße nicht weniger als 50 Millionen Euro und habe alles so umgesetzt wie angekündigt. „Natürlich muss die Firma die 1,6 Hektar große Fläche des ehemaligen Werk I in der Liebigstraße für die Gegenfinanzierung vermarkten. Der Bedarf ist da. Wir wollen das gemeinsam mit dem Unternehmen entwickeln. Wir wollen da ja keinen neuen Schandfleck auf Jahre. Auf dem Areal kommen nicht zwingend nur Mehrgeschosswohnungsbau in Frage, betont Pötzsch. „Das ist Gegenstand der Gespräche. Wir wollen das Gelände nicht vollstellen mit Hochhäusern. Da gibt es wahrscheinlich eine Mischform.“

Mit Max Aicher habe einer der größten Stahlbauer auf der Welt das 3,5 Hektar große Peters-Gelände gekauft. Pötzsch: „Nicht als Spekulationsobjekt, wie vielleicht mancher Vorgänger.“ Der neue Eigentümer habe signalisiert: „Lasst uns das gemeinsam entwickeln!“ Noch sei man nicht auf einen Nenner gekommen. „Aber das ist eine Riesenchance, dieses Gelände, das nicht zu den schönsten Ecken Waldkraiburgs gehört, zu entwickeln. Die Investoren wollen nicht ewig warten. Auch dort geht es nicht nur, aber auch um Wohnungsbau.“ hg

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